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Gesunder Druck aus dem Rotmain-Center

Das Einkaufszentrum hat die restliche Bayreuther Geschäftswelt positiv beeinflusst, sagt Sabine Köppel vom Einzelhandelsverband. Sie warnt die Hofer vor falschen Vorwürfen.



Als vor 22 Jahren das Rotmain-Center in Bayreuth eröffnet hat, befürchtete der Bayreuther Handel schwere Einbußen. Heute sagt der Einzelhandelsverband: "Das Center tut der Stadt gut." Das liege an der Nähe und der Anbindung zu den Einkaufsstraßen - und daran, dass der lokale Handel in puncto Öffnungszeiten nachgezogen ist.
Als vor 22 Jahren das Rotmain-Center in Bayreuth eröffnet hat, befürchtete der Bayreuther Handel schwere Einbußen. Heute sagt der Einzelhandelsverband: "Das Center tut der Stadt gut." Das liege an der Nähe und der Anbindung zu den Einkaufsstraßen - und daran, dass der lokale Handel in puncto Öffnungszeiten nachgezogen ist.   Foto: Goeritz

Hof/Bayreuth - "Es gibt ja immer noch Geschäfte, die mittags zwei Stunden zu machen und abends um 18 Uhr schließen - und die dann jammern, dass keine Kunden kommen. . . ", sagt Sabine Köppel. Seit sie vor 25 Jahren ihre Arbeit beim oberfränkischen Einzelhandelsverband begonnen habe, drehe sich immer wieder alles um das Thema Ladenöffnungszeiten, erklärt die heutige Bezirksgeschäftsführerin. "Da führen manche Händler in ihren Argumenten viel Irrationales ins Feld", weiß sie. Und appelliert an den Handel, die Veränderungen im Einkaufsverhalten der Menschen nicht zu verschlafen. Aus Bayreuth berichtet sie von einem Beispiel mit positivem Druck.

IHK hinterfragt geplante Größe der Hof-Galerie

Die IHK für Oberfranken hatte sich seinerzeit, so wie auch der oberfränkische Einzelhandelsverband, grundsätzlich für den Bau der Hof-Galerie ausgesprochen. Das geplante Vorhaben erfülle eine Scharnier-Stelle zwischen Altstadt und Hauptbahnhof mit Leben, es stelle die Nahversorgung vor allem für ältere Menschen im Stadtzentrum sicher und es werte das Viertel insgesamt auf, heißt es in einer Stellungnahme der IHK. Allerdings fragt die Kammer darin kritisch, ob die Galerie wirklich so groß dimensioniert sein müsse: In Zeiten eines wachsenden Online-Handels und immer größerer Handelsflächen außerhalb der Innenstadt stelle sich die Frage, ob es die Galerie tatsächlich in dieser Größe brauche. Die IHK hatte damals schon angeregt, hier auch über Wohnungen nachzudenken.

Diese Ansicht bestätigt Peter Belina, IHK-Sprecher, auf Frankenpost -Anfrage. Die erwähnte Stellungnahme ist nicht neu: Die Stadt Hof hatte sie 2017 im Rahmen der notwendigen Änderung des Bebauungsplans angefragt, sie gehört zu einer ganzen Sammlung an Gutachten, die dem Beschluss zugrunde liegen. Seither wird immer wieder vereinzelt die Frage nach der Größe gestellt - nun wartet alles auf die Umplanungen des neuen Investors.

Als vor 22 Jahren in Bayreuth das Rotmain-Center mit seinen 20 000 Quadratmetern Verkaufsfläche und 700 Mitarbeitern in 80 Läden eröffnet hat, hätten auch viele den Untergang des restlichen Einzelhandels in der Innenstadt befürchtet. "Heute ziehe ich es gern als Positiv-Beispiel heran: Das Rotmain-Center hat Bayreuth gutgetan", betont Köppel. Zum Beispiel auch in Sachen Öffnungszeiten: "Auch heute schließen die meisten Geschäfte außerhalb des Centers früher als die Läden darin, doch insgesamt haben sich die Öffnungszeiten verlängert", erklärt sie. Da sei eben durchaus etwas Druck entstanden durch jene große neue Einheit. Aus dieser Erfahrung heraus befürworte der Einzelhandelsverband beispielsweise auch den Bau der Hof-Galerie.

"Hof braucht die Vielfalt als Einkaufsstadt", sagt Köppel. Und dazu könne ein neues Einkaufscenter sehr wohl beitragen: "Aus unserer Sicht ist die geplante Lage auch zentral genug." Schließlich gelte es, die größte Stärke des Hofer Handels weiter zu unterstützen: die vielen inhabergeführten Geschäfte. Köppel betont aber auch: "Die ewige Verzögerung des Projekts ist sehr problematisch nicht nur für die Bismarckstraße, das tut den Händlern weh und hemmt die gesamte Stadtentwicklung." Das ist vermutlich einer der wenigen Punkte, in denen sich Köppel inhaltlich einig ist mit Christian Klotz, der bekanntlich vor drei Wochen einen Vortrag zum Thema Innenstadt und Einzelhandel in Hof gehalten hat.

"Die Art und Weise, wie er aufgetreten ist, fand ich ehrlich gesagt unmöglich", betont Köppel. Zudem habe Klotz falsche Zahlen genannt, habe beispielsweise übertrieben, was die möglichen Mieten in Hof oder den durchschnittlichen Umsatz im Einzelhandel deutschlandweit betrifft. So weit weg von den Zielen, wie Klotz es heraufbeschworen hat, sei man in Hof gar nicht. Zudem stimmt Sabine Köppel nicht überein, wenn es um den Hauptadressaten der Klotz‘schen Schuldzuweisungen geht: "Die Hofer Stadtverwaltung ist im Vergleich mit vielen anderen Städten sehr agil, da gibt es ganz andere Kommunen, denen ihr Handel gleichgültig ist." Die Verantwortlichkeiten seien anderswo zu suchen.

"Jede große Entscheidung wird immer im Stadtrat getroffen, nicht in der Verwaltung. Da darf man die Verantwortlichkeiten nicht umkehren." Insgesamt aber mahnt die Geschäftsführerin zu etwas mehr Gelassenheit in der Gesamtdiskussion: "In jeder Stadt wird über den eigenen Handel geschimpft, überall werden die eigenen Pfunde schlechtgeredet." Die Coburger führen nach Bamberg zum einkaufen, die Kulmbacher nach Bayreuth und so weiter. Da sei Hof wahrlich nicht allein in Sachen schlechte Stimmung. Angeheizt werde die allgemeine Unzufriedenheit durch fehlende Nachfolger im inhabergeführten Einzelhandel oder durch die Schnelligkeit des Strukturwandels, die Internet und Co. mit sich brächten. Was hier helfe? Sich zusammentun, auch finanziell. "Der Vorsitzende des Hofer Einzelhandelsverbands, Lutz Pfersdorf, hatte vor einigen Jahren eine tolle Idee, die aber in Hof leider nicht auf fruchtbaren Boden gefallen ist", erzählt Sabine Köppel. "Er hat vorgeschlagen, dass alle Hofer Händler und Gastronomen einen Teil ihres jährlichen Werbebudgets direkt ans Stadtmarketing abführen, um damit die Einkaufsstadt als Ganzes bewerben zu können." Da sei es nicht um zusätzliche Ausgaben gegangen, nur um eine Umverteilung - und um ein weiteres Beispiel dafür, was sich lokaler Handel von Einkaufscentern abschauen könne, denn dort sei dieses System gang und gäbe. Insgesamt, das betont Köppel, begrüße der Einzelhandelsverband Initiativen, Engagement und Ideen aus den lokalen Werbegemeinschaften und Stadtmarketingvereinen, da sei man als Partner für vieles zu haben - nur müssten eben auch Vorschläge kommen.

Ein Beispiel aus anderen Städten: regelmäßig tagende Arbeitskreise mit Vertretern von Handel und Verwaltung, in denen Informationen ausgetauscht und gemeinsame Ziele besprochen werden. Das gibt es in Hof in dieser Form noch nicht.

 
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Christoph Plass

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Veröffentlicht am:
15. 10. 2019
18:18 Uhr

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Christoph Plass

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15. 10. 2019
18:18 Uhr



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