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Hof ist Vorbild im Antisemitismus-Kampf

Das Wirken hier gegen judenfeindliche Umtriebe ist einzigartig im ganzen Land. Deshalb kommt Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, nach Hof.



Oberster Vertreter des jüdischen Glaubens in Deutschland und Vizepräsident des jüdischen Weltkongresses: Dr. Josef Schuster aus Würzburg vertritt die Israelitischen Kultusgemeinden im In- und Ausland. Dass er nach Hof kommt, um den Kampf gegen Antisemitismus hier auszuzeichnen, ist die größtmögliche Ehre für alle, die sich hier einbringen. Foto: Jens Büttner, dpa
Oberster Vertreter des jüdischen Glaubens in Deutschland und Vizepräsident des jüdischen Weltkongresses: Dr. Josef Schuster aus Würzburg vertritt die Israelitischen Kultusgemeinden im In- und Ausland. Dass er nach Hof kommt, um den Kampf gegen Antisemitismus hier auszuzeichnen, ist die größtmögliche Ehre für alle, die sich hier einbringen. Foto: Jens Büttner, dpa  

Hof - Eine größere Ehre könnte es nicht geben für die vielen Beteiligten in Hof, die sich seit Monaten (manche seit Jahren) dem aktiven Kampf gegen Antisemitismus verschrieben haben: Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, kommt am 7. November in die Saalestadt. Er wird die Preisverleihung eines Schülerwettbewerbs zum Thema mitverfolgen und mitgestalten: Der Wettbewerb, eine historische Studie, auf der er basiert, und die gesellschaftliche Debatte darüber waren ihm als beispielgebend fürs ganze Land beschrieben worden. Durch ihn - er ist der wichtigste Vertreter des jüdischen Glaubens in Deutschland und zudem Vizepräsident des jüdischen Weltkongresses - könnte das Hofer Beispiel auch in vielen anderen Städten Schule machen.

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"Jüdische Familien in Hof - erforschen der dunklen Zeit" ist eine Frankenpost -Serie überschrieben gewesen, die die Studie und die Diskussionen darüber begleitet hat. Unter jenem Suchbegriff finden sich auf www.frankenpost.de mehr als ein Dutzend Serien-Beiträge zum Thema.

Darum geht es: Bald fünf Jahre ist es her, dass die Herrmann-und-Bertl-Müller-Stiftung eine historische Studie über die Schicksale der Hofer Juden während der Nazizeit in Auftrag gegeben hatte. Dr. Ekkehard Hübsch-
mann, Genealoge aus der Nähe von Bayreuth, hat sich bekanntlich des Themas angenommen - und hat eine viel bedachte Arbeit erstellt. Auf mehr als 300 Seiten hat er akribisch dargestellt, wie sich die Judenfeindlichkeit damals entwickelte und Bahn brach. Er hat den Lebens-, Leidens- und bisweilen auch den Sterbensweg der Hofer Juden nachgezeichnet. Das Buch "Jüdische Familien in Hof an der Saale - Schicksale und Verfolgung im Nationalsozialismus" ist Anfang des Jahres erschienen, wenige Zeit später hat er eine ähnliche Abhandlung für Oberkotzau und Schwarzenbach an der Saale nachgelegt. Und die Publikationen lösten eine breite gesellschaftliche Debatte aus, die Menschen strömten zu den jeweiligen Vorstellungsterminen - und in den Diskussionsrunden, den Wort- und auch den Leserbrief-Beiträgen in den Wochen danach manifestierten sich zwei Erkenntnisse.

 

Zum einen wurde deutlich, wie sehnlich viele Menschen auf eine derartige Aufarbeitung gewartet hatten: In den Archiven findet sich kaum etwas über die Judenverfolgung in Hof, und die Erzählungen der "alten Hofer" waren hier bisweilen falsch oder sehr lückenhaft. Zum anderen haben die Beteiligten schnell gemerkt, dass sie hier in ein Wespennest gestochen haben, das weit über historische Dimensionen hinausgeht. "Der Geist des Antisemitismus lebt" und "Die Hofer Juden sind beunruhigt" sind nur zwei der Überschriften, mit denen die Frankenpost Anfang des Jahres im Rahmen einer Serie zum Thema aufmachte. So beschlossen die Initiatoren des Projekts, ihre Arbeit auszuweiten.

Um aus den historischen Begebenheiten lernen zu können, riefen sie einen Schülerwettbewerb ins Leben. Wie Anfang der Woche ausführlich berichtet, beteiligten sich fast alle weiterführenden Schulen der Stadt daran - und reichten Beiträge ein, die die Wettbewerbs-Jury staunen machte ob ihrer Professionalität und Ernsthaftigkeit. Unter dem Eindruck der beiden Jury-Sitzungen der vergangenen Wochen stand auch die Einladung an Josef Schuster zur anstehenden Preisverleihung.

Dr. Jakob Gonczarowski, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Hof, ist ebenfalls Mitglied der Jury, die sich die Schüler-Beiträge angesehen hat. Am Donnerstag bis in die Abendstunden dauerte die zweite und letzte Jury-Sitzung, am Freitag setzte er sich an den PC: "Ich habe dem Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern in einer E-Mail geschildert, was hier in Hof alles gemacht wird." Gonczarowksi sitzt selbst im Präsidium des Verbands, Josef Schuster ist auch hier Präsident. Er habe deutlich gemacht, wie einzigartig das sei, was in Hof im Kampf gegen Antisemitismus geschieht. "Aus meiner Sicht ist das einer der Wege, auch ohne Zeitzeugen - die ja immer weniger werden - das Ganze in der Bevölkerung präsent zu machen", erklärt Gonczarowski. Seine Hoffnung: dass Schuster die Hofer Idee möglichst breit streut im Land. "Er kann versuchen, dieses Herangehen auch anderen Städten zu empfehlen."

Schuster selbst habe sich in den vergangenen Tagen im Urlaub befunden, doch schon am ersten Arbeitstag danach habe er gleich sein Kommen ausrichten lassen. Er habe zudem erbeten, zur Preisverleihung selbst auch einige Worte sagen zu dürfen. Ein Wunsch, den ihm die Akteure freilich nicht verwehren: Dr. Gisela Strunz, als Vorsitzende der Stiftung, Initiatorin und treibende Kraft hinter dem Projekt, arbeitet gerade an der Gestaltung der Preisverleihung. Ihr neues Luxusproblem: Ludwig Spaenle, Antisemitismus-Beauftragter der bayerischen Staatsregierung, wird wohl nicht den prominentesten Redeplatz bekommen können. Ohnehin: Im Mittelpunkt steht die Präsentation der Schüler-Arbeiten, die solch prominente Streiter gegen Antisemitismus nach Hof holen. Die Veranstaltung ist nur für geladene Gäste, allerdings werden die Beiträge im Anschluss daran der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Wer weiß, was sich daraus noch alles entwickelt. . .

 
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Christoph Plass

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Veröffentlicht am:
24. 10. 2019
18:04 Uhr

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Christoph Plass

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Veröffentlicht am:
24. 10. 2019
18:04 Uhr



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