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Käfer-Holz braucht Abstand zum Wald

Vom Borkenkäfer befallene Stämme müssen raus aus dem Wald. Verkaufen lassen sie sich derzeit nur schlecht. In der Nähe von Berg ist deshalb ein Lagerplatz entstanden.



Der neue Lagerplatz beim Berger Ortsteil Hadermannsgrün bietet Platz für rund 7000 Festmeter Fichtenstammholz.	Fotos: Köhler
Der neue Lagerplatz beim Berger Ortsteil Hadermannsgrün bietet Platz für rund 7000 Festmeter Fichtenstammholz. Fotos: Köhler   » zu den Bildern

Berg/Landkreis - Einen Lagerplatz für rund 7000 Festmeter Fichtenstammholz hat der Forstbetrieb Nordhalben beim Berger Ortsteil Hadermannsgrün eingerichtet. Grund ist die massenhafte Vermehrung des Borkenkäfers nach dem heißen und trockenen Sommer des Jahres 2018.

Gut zu wissen

Anzeichen für einen Borkenkäferbefall sind eine rot verfärbte Krone der Fichte, das Abblättern der Rinde und rotbraunes Bohrmehl am Fuß des Stammes. Waldbesitzer, die sich nicht sicher sind oder weitergehende Beratung wünschen, können sich unter 0162/2655132 oder josias.erhard@aelf-mn.bayern.de an den Borkenkäfer-Experten Josias Erhard wenden.

"Zur Zeit haben wir ein großes Problem mit der Holzvermarktung", sagt Gerhard Müller, stellvertretender Betriebsleiter des Forstbetriebs Nordhalben der Bayerischen Staatsforsten. Bei einem Vor-Ort-Termin mit Vertretern der Gemeinde Berg und Forstleuten des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Münchberg gibt er Auskunft über die Lage. Vom Borkenkäfer befallenes Holz müsse sofort raus aus dem Wald und am besten gleich verarbeitet werden, erklärt er. Der massenhafte Borkenkäferbefall habe aber im gesamten mitteleuropäischen Raum zu einem Überangebot an Fichtenstammholz geführt. Die Sägewerke würden längst an ihrer Kapazitätsgrenze arbeiten. Auch die Hackschnitzelwerke seien überfüllt.

 

Deshalb müsse das befallene Holz einstweilen außerhalb des Waldes gelagert werden, und zwar mit einem Mindestabstand von 500 Metern, um zu verhindern, dass sich der Käfer auf noch gesunde Bäume ausbreitet. "Solche Plätze sind im Frankenwald aber richtig schwer zu finden", berichtet Gerhard Müller.

Besonders dankbar sei man daher, dass Moritz Freiherr von Künsberg seinen Privatgrund an einem Feldrand zur Verfügung gestellt hat. Mit der Gemeinde Berg haben sich die Forst-Verantwortlichen auf Regularien geeinigt, um die Einwohner Hadermannsgrüns so wenig wie möglich zu belasten. Das Holz muss auf einer bestimmten Strecke zum Lagerplatz gelangen. Abends und am Wochenende ruhen die Arbeiten. Alle Anwohner seien schriftlich informiert, es hätten außerdem viele Gespräche stattgefunden.

Neben dem Holzlagerplatz bei Hadermannsgrün sei ein weiterer im Landkreis Kulmbach geplant, dazu ein Nasslagerplatz bei Stadtsteinach. Die einzige Alternative zu solchen Lagerplätzen sei, das Holz im Wald mit Pestiziden zu behandeln - und zwar alle sechs Wochen neu. "So etwas würden wir freiwillig nie machen", betont Gerhard Müller.

Der Holzlagerplatz sei keine Dauerlösung, zumal die Qualität des Holzes unter der Lagerung leide. Geplant ist, das Holz spätestens für den Winter zu verwerten. Mittlerweile hat der Forstbetrieb aufgehört, frisches Holz zu fällen, und setzt alle Kapazitäten dafür ein, das Käferholz aufzuarbeiten. Etwa 120 000 Festmeter Holz werden normalerweise pro Jahr im Bereich des Forstbetriebs geschlagen - heuer werden es wohl allein 80 000 Festmeter Käferholz sein.

Besonders schlimm hat es dabei den nordöstlichen Landkreis Hof erwischt. Der Hofer Revierleiter Daniel Feulner schätzt, dass dort eine Fläche der Größe von rund 5000 Fußballfeldern betroffen ist. "Wir machen hier 15 Jahre alte Wälder weg, die 60 Jahre lang hätten wachsen sollen."

Daniel Feulner und Forstoberrätin Brigitta Köhler-Maier von der Bad Stebener Außenstelle des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Münchberg appellieren an die Waldbesitzer, ihre Wälder selbst auf Borkenkäferbefall zu prüfen und sich nicht darauf zu verlassen, dass ein Förster darüber stolpere. Um die Revierförster zu entlasten, unterstützt der 25-jährige Forstingenieur Josias Erhard als Borkenkäfer-Experte vor allem im Norden und Osten des Landkreises Hof die Waldbesitzer. "Ich helfe zum Beispiel bei der Suche nach befallenen Bäumen und berate sie über die sachgerechte Entfernung des Käferholzes", erklärt er.

Im Gespräch am Holzlagerplatz ist auch die aktuelle Trockenheit ein Thema, lässt sie doch für die Ausbreitung des Borkenkäfers Schlimmes ahnen. Moritz Freiherr von Künsberg treibt ein rund 30 Zentimeter tiefes Loch in den Boden seines Weizenfeldes - und findet nicht einen Krümel feuchtes Erdreich. Daniel Feulner sagt: "Ich habe noch nie so verzweifelte Waldbesitzer erlebt."

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Manfred Köhler
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Veröffentlicht am:
15. 04. 2019
18:54 Uhr

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Manfred Köhler

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15. 04. 2019
18:54 Uhr



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