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Ideen aus Fernost fürs Hofer Dekanat

Ein Jugendaustausch mit Gemeinden in Malaysia führt einer Hofer Gruppe vor Augen, wie Glaube anderswo gelebt wird. Einige der Ansätze möchten die Akteure gern übertragen.



Bootsfahrt in eine andere Welt: Die Hofer Gruppe war zu Besuch bei den Orang Asli, den Ureinwohnern Malaysias - die fernab jeglicher Zivilisation in den Urwäldern leben.
Bootsfahrt in eine andere Welt: Die Hofer Gruppe war zu Besuch bei den Orang Asli, den Ureinwohnern Malaysias - die fernab jeglicher Zivilisation in den Urwäldern leben.   » zu den Bildern

Hof/Ipoh - "Kerng und Klees", wie es die Hofer Lutherkirche turnusmäßig (auch am vergangenen Sonntag wieder) anbietet, gibt es in Malaysia nicht. Dafür könnte man quasi jeden Gottesdienst unter das Motto "Kerng und Reis" stellen - weil auf Glaubensbekenntnis, Gesang und Co. in Malaysia immer auch gemeinsames Essen, Trinken, Quatschen folgen. "Wir waren immer wieder baff, wie lebendig die Gemeinden und das kirchliche Leben dort sind", sagt Yannick Bilsky aus Hof. Als Teil einer achtköpfigen Gruppe des Evangelischen Jugendwerks war er, wie berichtet, im August im malaysischen Partner-Dekanat unterwegs. Um die Christen dort kennenzulernen, um Einblicke in die komplizierte Gesellschaft Malaysias zu bekommen - und um zu überlegen, welche Ansätze aus den Gemeinden man in den Hofer Alltag einfließen lassen könnte.

Seit fünf Jahren unterhält das evangelische Dekanat Hof eine Partnerschaft mit dem Northern District, dem lutherischen Dekanat rund um die Stadt Ipoh im nördlichen Malaysia. Wiederholt haben sich, wie berichtet, Delegationen besucht, und haben Langzeit-Praktikanten aus Asien Hofer Luft geschnuppert. Im August stand der erste Jugendaustausch an: Sechs Hofer Jugendliche hatten sich zusammen mit Dekanatsjugendreferent Sebastian Damm und mit Extremismusbeauftragter Jennifer Bernreuther auf den Weg gemacht. Ihre Eindrücke aus Asien: Sie sind beeindruckt gewesen von der Disziplin schon von Kindesbeinen an, von der Lebendigkeit des Gemeindelebens und von der Fähigkeit, trotz widriger Umstände viel auf die Beine zu stellen.

Die Grundvoraussetzung: Malaysia ist ein mehrheitlich muslimisches Land, chinesische Christen bilden dort - ebenso wie andere chinesische Volksgruppen - eine der Minderheiten. "Sie werden dabei im Vergleich zu Muslimen ganz offen benachteiligt, zahlen zum Beispiel mehr bei einem Hauskauf oder bekommen den Studienplatz nicht, obwohl sie die gleichen Noten vorweisen können", erklärt Sebastian Damm. Das führe jedoch nicht unbedingt zur Bildung von Parallelgesellschaften: "Im Gegenteil: Wir waren erstaunt, wie stolz sich alle gezeigt haben, dass sie Einwohner Malaysias sind", sagt Damm. Allerdings: Die Christen Malaysias seien sich bewusst, dass sie härter arbeiten und besser sein müssen als die Muslime im Land, um die Benachteiligungen auszugleichen. Das führe zu einer ungeheuren Disziplin.

Ein Schlüsselerlebnis: "Wir waren zu Besuch in einem der christlichen Kindergärten, die von den Gemeinden dort betrieben werden", erzählt Yannick Bilsky. Die Einrichtungen hätten - auch im Vergleich zu den staatlichen - einen sehr guten Ruf, vor allem im chinesischen Bevölkerungsteil. "Dort lernen die Kinder mit drei Jahren schon das Lesen, Schreiben und Rechnen. Dafür haben wir beim Spielen kein einziges Kind getroffen, dass einen Ball fangen konnte", erzählt Sebastian Damm. Beschulung und Ausbildung würden hier als wichtiger angesehen als Spaß und Spiel.

Auch die Gemeinden seien gut organisiert und stark vernetzt: "Hier bei uns haben die Menschen ihre Gemeinde, und daneben haben sie Freunde im Sportverein und aus der Schule oder der Arbeit und so weiter", zählt Yannick Bisky auf. In Malaysia dagegen verhielten sich die Christen Muslimen gegenüber zwar immer betont höflich und freundlich - Freundschaften unterhalte man aber fast ausschließlich in der jeweiligen Religionsgruppe. So waren die Hofer Jugendlichen hauptsächlich in jenen geschlossenen Kreisen unterwegs. Und staunten Bauklötze ob des Zusammenhalts untereinander und ob manch pragmatischen Ansatzes.

Grundsätzlich waren sie vergleichsweise feudal untergebracht, doch haben sie auch eine Nacht in einer Kirche verbracht. "Da war halt Platz, die Gastgeber haben nicht viel Aufhebens drum gemacht - und wir dann eben auch nicht", erinnert sich Sebastian Damm. Statt einer Orgel stünden in den Kirchen meist Keyboard, E-Gitarre und Schlagzeug bereit, und auch, dass der Pfarrer kurz vor der Predigt nochmal von seinem Sandwich beißt, sei vorgekommen. Das habe durchaus für einiges Schmunzeln bei den Hofer Besuchern gesorgt - und sie zum Nachdenken gebracht.

"Wir haben gesehen, wie viel man hier unter vergleichsweise schweren Umständen auf die Beine stellt. Gerade auch, wenn es um die Jugendarbeit und die Einbeziehung von jungen Leuten ins Gemeindeleben geht", sagt Sebastian Damm. Wie sehen moderne Gottesdienst-Formen aus, wie erreicht man die Jungen, ohne die Alten zu vernachlässigen, was erfüllt Gemeinden mit mehr Leben? Die Einblicke und Begegnungen in jener so ganz anderen Welt als der hochfränkischen habe zu einigen sehr interessanten Gesprächen und Gedankengängen angeregt. Und die Evaluation ist noch nicht abgeschlossen.

In den nächsten Wochen möchte sich die Gruppe noch einmal zusammensetzen, um ganz offiziell ein Fazit zu ziehen. Nicht von den Reiseerlebnissen selbst her - der zweiwöchige Trip war ein Riesen-Abenteuer, da sind sich alle einig. Aber in Bezug auf die Frage, ob sich denn Erkenntnisse aus Asien aufs Hofer Gemeindeleben übertragen ließen. "Das wollen wir dann auch in Gemeinden vorstellen", kündigt Sebastian Damm an. Und freut sich, ebenso wie seine Mitstreiter, schon auf den nächsten Schritt: Für den nächsten Sommer hat sich eine Jugendgruppe aus Ipoh in Hof angekündigt, damit die Partnerschaft lebendig bleibt.

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Christoph Plass

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Veröffentlicht am:
17. 09. 2019
18:44 Uhr

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Christoph Plass

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17. 09. 2019
18:44 Uhr



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