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Hof

Jeden Tag eine gute Tat

Ursula Dumann-Specht hat sich von Jugend an für andere engagiert: als Pfadfinderin, in Hofer Vereinen und Stiftungen. Heuer gab es dafür den bayerischen Verdienstorden.



Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter Ursula Dumann-Specht. Gern erinnert sie sich an die Ehrung mit dem bayerischen Verdienstkreuz, auch wenn es ihr da gesundheitlich gar nicht gut ging.	Foto: Kaupenjohann
Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter Ursula Dumann-Specht. Gern erinnert sie sich an die Ehrung mit dem bayerischen Verdienstkreuz, auch wenn es ihr da gesundheitlich gar nicht gut ging. Foto: Kaupenjohann  

Hof - Als junge Pfadfinderin durfte sie im blauen Kostüm dem Geburtstag der Lady Baden-Powell, Mitbegründerin der Pfadfinderbewegung, beiwohnen. Heute könnte Ursula Dumann-Specht sich den bayerischen Verdienstorden in Blau-Weiß-Gold ans Revers ihrer Kostümjacke heften. Oder die weniger auffälligen dazugehörigen Anstecknadeln. Aber die 77-jährige Hoferin freut sich lieber im Stillen über die Ehrung, die ihr in diesem Jahr zuteil geworden ist. "Sie ist eine der engagiertesten Bürgerinnen der Stadt Hof", hieß es in der offiziellen Mitteilung der Staatsregierung. "Sie nimmt sich seit vielen Jahren der Belange schwerstkranker und sterbender Menschen an und hat wesentlich dazu beigetragen, dass die ambulante und stationäre Hospiz- und Palliativversorgung einen sehr hohen Standard erreicht hat." Erwähnt wird auch ihr Einsatz zum Erhalt des Botanischen Gartens als gartenbauliches Denkmal für die Zukunft.

Kalender

Den Kinderkalender der Deutschen Krebshilfe gibt es für fünf Euro in Hof in der Apotheke "Am Klinikum", in der Münster-Apotheke, der Neuhof-Apotheke, in der Buchhandlung Kleinschmidt und in der Hofer Buchgalerie im Altstadthof; in Rehau in der Hubertus-Apotheke und der Buchhandlung Seitenweise. 1,80 Euro kommen je der Deutschen Kinderkrebsstiftung und der Deutschen Leukämie-Forschungshilfe zugute.


"Es war eine schöne, würdige Feier im Antiquarium der Münchner Residenz", erinnert sich die Hoferin. Beinahe hätte sie nicht teilnehmen können, hatte sie sich doch zuvor das Becken gebrochen. Nach mehreren Operationen war sie gesundheitlich sehr eingeschränkt. Begleitet wurde sie nach München von Torsten Stelzer, Geschäftsführer der Amal-Stiftung Oberfranken, Kinderkrebshilfe Hochfranken, und Koordinator des Hospizvereins Hof. Ministerpräsident Markus Söder brachte ihr einen Stuhl, weil sie der Zeremonie stehend nicht hätte beiwohnen können. Lächelnd zeigt Ursula Dumann-Specht auf ein Erinnerungsfoto: eine Frau in Rosarot, als einzige sitzend, im Kreis der Geehrten.

Ein wenig erstaunt sei sie schon gewesen, als sie von der geplanten Ehrung erfahren habe. "Als Ehrenamtlicher muss man sich oft mit Problemen herumschlagen und hat manchmal das Gefühl, die ganze Arbeit sei umsonst", sagt sie. "Da freut man sich, wenn der Einsatz von offizieller Seite gewürdigt wird." Mit ihr zusammen erhielten etwa 60 weitere Männer und Frauen diese höchste bayerische Auszeichnung. Zuvor hatte Dumann-Specht schon das Bundesverdienstkreuz am Band und das Ehrenabzeichen des bayerischen Ministerpräsidenten bekommen.

1942 wurde Dumann-Specht in Suhl geboren. In Hof ist sie aufgewachsen, hat hier auch das Mädchengymnasium besucht und in der Pfadfinderbewegung vieles gefunden, das ihr heute noch wichtig ist: für andere da zu sein, mit Sorgfalt und Ehrlichkeit durchs Leben zu gehen. "Jeden Tag eine gute Tat", lautet das Motto der Pfadfinder. Es hat sie tief beeindruckt, dass die deutschen Jungen und Mädchen damals in England so freundlich empfangen worden sind, obwohl der Krieg gerade mal acht Jahre vorbei war. Noch heute pflegt sie Freundschaften aus jener Zeit.

"Eigentlich wollte ich Theologin oder Ärztin werden", erinnert sich Ursula Dumann-Specht, geborene Neupert. Doch sie hatte noch drei Geschwister, und es fehlte das Geld fürs Studium. Schließlich konnte sie doch Pharmazie studieren und ist Apothekerin geworden. "Ich bin in meinem Beruf aufgegangen, habe ihn immer mit Freude ausgeübt", sagt sie. Angefangen hat sie in der Hofer Rücker-Apotheke, zuletzt war sie aktiv in der Apotheke "Am Klinikum".

Nach dem Studium hat die junge Frau den Juristen Joachim Dumann geheiratet und drei Kinder zur Welt gebracht. "Damals war mir meine Mutter - sie wird im April hundert Jahre alt - ein großes Vorbild", erzählt Ursula Dumann-Specht. "Sie hat sich das Nähen von Handschuhen selbst beigebracht, hat einen Betrieb aufgebaut und uns vier Kindern vieles mitgegeben. Unsere Generation hatte es danach viel leichter."

Anfang der 1990er-Jahre waren die Kinder groß, und so gab es wieder Freiraum für eigene Interessen. 1993/94 initiierte Ursula Dumann die Gründung des Hospizvereins Hof, ließ sich zur Hospizhelferin ausbilden und setzte sich als Vorsitzende des Vereins für die Gründung einer Palliativstation am Hofer Sana-Klinikum ein. 2007 wurde dieser Traum Wirklichkeit. Über die Arbeit im Hospizverein hat sie auch ihren zweiten Ehemann, Reinhard Specht, kennengelernt.

Die Liebe zur Natur zog sie regelmäßig zum Botanischen Garten, wo sie viele Gespräche mit dem damals verantwortlichen Gärtner Hermann Fuchs führte. 1995/96 gründete sie mit Gleichgesinnten den Förderverein Botanischer Garten, dessen Vorsitzende sie viele Jahre war und der sich später mit dem Förderverein Theresienstein zusammenschloss. Heute ist Ursula Dumann-Specht Ehrenvorsitzende dieser Vereine.

Öffentlichkeitsarbeit sei wichtig, wenn man etwas für einen guten Zweck erreichen will. Deshalb wirbt sie gern für "ihre" Organisationen. So setzt sie sich zum Beispiel seit Jahren für die Deutsche Kinderkrebshilfe ein, ist heute im Vorstand der Amal-Stiftung, Kinderkrebshilfe Oberfranken. Und wenn sie früher oft bei Firmen und Privatleuten betteln gehen musste für den guten Zweck, kommen heute viele auf sie zu. "Die Leute spenden gern, wenn sie wissen, wofür das Geld ist und dass es in der Region bleibt."

Seit 30 Jahren bringt sie vor Weihnachten den Kinderkalender der Deutschen Krebshilfe unter die Leute. Rund 250 Stück pro Jahr gehen über die Theken diverser Apotheken und Buchhandlungen in Hof und Rehau. Für viele Menschen habe der Kalender mit Zeichnungen krebskranker Jungen und Mädchen bereits einen festen Platz in Haus und Wohnung. Aber auch viele Geschäftsleute der Region seien dazu übergegangen, zu spenden, statt Geschäftsfreunde und Mitarbeiter mit einer Flasche Wein zum Fest zu erfreuen.

2011 ist Ursula Dumann-Specht selbst an Krebs erkrankt. Seitdem fühlt sie noch viel mehr mit den Betroffenen. "Die Krankheit war für mich ein großer Einschnitt", bekennt sie. Aber ihren Optimismus hat sie trotzdem nicht verloren. Das Weihnachtsfest feierte sie damals auf der Palliativstation im Sana-Klinikum. Es sei ihr schönstes Weihnachtsfest gewesen. Die Krankenschwestern hätten Tische zusammengestellt, mit Tüchern und Tannenzweigen gedeckt, und im Nebenzimmer hätten Bratwürste gebrutzelt, die es dann mit Sauerkraut gab.

"Man darf sich nicht unterkriegen lassen", sagt die alte Dame, die vor wenigen Jahren noch Marathon gelaufen ist und auch in der Hofer Interessengemeinschaft für Langstreckenlauf (IfL) engagiert war.

Woher sie ihre Energie und Kraft schöpft? Singen ist für sie eine wichtige Quelle. Nach den Proben im Großelternchor von Robert Eller gehe sie glücklich summend durch die Straßen. Und außerdem: "Hindernisse zu überwinden macht mich stark."

Eigentlich wollte ich

Theologin oder Ärztin werden. Doch es fehlte das Geld für das Studium.


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Ursula Dumann-Specht


Hindernisse zu überwinden macht mich stark.


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Lisbeth Kaupenjohann
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26. 12. 2018
18:04 Uhr

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Lisbeth Kaupenjohann

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26. 12. 2018
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