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Handelssprecher attackiert die Stadtverwaltung

Die Geschäftsleute in der Hofer Bismarckstraße wehren sich gegen Vorwürfe aus dem Rathaus: Man habe mehrmals Kontakt aufgenommen.



Eine Kundin schleppt prall gefüllte Einkaufstüten aus den Läden: In der Hofer Bismarckstraße wäre das dieser Tage wohl ein Bild mit Seltenheitswert. Symbolfoto: imtmphoto/Adobe Stock
Eine Kundin schleppt prall gefüllte Einkaufstüten aus den Läden: In der Hofer Bismarckstraße wäre das dieser Tage wohl ein Bild mit Seltenheitswert. Symbolfoto: imtmphoto/Adobe Stock  

Hof - Als die Ladeninhaber der Bismarckstraße am Mittwoch die Zeitung aufgeschlagen haben, ist ihnen vor allem eins sofort klar geworden: Die Schilderaktion hat ihnen Aufmerksamkeit gebracht. Über die Unterstützung vom Großteil des Hofer Bauausschusses haben sie sich gefreut - doch war der Ärger größer als die Freude. "Was uns die Stadtverwaltung vorwirft, ist eine Frechheit", da sind sich die Händler einig. Wie berichtet, haben die städtische Medienstelle und die Wirtschaftsförderung in einer Stellungnahme den Geschäftsleuten unter anderem vorgeworfen, angebotene Informationskanäle nicht genutzt zu haben.

Keine verkaufsoffenen Sonntage in der Bismarckstraße

Von verkaufsoffenen Sonntagen sind die Händler in der Bismarckstraße ausgenommen. Rainer Krauß, Pressesprecher der Stadt Hof, verweist auf die komplizierte Sachlage: "Es gibt enge rechtliche Beschränkungen, an die sich die Stadt halten muss." Würde das Gebiet, in dem Geschäfte am Sonntag geöffnet werden, zu groß, wäre die Durchsetzbarkeit eines verkaufsoffenen Tages möglicherweise in Gefahr. "Der räumliche Umgriff solcher Tage ist aktuell ein entscheidendes Kriterium." Ob sich die Regelung für die Bismarckstraße nach der Öffnung der Hof-Galerie ändert, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen: "Die Entwicklung hängt in großem Maße davon ab, wie sich übergeordnete Institutionen, etwa der Freistaat Bayern, bei diesem Thema positionieren und wie sich das dann auf die möglichen Umsetzungen in den Kommunen auswirkt."

Unverschämt sei es, ihnen zu erzählen, sie seien selbst schuld an ihrer Lage, wehren sich die Händler. Jürgen Leupold, Inhaber eines Ledergeschäfts, ist sauer: "Dass Stadtrat Felix Lockenvitz ins gleiche Horn bläst, ist noch ärgerlicher." Wie berichtet, hatte der CSU-Rat den Händlern vorgeworden, träge zu sein und die Digitalisierung verschlafen zu haben.

 

Bei Becher Stoffe ist man über die Reaktionen verwundert: "Wir wollen uns ja nicht mit der Stadt anlegen", betont Mitarbeiterin Angela Hipp. "Alles, was wir wollen, ist ein offenes Gespräch und regelmäßige Informationen." Der Vorwurf, die Händler hätten den digitalen Wandel verschlafen, macht sie besonders sauer. "Uns um unseren Online-Auftritt zu kümmern, kostet uns Zeit, die wir nicht haben; und Geld, das durch den sinkenden Umsatz auch immer weniger wird", sagt Hipp. So gehe es den meisten kleinen Familienbetrieben.

Auch Reisebüro-Inhaberin Doris Mattutat ist maßlos enttäuscht. "Die Stadträte und der Oberbürgermeister sind unsere gewählten Vertreter. Dass wir uns Trägheit vorwerfen lassen müssen, nur weil wir uns regelmäßige Informationen wünschen, ist für mich unbegreiflich." Außerdem: "Ich war bei jedem Baustellengespräch." Seit November gebe es die aber nicht mehr. "Wir wollen doch der Stadt gar nichts unterstellen. Wir wollen Unterstützung."

Auch Jana Veit, Inhaberin der Bismarck-Apotheke, hat an allen Baustellengesprächen teilgenommen: "Sollen wir jetzt etwa immer auf gut Glück bei der Stadt anrufen und nach Neuigkeiten fragen?" Es sei Aufgabe der Stadt, auf die Einzelhändler zuzugehen.

Erika Ehgartner-Opel, Inhaberin der Boutique Linette, betont, dass sie sich die ganze Zeit engagiert habe. "Ich war persönlich bei der Verkehrsüberwachung und habe darum gebeten, Baustellenfahrzeuge und Busse vor unseren Schaufenstern zu entfernen." Bei Baustellengesprächen war sie aber nicht: "Wie anderen Kollegen fehlte mir schlichtweg die Zeit."

Alle Händler sind sich einig: Die Parkplatzsituation ist besonders ärgerlich. "Kunden bekommen Strafzettel, wenn sie vor der Tür parken", sagt Ehgartner-Opel. "Sogar ich selbst musste mich schon über Knöllchen ärgern." Diverse Male habe man bei der Stadt um eine Parkscheibenregelung gebeten - bisher erfolglos. "Wir übernehmen die Strafzettel für unsere Kunden. Sonst kommt ja erst recht keiner mehr", berichtet sie.

Schockiert von der Stellungnahme der Stadtverwaltung zeigte sich der Hofer Einzelhandelssprecher Lutz Pfersdorf: "Die Aussagen sind unsachlich und überheblich." Er habe höchsten Respekt vor den Händlern der Bismarckstraße, "denen man im Moment das Wasser zum Überleben abgräbt". Seiner Meinung nach ist es völlig unerheblich, ob jemand am Baustellenfrühstück teilgenommen oder bei der Stadt angerufen hat oder ob es einen Online-Auftritt gibt. Es liege seiner Meinung nach in der Verantwortung einer Stadt, sich um den flüssigen Ablauf eines solchen Projekts und um die Einzelhändler zu kümmern. "Ein Verweis auf den Investor zählt für mich nicht." Anstatt die Einzelhändler anzugreifen, braucht es seiner Meinung nach die Stadt als schlichtende Hand. Pfersdorf: "Was sich da abspielt, ist für die Händler existenzbedrohend."

Lesen Sie dazu den Frankenpost-Kommentar.

 
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Nadine Schobert
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Veröffentlicht am:
06. 06. 2018
18:32 Uhr

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Nadine Schobert

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06. 06. 2018
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