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Hof

Kita-Studie hinterlässt nur Fragezeichen

Angeblich lässt die Qualität der Kinder- betreuung im Raum Hof zu wünschen übrig. Die Verantwortlichen der Einrichtungen sehen dagegen große Fortschritte.



Vor allem die Motivation der Mitarbeiter zählt: Das ist die Leitlinie für Ida Schäffler, Leiterin des evangelischen Kindergartens Oberkotzau, Evelyne Steifer, stellvertretende Leiterin des Kirchengemeindeamts Hof, Pfarrer Dieter Baderschneider von der Evangelischen Kirchengemeinde Oberkotzau und Sabine Kapitän, Leiterin des Kirchengemeindeamts Hof (von links). Foto: Köhler
Vor allem die Motivation der Mitarbeiter zählt: Das ist die Leitlinie für Ida Schäffler, Leiterin des evangelischen Kindergartens Oberkotzau, Evelyne Steifer, stellvertretende Leiterin des Kirchengemeindeamts Hof, Pfarrer Dieter Baderschneider von der Evangelischen Kirchengemeinde Oberkotzau und Sabine Kapitän, Leiterin des Kirchengemeindeamts Hof (von links). Foto: Köhler  

Landkreis - Die Qualität der Kindertagesstätten (Kita) steigt, aber ist weiterhin stark vom Wohnort abhängig. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung, die nicht nur den Unterschied zwischen den Bundesländern untersucht, sondern auch zwischen einzelnen Landkreisen. Innerhalb Bayerns kommt demnach der Landkreis Hof besonders schlecht weg: Zusammen mit Coburg wird er auf den letzten Plätzen angesiedelt und mit einer Kennziffer bedacht, die im Vergleich zum Süden Bayerns eine besonders große Kinderzahl pro Erzieherin nahelegt. Speziell wird ein Personalschlüssel bei den Krippen im Landkreis Hof von 5,0 genannt - im Vergleich zum Landkreis Rosenheim mit 2,7.

Gut zu wissen

Das Kirchengemeindeamt Hof verwaltet in Hochfranken flächendeckend 102 Kita-Einrichtungen in fünf Dekanaten mit insgesamt über 4500 Kindern. Dabei wickelt es auch die gesamte Lohn- und Finanzbuchhaltung mit den Kommunen ab. Hinzu kommen 250 000 Gemeindemitglieder. "Damit haben wir in Hof nach München und Nürnberg die drittgrößte Verwaltung in ganz Bayern", weiß Sabine Kapitän, Leiterin des Kirchengemeindeamts Hof. Bezogen auf die bearbeiteten Personalfälle, leiste man sogar mehr als in München. Neu im Kirchengemeindeamt Hof sind zwei Teilzeit-Mitarbeiterinnen, die für Entlastung in den Verwaltungen der Kitas vor Ort sorgen. Sie übernehmen auf Wunsch der jeweiligen Träger sogar die gesamte Geschäftsführung, wickeln Stellenausschreibungen ab und führen Bewerbungsgespräche. "Dieser Service wird sehr gern in Anspruch genommen", sagt Sabine Kapitän.


"Das Zahlenmaterial dieser Studie ist für uns nur schwer nachvollziehbar", sagt dazu Sabine Kapitän, die Leiterin des Kirchengemeindeamtes Hof. In Bayern gebe es ein klares System, das die gebuchten Kita-Plätze in Beziehung zum vorhandenen Personal setze. Dabei werde nicht nur zwischen Teilzeit- und Vollzeitkräften unterschieden, sondern auch nach Qualifikation beziehungsweise den Einzelvoraussetzungen bei den Kindern. "Der Personalschlüssel, der sich daraus ergibt, ist sehr genau vergleichbar, deckt sich aber überhaupt nicht mit der Berechnungsmethode der Bertelsmann-Stiftung."

Natürlich gebe es auch bei diesem staatlichen Personalschlüssel ein Nord-Süd-Gefälle. "Aber das ist nicht so dramatisch wie es die Studie nahelegt", sagt Evelyne Steifer, die Stellvertreterin von Sabine Kapitän. "Dass in Südbayern im Vergleich zu uns fast das doppelte Personal im Einsatz sei, kann überhaupt nicht sein. Das wäre finanziell nicht machbar."

Aber in Zahlen: Der Gesetzgeber in Bayern fordere von den Kitas einen Personalschlüssel von eins zu elf - das heißt, auf eine Personalstunde kommen elf gebuchte Stunden. Empfohlen wird das Verhältnis eins zu zehn. Im Dekanat Hof liegt der Personalschlüssel aktuell in der Stadt bei 1 zu 9,57, im Landkreis bei 1 zu 10,05. In den Krippen im Dekanat Hof beträgt das Verhältnis derzeit 1 zu 9,58. In den Dekanaten in Oberfranken habe man in etwa die Neun vor dem Komma, sagt Evelyne Steiffer. Vor wenigen Jahren sei das noch ganz anders gewesen. 2014 habe der Schlüssel im Mittel 10,5 betragen - bei einer gesetzlichen Vorgabe von eins zu zwölf. "Dass wir jetzt unter zehn sind, ist ein großer Erfolg. Mehr ist bei den momentanen Rahmenbedingungen nicht zu machen. Eine Acht vor dem Komma würde nicht funktionieren."

"Die Verbesserungen in den vergangenen Jahren sind vor allem den massiven Aufstockungen beim Personal zu verdanken", erklärt Dieter Baderschneider, als Pfarrer in Oberkotzau verantwortlich für den evangelischen Kindergarten Oberkotzau und zudem Dekanatsbeauftragter für die Kindergartenarbeit im Dekanat Hof. Bayernweit seien seit 2007 über 44 000 neue Stellen geschaffen worden. Das sei erfreulich, aber die Entwicklung müsse auch so weitergehen, denn der Personalbedarf nehme stetig zu.

Dazu ein Einzelbeispiel: Im evangelischen Kindergarten Oberkotzau sind 19 Mitarbeiterinnen für fünf Gruppen zuständig. Im Schnitt kommt eine pädagogische Kraft auf sieben bis acht Kinder. Laut Gesetz müssen Erzieherinnen mindestens 50 Prozent des Personals stellen. "Wir haben 60 Prozent", freut sich Ida Schäffler, Leiterin des evangelischen Kindergartens Oberkotzau.

Weil sich die finanzielle Situation stetig verbessert habe, sei im evangelischen Kindergarten Oberkotzau zuletzt auch massiv in Sanierungsmaßnahmen und Anschaffungen investiert worden: Personalspinds wurden gekauft, höhenverstellbare Tische und Lern-Tablets, außerdem Gitarren, Computer, Drucker und Beamer. Derzeit werden neue Außenanlagen für die Krippenkinder gebaut. In Planung ist außerdem eine zweite Spielebene in einem der Räume. Und das alles aus Mitteln des Kindergartens. "Wir hatten noch Rücklagen und haben das Geld sinnvoll eingesetzt", sagt Pfarrer Baderschneider.

Aber das Erreichte sei nur eine Momentaufnahme. So nehme der Betreuungsaufwand für die Kinder stetig zu. Außerdem sei die generelle Nachfrage stark gewachsen. Nach dem "Hype" um die Krippen boome nun die Schulkinderbetreuung. Eine neue Betreuungsgruppe mit 25 Plätzen sei innerhalb von zwei Monaten ausgebucht gewesen. Nun arbeite man mit Wartelisten. Anders ausgedrückt: Es fehlt bereits wieder an Personal.

"Unsere Träger würden gern mehr einstellen, aber momentan ist es einfach schwierig, geeignete Mitarbeiterinnen zu finden", sagt Evelyne Steifer. Fachkräfte könnten sich derzeit ihre Stelle aussuchen, die Fluktuation nehme zu. Und so komme es auch zum Gefälle zwischen einzelnen Kitas, denn nicht alle seien finanziell gleich ausgestattet. "Es hängt viel vom Standort ab", sagt Pfarrer Baderschneider. Zwar seien die Elternbeiträge überall nahezu gleich - aber finanzstarke Kommunen könnten es sich leisten, ihre Kindergärten zusätzlich zu fördern. "Manche tragen sogar Jahr für Jahr das jeweilige Defizit, während andere Träger aufpassen müssen, nicht in eine Schuldenfalle zu geraten."

Der Kampf um die finanzielle Ausstattung führe allgemein zu immer mehr Verwaltungsarbeit. "Dabei wollen wir doch vor allem eine gute pädagogische Arbeit mit Herz leisten", sagt Sabine Kapitän. "Das ist unsere eigentliche Aufgabe." Und weil diese Aufgabe in den Hofer Kitas sehr ernst genommen werde, könne man einer allgemeinen Statistik nicht unbedingt entnehmen, wie es wirklich in der Praxis ausschaut: "Wichtig ist doch, wie motiviert das Personal ist und wie groß das Vertrauen der Eltern. Eine Tabelle sagt darüber gar nichts aus."

Autor

Manfred Köhler
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Veröffentlicht am:
20. 09. 2018
19:08 Uhr

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Manfred Köhler

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Veröffentlicht am:
20. 09. 2018
19:08 Uhr



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