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Hof

Hofer Kaufhof schließt seine Pforten

Seit Samstag,18 Uhr, ist der Hofer Kaufhof geschlossen. Für die Stadt geht damit eine Ära zu Ende. Der Abschied fällt schwer - sowohl den Kunden als auch den Mitarbeitern.



Hof - Die gläsernen Schwingtüren sind geschlossen - und zwar endgültig. Am Samstag öffnet der Hofer Kaufhof morgens um 9 Uhr noch einmal seine Pforten. Als Geschäftsführer Bernd Reuter am Abend um 18 Uhr die Eingangstüren schließt, tut er das zum letzten Mal. Denn jetzt ist nach 55 Jahren Schluss. Das Warenhaus in der Hofer Innenstadt gibt es nicht mehr.

Der Konzern schweigt

Letzte Worte des Konzerns zum Ende der Ära Kaufhof in Hof bleiben aus. Weder der Hofer Geschäftsführer Bernd Reuter noch die 49 Mitarbeiter dürfen sich am letzten Verkaufstag der Presse gegenüber zur Schließung äußern. Auch nach mehrmaliger Nachfrage der Frankenpost lehnt die Presseabteilung ein letztes Statement ab. Man wolle sich zu dem Thema nicht mehr äußern, teilt ein Sprecher am Freitagabend mit. Auch Foto- oder Videoaufnahmen im Gebäude untersagt der Konzern ausdrücklich.

 

Die leuchtenden Buchstaben "Kaufhof" sind schon seit einigen Tagen abmontiert. Stattdessen zieren nur noch große orangefarbene Banner mit dem Schriftzug "Wir schließen" die Außenfassade. Betritt ein Kunde das Warenhaus, bietet sich ihm ein trostloses Bild. Leere Regale und Wühltische, kahle Wände, gestapelte Euro-Paletten und Kabel, die aus der Wand hängen. Vom einst so vielfältigen Sortiment ist kaum noch etwas übrig.

Trotzdem warten am letzten Verkaufstag einige Kunden bereits vor 9 Uhr vor den Glastüren. Der Grund: die Hoffnung auf ein letztes großes Schnäppchen. Teilweise 90 Prozent Nachlass auf den regulären Preis gibt es am Samstag. Gegen Mittag tummeln sich Menschenmassen auf den vier Etagen des Warenhauses. An den Kassen bilden sich meterlange Schlangen.

 

Die Mitarbeiter der Kaufhof-Filiale in Hof sind am Samstag in schwarz gekleidet. Für sie heißt es an diesem Tag Abschied nehmen. Jahrzehntelang waren die meisten im Hofer Warenhaus beschäftigt. "Es ist ganz einfach schrecklich", sagt eine Mitarbeiterin. "Über 40 Jahre habe ich hier gearbeitet." Doch auch am allerletzten Tag könne man die Routine nicht ablegen. "Wir räumen alle noch wie wild herum und versuchen, das bisschen Sortiment, das übrig ist, ordentlich zu halten", erklärt die Verkäuferin. "Wir sind hier groß und alt geworden - das tut weh."

 

Aber nicht nur die Mitarbeiter werden an diesem Tag emotional. Auch viele Kunden sind nur noch gekommen, um sich zu verabschieden. Von den Verkäuferinnen, die sie jahrzehntelang kompetent beraten haben, aber vor allem vom Kaufhof selbst. Einem Geschäft, das bei den meisten Kindheitserinnerungen weckt und zu Hof gehörte wie der Wärschtlamo.

"Es ist ein extrem komisches Gefühl", sagt Melanie Wildner. Sie ist in Hof geboren und aufgewachsen. "Natürlich tut es mir besonders für die Mitarbeiter leid." Kaufen wolle sie nichts mehr, nur noch Tschüss sagen, sich ein letztes Mal umsehen. "Man kann es sich noch gar nicht recht vorstellen, so ganz ohne Kaufhof", sagt sie.

"Ich finde es ganz schrecklich", meint auch Ronald Seifert. Er erinnert sich gerne an die Anfänge des Warenhauses in Hof mit der Feinkostabteilung im Untergeschoss. "Ich bin in Hof aufgewachsen, also auch mit dem Kaufhof." Dass das Warenhaus jetzt für immer schließt, fasst Ronald Seifert mit zwei Worten zusammen: "Einfach Wahnsinn."

Gerd und Ute Rogowski sind zu zweit gekommen - wie früher. "Mein Vater und ich sind hier, um unsere letzte Tour durch den Kaufhof zu drehen", sagt Ute Rogowski. Auch Gerd Rogowski ist traurig: "Es ist kein Tag vergangen, an dem ich hier nicht durchgelaufen bin und in der Süßwaren-Abteilung gestöbert habe." Für Hof ende eine Ära, da sind sich die beiden einig. Ute Rogowski kam sogar am Abend noch einmal vorbei. Als eine der letzten Kundinnen hat sie den Kaufhof um Punkt 18 Uhr verlassen. "Ich wollte mich am Ende noch gebührend verabschieden."

 

Die Mitarbeiterinnen der Bäckerei Dörsch berührt die Schließung des Kaufhofs. "Ich habe 28 Jahre hier in der Filiale gearbeitet", berichtet Heike Tilp. Sie und ihre Kollegin Justina Schramm, die 29 Jahre lang in der Dörsch-Filiale tätig war, stehen künftig in der Passage hinter der Theke. Die Bäckerei zieht in die leer stehenden Räume des ehemaligen Bekleidungsgeschäfts Orsay ein. "Man kann sich Hof einfach nicht vorstellen ohne Kaufhof", da sind sich die Mitarbeiterinnen einig.

 

Die Filiale der Modeschmuck-Kette Bijou Brigitte, die 25 Jahre lang in den Geschäftsräumen gegenüber der Bäckerei Dörsch am Kaufhof-Eingang untergebracht war, ist bereits im vergangenen August auf die andere Seite des roten Teppichs in der Innenstadt gezogen. Trotzdem wird Geschäftsführerin Alexandra Albl-Schädlich wehmütig, wenn sie an die Schließung des Kaufhofs denkt. "Mit den Mitarbeitern habe ich mich immer gut verstanden", berichtet sie. "Ich wünsche mir, dass sie alle wieder eine Anstellung finden, in der sie glücklich werden." Im Laufe der Woche hat sich Albl-Schädlich schon von einzelnen Kollegen im Kaufhof verabschiedet. Aber auch am Samstag besuchte sie das Warenhaus ein letztes Mal, um Tschüss zu sagen.

 

Der Liquid-Shop German-Flavours hat erst vor zwei Jahren eine Filiale im Hofer Kaufhof eröffnet. Nun muss das Geschäft umziehen. In den Ladenräumen des ehemaligen Schmuckgeschäfts neben dem Central-Kino wird der Shop laut Filialleiter Manuel Anders am 22. Januar wieder eröffnen.

 

Cetin Samat steht seit 22 Jahren fast täglich direkt vorm Hofer Kaufhof. Der Wärschtlamo sieht die Schließung des Warenhauses dennoch gelassen. "Der Kaufhof war zwar ein Anziehungspunkt, trotzdem glaube ich, dass die meisten Hofer sich auch ohne ihn noch mit ihrer Altstadt verbunden sehen." Angst vor Umsatzeinbußen hat er auch nicht. "Schon als die Bushaltestelle vor meinem Standort weg kam, wurde ich das gefragt", sagt er. Jedes Ende sei auch ein neuer Anfang. Schließlich wisse niemand was die Zukunft bringt. Er werde seinen Standort nicht aufgeben. "Seit 1997 stehe ich hier, und das soll auch so bleiben."

 

Kurz vor 18 Uhr sind noch immer viele Kunden im Kaufhof unterwegs. Die Ware ist fast komplett verschwunden. Die Mitarbeiter kämpfen mit den Tränen. Zehn Minuten vor Ladenschluss wendet sich Geschäftsführer Bernd Reuter ein letztes Mal über Lautsprecher an Kunden und Mitarbeiter. "Ich danke Ihnen, dass Sie uns bis zuletzt die Treue gehalten haben", sagt er. Dann ertönt das Lied "Time to say Goodbye" und Reuther verabschiedet sich: "Wir sagen heute nach fast 60 Jahren nicht ‚Auf Wiedersehen‘, wir sagen ‚Tschüss‘." - für immer.

 

Auch Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner hat den Kaufhof in den letzten verbliebenen Wochen noch einmal aufgesucht: "Das Bild, das sich bei Schließungen wie diesen vermittelt, ist natürlich in der Regel ziemlich trostlos - das sieht man derzeit ja auch bei Karstadt in Leipzig oder andernorts." Er fühle zwei Herzen in seiner Brust schlagen: "Einerseits ist es immer noch bedauerlich, dass eine etablierte Institution wie der Kaufhof mit seinem eher traditionellen Warenhauskonzept offensichtlich nicht mehr am heutigen Markt bestehen kann." Andererseits freue er sich, dass viele Kaufhof-Mitarbeiter bereits eine neue Aufgabe angetreten oder diese zumindest in Aussicht haben. "Als absolut positiv sehe ich den Blick in die Zukunft", betont Fichtner. Unmittelbar nach Ende des Betriebs beginne der Umbau des Gebäudes. "Unter anderem entstehen attraktive Ladenflächen, und damit werden auch Investitionen in Gebäude und Standort getätigt." Diese Investitionen seien seit Jahrzehnten überfällig. "Das weiß auch jeder Kaufhof-Kunde", ist Fichtner sicher.

Autor

Nadine Schobert
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
12. 01. 2019
19:21 Uhr

Aktualisiert am:
13. 01. 2019
20:09 Uhr

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Nadine Schobert

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12. 01. 2019
19:21 Uhr

Aktualisiert am:
13. 01. 2019
20:09 Uhr



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