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Holocaust-Leugnerin gibt sich geläutert

In Hof sitzt eine 51-Jährige vor Gericht, die im Netz eine wahnwitzige Theorie verbreitet hat: Es geht um die Temperatur in den Gaskammern der Nazis.



Hof - Wie oft besuchen Schulklassen Gerichtsverhandlungen? Einmal in der Mittelstufe? Sinnvoller wäre, Jugendliche einmal im Monat ins Hofer Amtsgericht zu schicken. Denn hier lernt man fürs Leben. Zum Beispiel, wohin die Reise geht, wenn man gemeingefährliche Ideologien im Internet verbreitet. Eine 51-jährige Frau aus dem Raum Münchberg wäre dafür am gestrigen Montag beinahe ins Gefängnis gewandert.

Schon die Namen der Internetseiten, mit denen die Frau seit 2013 online war, lassen Böses ahnen: deutscher-freiheitskampf.com, deutschesreichforever.com, deutschlandbedroht.com. Die Seiten waren nicht nur zugepflastert mit verbotenen Symbolen wie Runen und Hakenkreuzen sowie Bildern und Reden von Adolf Hitler - sie enthielten auch ein brisantes Pamphlet: eine mehrseitige, mit physikalischen Formeln gespickte Abhandlung unter dem Titel "Gaskammer-Temperatur". Damit will ein Bekannter der Angeklagten bewiesen haben, dass die Deutschen nicht für den Holocaust verantwortlich sind, den millionenfachen Mord an Juden im Dritten Reich.

Für die Staatsanwaltschaft ein klarer Fall von Holocaust-Leugnung. Und das ist in Deutschland strafbar, selbst wenn die Seiten - wie in diesem Fall - bei einem amerikanischen Internetprovider angemeldet wurden. Fakt ist: Der Inhalt war in deutscher Sprache frei zugänglich - und das über mehrere Jahre hinweg.

Schluss war damit erst, als die Sache aufflog. Mitte Juli vergangenen Jahres klickten die Handschellen. Knapp vier Wochen saß die Bloggerin in U-Haft, dann verriet sie den Ermittlern die Passwörter und half so, die Internetseiten für immer zu löschen.

Richter Florian Braun gegenüber gab sie sich nicht nur geständig, sondern reumütig: "Ich bin da irgendwie reingeschlittert." Ende 2012 habe sie begonnen, sich mit dem Nationalsozialismus zu beschäftigen. Auf einschlägigen Seiten im Internet sei das Deutsche Reich "ziemlich rosarot" dargestellt. Sie habe das alles geglaubt - und munter weiterverbreitet. Irgendwann habe sie ein Mann aus der Szene kontaktiert - und sie von einer völlig abstrusen Theorie über die Geschehnisse in den Gaskammern überzeugt. "Er hat genau berechnet, dass die Temperaturen nicht nur innerhalb der Gaskammern tödlich hoch war, sondern auch außerhalb." Deutsche hätten deshalb dort nicht überleben, geschweige denn arbeiten können. Deshalb kämen sie auch nicht als Täter für den Massenmord infrage.

Kopfschütteln nicht nur bei Richter Braun, sondern auch bei Staatsanwalt Stefan Oehme: "Ich halte Sie nicht für dumm. Aber dass sich sechs Millionen Juden selbst getötet haben sollen, ist völliger Blödsinn."

Das sieht mittlerweile auch die Angeklagte so. Sie habe irgendwann begonnen, die Behauptungen zu hinterfragen - und sei in der Szene sofort angegriffen worden. Heute distanziere sie sich von den Inhalten ihrer damaligen Seiten. Mehr noch. Sie sei überzeugt, "dass Deutschland nie hätte in Polen einmarschieren dürfen, dann hätte es diesen Krieg nie gegeben". Ihr sei klar geworden, dass die Nazis Verbrechen begangen hätten. Auch Walter Bagnoli, ihr Rechtsanwalt, mühte sich, die Kehrtwende zu beleuchten: "Meine Mandantin war damals völlig verblendet." Ihre desolate wirtschaftliche Situation - sie lebt auf Kosten ihres Sohnes - verstärke den Wunsch nach Zuspruch und Anerkennung. Beides habe sie in den rechten Kreisen gefunden.

Mit dem Gesetz ist die Angeklagte schon einige Male in Konflikt geraten, allerdings nie im Zusammenhang mit Rechtsradikalismus, sondern wegen Betrugs.

Staatsanwalt Oehme forderte wegen Volksverhetzung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung, und 300 Stunden gemeinnützige Arbeit. Dem schloss sich auch Verteidiger Bagnoli an. Er räumte ein: "Es gibt Straftatbestände, die relativ schwer zu verteidigen sind, weil man sich ständig fragt: Warum?"

Das Urteil fiel aus, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert. Für die Dauer von fünf Jahren steht die Angeklagte nun unter Bewährung. Lässt sie sich etwas zuschulden kommen, muss sie ins Gefängnis. Richter Braun riet ihr zudem eindringlich, sich einen Job zu suchen und ihr Leben auch wirtschaftlich auf die Reihe zu bekommen. Die Angeklagte nahm das Urteil an.

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Susanne Glas

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Veröffentlicht am:
15. 01. 2018
19:12 Uhr

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15. 01. 2018
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