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Geschenkte Arbeitszeit für den Chef

Die Gewerkschaft beklagt unbezahlte Überstunden im Gastgewerbe. Damit tue sich die Branche selbst nichts Gutes.



Hof/Landkreis - 2300 Beschäftigte arbeiten in Stadt und Landkreis Hof im Gastgewerbe. Allein in Hofer Hotels und Gaststätten haben sie einer Erhebung zufolge im vergangenen Jahr rund 23 000 Überstunden geleistet, im Landkreis waren es 30 000. Das geht aus dem "Überstunden-Monitor" hervor, den das Pestel-Institut im Auftrag der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) erstellt hat. Die Wissenschaftler haben die Zahlen auf Basis des Mikrozensus berechnet und sind dabei von bundesweiten Durchschnittswerten ausgegangen. Demnach waren 43 Prozent aller in Stadt und Landkreis Hof geleisteten Überstunden im Gastgewerbe unbezahlt. Für 2018 bedeute dies - bei zwölf Euro Lohnkosten pro Stunde für den Arbeitgeber - ein "Lohn-Geschenk" von 124 000 Euro in Hof und von 157 000 Euro im Landkreis, meldet die NGG.

"Von der Küchenhilfe im Hotel bis zum Kellner im Biergarten: Wer im Gastgewerbe arbeitet, ist auf jeden Euro angewiesen. Dabei sind 50 Prozent dieser Arbeitsplätze in Hof und 52 Prozent im Landkreis Minijobs", erklärt NGG-Geschäftsführer Michael Grundl. Das Problem der 450-Euro-Kräfte: Sie dürfen keinen Euro hinzuverdienen. "Also werden die Überstunden entweder gar nicht oder schwarz bezahlt." Statt Minijobber mit 450 Euro abzuspeisen, sollte das Gastgewerbe endlich mehr Menschen regulär beschäftigen und "ordentlich bezahlen", fordert Gewerkschafter Grundl.

Die NGG geht in die Offensive: Sie stellt sich mit der Gastgewerbe-Kampagne "#fairdient" hinter die rund 1100 Beschäftigten in den Hotels, Restaurants und Gaststätten in Hof und die 1300 im Landkreis. Denn ihnen drohe ein weiteres Problem: Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga dränge die Bundesregierung, die Arbeitszeiten noch flexibler zu machen.

Ziel sei es, die Höchstarbeitszeit auf bis zu 13 Stunden pro Tag auszuweiten. Der Dehoga werde sich mit seinem Vorstoß "ein Eigentor schießen", so die NGG. Denn das Gewerbe könnte durch eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit an Attraktivität einbüßen. "Gerade junge Menschen werden dadurch verschreckt. Und das bei der - im Branchenvergleich - ohnehin niedrigen Ausbildungsquote", sagt Grundl. Im Gastgewerbe sei es normal, oft an Wochenenden und Feiertagen, spätabends und auf Abruf zu arbeiten.

Die Studie nennt auch Zahlen zur Überstunden-Gesamtsituation in Stadt und Landkreis. Etwa eine Million Arbeitsstunden haben die Beschäftigten in Hof 2018 zusätzlich geleistet. Davon 559 000 ohne Bezahlung. Im Landkreis Hof machten die Beschäftigten 1,5 Millionen Überstunden, 823 000 davon für "umsonst". Demnach haben alle Beschäftigten in Hof und im Landkreis den Unternehmen 35 Millionen Euro "geschenkt".

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Veröffentlicht am:
29. 08. 2019
17:56 Uhr

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Veröffentlicht am:
29. 08. 2019
17:56 Uhr



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