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Gestank soll aus Dorf weichen

In Martinsreuth stinkt es aus dem Abwasserkanal nach faulen Eiern. Schuld daran ist wohl Schwefelwasserstoff, wie ein Experte erklärt.



Gestank soll aus Dorf weichen
Gestank soll aus Dorf weichen  

Konradsreuth-Martinsreuth - Seit Jahren haben die Bürger des Konradsreuther Ortsteils Martinsreuth mit einem widerwärtigen Geruch zu kämpfen, der scheinbar plötzlich auftaucht und wieder verschwindet. Selbst Siphons können nicht verhindern, dass ein Gestank nach faulen Eiern aus der Kanalisation in die Gebäude steigt. "Wer es nicht erlebt hat, kann es sich nicht vorstellen", berichtete Bürgermeister Matthias Döhla (SPD) in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. "Ich selbst war schon Gast beim FC Martinsreuth. Plötzlich steigt dieser Geruch auf, der so schlimm ist, dass man sofort das Wirtshaus verlassen muss. Ein Misthaufen riecht angenehm dagegen."

Seit etwa eineinhalb Jahren bestehe das Problem nach einer kurzen Pause wieder in extremer Form. Lange Zeit ließ sich die Ursache nicht finden. Nun ist die Gemeinde dem Übeltäter offenbar auf der Spur: Schwefelwasserstoff ist wahrscheinlich der Schuldige. Zu dieser Erkenntnis verhalf der Gemeinde Klaus Jilg, Ingenieur der auf Kanaltechnik spezialisierten Firma Unitechnics aus Schwerin. Ihn hatte der Konradsreuther Geschäftsleiter auf einer Messe kennengelernt. Anschließend hatte er ein Seminar des Unternehmens besucht. Im Gemeinderat erklärte Kanalexperte Jilg nun, wie es zu dem Problem kommen dürfte.

"Das Grundproblem ist eigentlich, dass wir alle Wasser sparen", führte er aus. "Nachts wird kaum Wasser verbraucht. Es steht also in der Leitung." Dort gibt es wenig Sauerstoff. Da sich im Abwasser Bakterien befinden, die Sauerstoff verbrauchen, ist dieser rasch aufgebraucht. Die Bakterien holen ihn sich nun dadurch, dass sie Schwefelverbindungen aufspalten. Der Schwefel bleibt übrig - und stinkt. "Wenn Sie das Wasser dann am Tag durch den Ort pumpen, steigt das Gas auf wie Kohlensäure im Mineralwasser. Das geschieht nicht ständig, sondern stoßweise: immer, wenn das Pumpwerk einschaltet. Je öfter man das Wasser pumpt, desto schlimmer wird das Problem." Da das Abwasser über zwei Pumpstationen von Oberpferdt über Silberbach nach Martinsreuth gelangt, hat es dort eben schon zwei Ortsteile hinter sich. Durch Schwefelwasserstoff im Wasser ergibt sich neben dem Gestank noch ein weiteres Problem: Trifft Schwefelsäure auf Beton, bildet sich Gips, was zur Korrosion des Rohres führt.

Jilg schlug vor, fünf Messgeräte im Kanal anzubringen, die die Schwefelwasserstoffkonzentration an den einzelnen Messpunkten erfassen: zwei in Silberbach, drei in Martinsreuth. Denn: "Subjektive Aussagen helfen uns nicht weiter. Wir brauchen objektive Daten." Auf deren Grundlage könne die Gemeinde dann entscheiden, wie sie dem Problem begegnen wolle. Denkbar seien etwa bauliche Veränderungen oder die Zugabe einer Chemikalie. Der Beschluss darüber stand auf der Tagesordnung des nichtöffentlichen Teils.

Laut den Martinsreuther Bürgern, von denen viele bei der Gemeinderatssitzung anwesend waren, tritt der Gestank vor allem im Winter auf. "Der Kanal stinkt bei Wetterumschwung", erklärte Jilg. "Wenn es einen Druckunterschied in der Atmosphäre gibt, drückt es vom einen Schacht rein und vom anderen raus." Der Martinsreuther Anwohner Jörg Müller wollte wissen, wie es sein kann, dass auch Siphons nicht imstande sind, der Geruchsbelästigung zurückzuhalten. Klaus Jilg führte aus: "Wir gehen davon aus, dass das Gas durch die Sperre kommt, weil es wasserlöslich ist. Gerade bei flachen Siphons mit wenig Wasserauflage kommt das vor."

Gemeinderätin Christel Werner (SPD) erkundigte sich bei Klaus Jilg, ob die Gemeinde beim Bau des Martinsreuther Kanals etwas versäumt habe. Jilg verneinte das. Oft seien die Rohre vor wenigen Jahrzehnten noch deutlich breiter geplant worden, als es heute in Anbetracht des steigenden Bewusstseins für das Wassersparen der Fall ist - was das Schwefelproblem verschärft. "Das würde ich aber nicht als Planungsfehler werten. Es haben sich einfach die Umstände geändert", sagte der Experte.

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Nico Schwappacher

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Veröffentlicht am:
15. 05. 2019
19:30 Uhr

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15. 05. 2019
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