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Hof

Hofer Radfahrer fühlen sich gestresst

Zugeparkte Radwege, Split und wenig Abstellmöglichkeiten: Radeln macht den Hofern laut einem Test keine Freude. Die Stadt will nun etwas unternehmen.



Gefahrenstelle: Hier muss ein Radfahrer auf dem Radweg einem geparkten Auto ausweichen.
Gefahrenstelle: Hier muss ein Radfahrer auf dem Radweg einem geparkten Auto ausweichen.  

Hof - Hof ist bei den Radlern durchgefallen. Im Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) landete die Saalestadt landesweit auf dem letzten Platz - von 51 befragten Städten. Auch bundesweit war das Ergebnis niederschmetternd: Von 364 geprüften Städten landete Hof auf Platz 362.

Radeln in der Saalestadt bedeutet also mehr Stress als Spaß. Das bestätigt auch der ADFC-Ortsverband Hof: "Ein nachvollziehbares Ergebnis", findet Andreas Engel. "Radfahren ist hier teilweise gefährlich." Engel sagt, er habe den Eindruck, dass die Stadt Hof es Radfahrern manchmal eher schwerer als leichter macht. Wintersplit liege noch im Sommer auf den Radwegen, die Luftbrücke sei mit Glasscherben gespickt, die Ampelschaltung nur auf Autofahrer eingestellt. Das seien aber nur einige Aspekte, die den Radfahrern das Leben schwer machen. "Selbst der Saale-Radweg, der sogar zu den Deutschlandradwegen zählt, wurde mit Rollsplit bestreut - anstatt geteert zu werden. Zum Radfahren ist das katastrophal", ärgert sich Engel über die Zustände.

Generell hätten viele Fahrradwege in Hof diese Bezeichnung gar nicht verdient. Sie seien zu schmal und zu unübersichtlich. Überwiegend seien es kombinierte Fuß-Rad-Wege, die für alle Beteiligten hinderlich und gefährlich sind. "Mal ganz davon abgesehen, dass manche Radwege einfach plötzlich an einem Baum enden", kritisiert Engel.

Einige Radwege stuft der Experte als besonders gefährlich ein: etwa den an der Ernst-Reuter-Straße in Richtung Konradsreuther-Straße. "Mit Kindern kann man diesen Weg eigentlich gar nicht nutzen. Da donnern die Lkw direkt am Radweg vorbei. Das ist ein enormes Risiko." Auch an der Friedrichstraße führt ein sogenannter Radstreifen entlang, über den der Fachmann sagt: "Dieser rote Streifen ist erstens extrem schmal und viel wichtiger noch: fast immer zugeparkt. Darum kümmert sich aber keiner."

Zügiges Vorankommen auf dem Rad ist in Hof nicht möglich. Selbst der neue Radwegabschnitt zwischen "Meinels Bas" und Lessingbrücke, der gerade erst eingeweiht wurde, ist für Engel nicht der Rede wert: "Dieser 'Radweg' ist vielleicht 200 Meter lang, und es hat ewig gedauert, bis er endlich entstanden ist."

Andreas Engel bemängelt außerdem, dass es in Hof kaum Möglichkeiten gibt, das Fahrrad sicher abzustellen. "Weder am Bahnhof, noch in der Stadt finden sich geeignet gesicherte Abstellanlagen."

Der ADFC Ortsverband Hof sieht die Stadt nun in der Pflicht zu handeln. "Diese Studie hält Hof den Spiegel vor. Es wäre schön, wenn die Stadt sich dieses Ergebnis zu Herzen nehmen und die Initiative ergreifen würde." Ein Konzept muss her, denn auch die vielen Studenten in der Hochschulstadt würden seiner Meinung nach sicherlich gerne ihr Rad nutzen.

Die Stadt ist sich im Klaren darüber, dass das Radverkehrsnetz Schwächen aufweist. "Ob diese Schwächen aber tatsächlich so gravierend sind, das sei einmal dahingestellt", sagt Pressesprecher Rainer Krauß. Dass Rad-Projekte in Hof in der Vergangenheit keine erhöhte Priorität genossen, führt er auf finanzielle Engpässe zurück: "Die Stadt war viele Jahre, was den Haushalt betrifft, nicht auf Rosen gebettet."

Aber gerade auch wegen der wachsenden Bedeutung Hofs als Hochschulstadt sei die Verbesserung der Infrastruktur für Radfahrer ein klares Ziel. Hierfür gebe es bereits konkrete Maßnahmen: So soll unter anderem die Fläche des ehemaligen Fernwehparkgeländes nach der Umgestaltung auch eine E-Bike-Station beinhalten und der Saale-Radweg damit aufgewertet werden. "Stück für Stück soll sich das Radfahrnetz der Saalestadt verbessern, damit solche schlechten Testergebnisse in Zukunft vermieden werden können." Das brauche aber Zeit. "Es kann sicherlich nicht alles gleich verwirklicht werden, was wünschenswert wäre", stellt der Pressesprecher klar.

Der ADFC-Ortsverband Hof hat derweil seine Hilfe angeboten: "Wir stehen gerne beratend zur Seite, sollte die Stadt bezüglich der Radfahrerfreundlichkeit etwas unternehmen wollen." Auch die Stadt wünscht sich, dass den Hofern das Radfahren wieder Spaß macht.

Inwieweit die geplanten Verbesserungen der Infrastruktur für Radfahrer in die Tat umgesetzt werden können, wird sich in Zukunft zeigen - spätestens beim nächsten Fahrradklima-Test.

Autor

Nadine Schobert
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Veröffentlicht am:
26. 05. 2017
16:12 Uhr

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Nadine Schobert

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Veröffentlicht am:
26. 05. 2017
16:12 Uhr



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