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Hof

Im Dienst, wenn alle anderen feiern

Während die einen sich für die Party stylen oder für den Silvesterball herausputzen, beginnt für andere die Arbeit. Eine Taxifahrerin, ein Polizist und die Chefin einer Notaufnahme im Krankenhaus erzählen, wie sie die Stunden um den Jahreswechsel verbringen.



Udo Seifert ist seit 27 Jahren Polizist und übernimmt gerne die Silvesternacht: "Es ist ein geiler Job!"
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Eine Frage der Fairness

Hof - Polizist Udo Seifert findet es nur fair, an Silvester zu arbeiten. "Die jungen Kollegen ohne Familie wollen gerne feiern. Dann springe ich ein." Den Dienst übernimmt er nun seit acht Jahren in Folge. Dafür verbringt der 46-jährige Familienvater Weihnachten lieber mit seiner Frau und den zwei Kindern zu Hause.

Am Abend des 31. Dezember treffen sich die Streifenpolizisten in der Dienststelle und essen zusammen. Dabei bringt jeder etwas mit: Salate, warme Gerichte, Getränke. Nach dem gemütlichen Teil schwärmen die Polizeibeamten aus. In dieser Nacht fahren zwei Streifen mehr als üblich. Obwohl viel mehr Menschen unterwegs sind als etwa an einem Wochenende, verzeichnet die Polizei nicht wesentlich mehr Vorfälle: "Natürlich läuft mal eine Party aus dem Ruder oder es gibt eine Auseinandersetzung. Es kommt auch vor, dass Leute sich gegenseitig mit Raketen beschießen. Aber die meisten sind ja vernünftig."

Bis Mitternacht verläuft der Abend relativ ruhig. Wenn dann die Korken und die Böller knallen und die Raketen in den Himmel steigen, halten auch die Polizisten an und sehen sich das Feuerwerk an. "Um Mitternacht wünscht dann der Funksprecher allen ein gesundes neues Jahr", sagt Seifert. Der Frühdienst am 1. Januar sei oft arbeitsreicher. Dann kommen die Folgen der Nacht zutage: "Die Leute rufen an, weil der Briefkasten gesprengt wurde oder der Mülleimer gebrannt hat."

 

Nur ein halbes Gläschen Sekt

Hof - Das ganze Land feiert, fast jeder trinkt - und am Ende der Nacht müssen viele zu später Stunde und bei nasskaltem Wetter nach Hause. Für Taxifahrer ist das eine arbeitsreiche Nacht. Auch für Sabine Achhammer, die schon seit über 30 Jahren in Hof Taxi fährt. Das macht sie gerne, denn: "In der Silvesternacht sind die Kunden besonders freundlich. Sie sind froh, dass sie heim kommen."

Eigentlich arbeitet die 58-Jährige seit mehr als zehn Jahren nur in der Tag-Schicht, aber in der Silvesternacht packt sie trotzdem an. Der Beruf macht ihr viel Spaß, sagt sie: "Jeder Tag ist anders, und ich lerne dauernd neue Leute kennen." Und langweilig wird es ihr auch nicht. Sie hat immer Strickzeug und etwas zum Lesen dabei. Zwar hat sie schon schlechte Erfahrungen im Berufsalltag gemacht. Zum Beispiel verschwinden manche Fahrgäste, ohne zu bezahlen. "Aber bedroht - wie andere Kollegen - wurde ich nie."

Als junge Frau lernte Sabine Achhammer den Beruf der Bäckereifachverkäuferin, später fing sie mit der Ausbildung zur Bürokauffrau an. Die konnte sie nicht beenden, weil sie einen Sohn bekam. Dann kam die Scheidung. Damals hat sie mit dem Taxifahren angefangen, in der kleinen Firma eines Freundes. Und sie fuhr nur nachts, weil sie ihren Sohn alleine aufzog und er nachts schlief. "Jetzt ist er erwachsen und fährt auch - allerdings einen Lkw", erzählt Achhammer.

Ihr Partner hat sich mittlerweile daran gewöhnt, dass Sabine Achhammer an Silvester nie mitfeiern kann. "Er kennt mich ja nur als Taxifahrerin und hat das längst akzeptiert." Ganz fällt sie ja bei der Party aber nicht aus: Eine halbe Stunde, bevor die Uhr zwölf schlägt, fährt sie dorthin, wo ihre Freunde und ihr Partner feiern und begrüßt mit ihnen zusammen das Neue Jahr. Mit einem halben Glas Sekt darf sie anstoßen. Dann geht es ohne Pause bis um 4 Uhr früh weiter. "So eine Nacht mit viel Arbeit geht schnell vorbei."

 

Ohne Pause im Dienst für Patienten

Naila - Antje Hager, seit zehn Jahren Leiterin der Notaufnahme im Klinikum Naila, tut mit anderen Kollegen und Ärzten an Silvester Dienst. "Dass ich auch an Weihnachten, Silvester, an Sonn- und Feiertagen arbeiten muss, war mir schon beim Erlernen des Berufes der Gesundheits- und Krankenpflegerin bewusst", sagt sie. "Doch früher war es anders, da hatten alle vom Röntgen, im Labor , die Ärzte und die Mitarbeiter der Notaufnahme doch mal eine halbe oder dreiviertel Stunde Zeit, um am Heiligen Abend oder an Silvester gemeinsam im kleinen Kreis zu essen und kurz innezuhalten."

Das gehe seit einigen Jahren nicht mehr. "Es gibt keine Pausen mehr. Die Notaufnahme wird ununterbrochen aufgesucht und das mit der ganzen Bandbreite von Fällen - von Hals- und Rückenschmerzen über rote, geschwollene Zehen bis zu Böllerunfällen, speziell an Silvester", zählt Hager auf. Sie teilt sich die Schichten an Weihnachten und Silvester wechselweise mit den Kollegen. "Wer Weihnachten zu Hause ist, macht Silvester Dienst und umgekehrt. Aber wir achten schon darauf, dass vor allem Mamas am Heiligen Abend zu Hause bei ihren Familien sind."

Antje Hager selbst findet den Silvesterdienst weniger schlimm. "Weihnachten, die besinnliche Zeit, da bin ich doch lieber zu Hause bei meinem Mann." Auch wenn die Hoffnung auf eine Pause gering ist, will sich das Team in der Notaufnahme kurz vor Mitternacht im Aufenthaltsraum treffen, um mit alkoholfreiem Sekt das neue Jahr willkommen zu heißen.

Autor

Julia Ertel und Sandra Hüttner
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Veröffentlicht am:
29. 12. 2017
20:30 Uhr

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Autor

Julia Ertel und Sandra Hüttner

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Veröffentlicht am:
29. 12. 2017
20:30 Uhr



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