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Hof

Erneutes Tierdrama in Hof

Die Polizei findet in einem Gartenhaus in Hof 15 verwahrloste Kleinpudel und zwei Würfe Welpen. Ein Tier war bereits tot.



Tierheim
Die verwahrlosten Hunde sind im Tierheim untergebracht.   Foto: Jochen Bake » zu den Bildern

Hof/Landkreis - Vernachlässigte Hunde, eingesperrt in dunklen Räumen, eingepfercht in verdreckten Hundeboxen und eingekeilt von Müllbergen: So haben Tierschützer und Polizei Vierbeiner angetroffen und sie aus mehreren Anwesen in den Landkreisen Hof und Wunsiedel befreit. Besitzer der Anwesen und der Hunde war jeweils ein amtsbekannter Mann aus Schwarzenbach an der Saale (die Frankenpost berichtete). Zumindest ihm haben die Behörden nun das Handwerk gelegt: Das Veterinäramt des Kreises Hof verhängte gegen ihn ein Hundehalte-Verbot. Wer allerdings glaubt, dass solche krassen Verstöße gegen das Tierschutzgesetz nur von einem einzelnen Mann ausgehen, irrt gewaltig. Allein in dieser Woche erregten zwei neue Fälle Aufsehen. Als mutmaßliche Täter haben die Ermittler dabei einen Mann aus Südbayern und eine 32-jährige Neu-Hoferin im Visier. Die zunehmende Zahl an Notfall-Hunden führt wiederum dazu, dass die Hundezwinger in den Tierheimen der Region an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.

Alle Hände voll zu tun haben derzeit vor allem die Tierpfleger im Tierheim Erlalohe. Zunächst trafen dort in den vergangenen Tagen - wie berichtet - sieben Hündinnen und drei Rüden ein. Sie stammten von einem sogenannten Animal Hoarder aus Südbayern, dem die Behörden Ende Januar 140 Hunde abgenommen hatten. Die Mitglieder des Tierschutzvereins Hof und Umgebung mussten die Tiere erst einmal aufpäppeln und diverse Erkrankungen behandeln. Offensichtlich stammten die Notfall-Hunde aus äußerst schlechter Haltung. Vereinsvorsitzende Roswitha Gräßel bezeichnete den Mann aus Südbayern denn auch als "Tier-Messie".

Doch damit nicht genug: Am Mittwochabend erhielt die Stadt Hof von der Polizei die Mitteilung, dass auf einem Grundstück an der Max-Reger-Straße eine illegale Hundezucht betrieben werde. Aus einem gemauerten Gartenhaus waren Gejaule und Gebell nach außen gedrungen. Sofort waren Vertreter der Stadt, der Polizei und des Tierschutzvereins vor Ort und machten eine schreckliche Entdeckung: Mehrere Hunde waren in dem Gartenhaus auf engstem Raum offenbar schon seit drei Wochen eingesperrt. Die 32-jährige Mieterin des Anwesens hatte sich nach ersten Erkenntnissen der Polizei nicht um die Hunde gekümmert, ihnen nicht einmal Futter oder Wasser gegeben.

15 Kleinpudel sowie zwei Würfe Welpen waren in dem dunklen Gartenhaus gefangen. Sie wurden in viel zu kleinen Drahtkäfigen gehalten. Die Hütte war laut Polizei und Stadt mit Hundekot stark verschmutzt sowie vermüllt. Ein neugeborenes Tier war bereits verendet.

Die Hunde befanden sich in einem erbärmlichen Zustand: Als verdreckt, verfilzt und verängstigt beschreiben sie Augenzeugen. "Die Hunde wiesen ein verkrustetes ungepflegtes Haarkleid auf", heißt es im Polizeibericht von Freitag.

Am Donnerstag kam es zur Vernehmung der 32-Jährigen, die erst vor Kurzem nach Hof gezogen war. Dabei bestätigte sich, dass Grundstück und Gebäude nicht zur Hundezucht geeignet waren; auch die erforderliche tierschutzrechtliche Erlaubnis zur Hundezucht fehlte. Drei Hunde stammten von deutschen Züchtern, die anderen Tiere aus Tschechien. Schließlich gab die Halterin das Eigentum an den Tieren auf. Das heißt: Sie können nun zunächst im Hofer Tierheim bleiben und sind anschließend zur Vermittlung an neue Besitzer freigegeben.

"Mit Hunden sind wir momentan voll", sagt Roswitha Gräßel im Gespräch mit der Frankenpost . Nach den zwei Fällen in dieser Woche und dem Hunde-Drama an Heiligabend in Fattigau sind in kurzer Zeit 30 Hunde in Erlalohe eingetroffen. Von den Fattigauer Hunden ist nach Gräßels Worten einer bereits vermittelt, für die anderen gibt es Interessenten. Auch die Vermittlungschancen für die Pudel aus der Max-Reger-Straße schätzt sie als gut ein. Für die Hunde, die vom südbayerischen Tier-Messie stammen, gelte das jedoch nicht: Sie seien ängstlich und krank; fünf hätten sich nur unter Narkose untersuchen lassen. "Es wird Monate dauern, bis sie das Tierheim verlassen können."

Es wird Monate dauern, bis sie das Tierheim verlassen können.

Roswitha Gräßel, Vorsitzende

des Tierschutzvereins Hof, zu den Notfall-Hunden aus Südbayern

 
Hundehalte-Verbot hat vorerst Bestand

Das Landratsamt Hof hat bereits im Januar ein Hundehalte-Verbot gegen einen Mann aus Schwarzenbach an der Saale verhängt. Dieser war - wie berichtet - mehrmals mit Verstößen gegen das Tierschutzgesetz aufgefallen. Nun, einen Monat später, erlangt das Verbot Gültigkeit. Das bestätigt der Leiter des Veterinäramts im Landkreis Hof, Dr. Gunther Illgen, der Frankenpost auf Nachfrage. Allerdings hat der Täter eine Klage gegen den Bescheid eingereicht.

Wie Illgen erläutert, hat der Bescheid trotz der Klage vorerst Bestand. Erst eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Bayreuth könnte diesen Bescheid aufheben. Bis es allerdings zur Verhandlung in Bayreuth kommt, werden wohl mehrere Monate ins Land ziehen. Die Tiere sind damit zur Vermittlung freigegeben. Das Tierheim ist nicht auf eine dauerhafte Unterbringung ausgerichtet; und es würden im Laufe der Zeit auch Kosten für den Halter auflaufen.

Ein Verbot der Hundehaltung ist die härtestmögliche Bestrafung für Vergehen nach dem Tierschutzgesetz. Doch in diesem Fall blieb der Behörde keine andere Wahl, wie der Amtstierarzt sagt. "Die Prognose ist äußerst schlecht." Mit anderen Worten: Es ist nach mehreren Vorfällen nicht zu erwarten, dass der Schwarzenbacher Hunde tiergerecht halten könne. Weiterer Vorteil des Bescheids: Kontrollen sind jetzt jederzeit möglich, ob der Mann sich ans Verbot hält.

Grundlage für das Verbot waren fünf gravierende Vorfälle seit 2009. Sie liefen nach den Erkenntnissen der Behörden immer nach dem gleichen Muster ab: Die Hunde wurden aus einer Wohnung oder einem Auto voller Müll und Dreck befreit. Darüber hinaus soll sich der Mann zwei Mal geweigert haben, Hunde zum Tierarzt zu bringen. Die beiden Tiere verendeten qualvoll. Illgens Fazit: "Die Geduld der Behörden ist nach so vielen Fällen am Ende."

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Von Jan Fischer
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Veröffentlicht am:
19. 02. 2016
00:00 Uhr

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19. 02. 2016
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