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Kroatischer Orden für Töpener Ehepaar

Marion und Manfred Nürnberger erhalten die höchste Auszeichnung der Republik Kroatien. Damit werden sie für ihren unermüdlichen Einsatz für die humanitäre Hilfe geehrt.



Marion und Manfred Nürnberger mit Mate Ljubicic (rechts), einem der renommiertesten Künstler Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas im Bereich christlicher Darstellungen.	Fotos: privat
Marion und Manfred Nürnberger mit Mate Ljubicic (rechts), einem der renommiertesten Künstler Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas im Bereich christlicher Darstellungen. Fotos: privat   » zu den Bildern

Töpen/Zagreb - Immer, wenn im Großraum Töpen die Bananenkartons knapp werden, haben die Nürnbergers mal wieder was vor. Dann besorgt Manfred Nürnberger alle Kisten, die er kriegen kann, um darin Malstifte für Kindergärten, Verbandszeug für Kliniken oder Haushaltsgegenstände für bedürftige Familien unterzubringen. Eine Lagerhalle in Hof füllt sich oft schnell mit dem, was den Nürnbergers angeboten wird, ihre Garage daheim sieht oft monatelang das Auto nicht, weil sie voller Kisten steht. Oder mit Möbeln zugepackt ist. Lkw-weise verfrachten sie Material nach Kroatien: Auf den Lieferlisten der vergangenen Jahre finden sich 500 ausgediente Bundeswehrstühle ebenso wie 250 ausgemusterte Krankenbetten (hauptsächlich des Sana-Klinikums Hof), Schrankwände und Einbauküchen, ein VW-Bus, eine Pumpe für einen Brunnen oder ein Kälteaggregat für eine Kühlkammer. Und dazu im großen Stil Kleidung, Spielzeug, Einrichtungsgegenstände. "Und immer, wenn wir aus Kroatien wieder nach Hause kommen, haben wir eine neue Aufgaben-Liste, was wir alles besorgen könnten", sagt Manfred Nürnberger. Dafür, dass sie seit vielen Jahren viele Wünsche erfüllen, erhalten die Nürnbergers nun die höchste Auszeichnung des kroatischen Staats.

Gut zu wissen

Vladimir Duvnjak, Generalkonsul der Republik Kroation in München, übergibt am kommenden Freitag, 22. November, den Pleter-Orden an die Nürnbergers. Der Orden des kroatischen Flechtwerks ist die höchste humanitäre und militärische Auszeichnung, die der Staat zu vergeben hat. Die Verleihung findet statt im Rahmen einer Vernissage der Ausstellung "Meer und Küste" des kroatischen Künstlers Sime Vlahov.


Warum Kroatien? Die Frage hören die beiden öfters. Schließlich verbinden die meisten Menschen mit dem Land weiße Adria-Strände, historische Küstenstädtchen und sommerliche Urlaubs-Unbeschwertheit. Und das zu Recht: "Entlang der Küste gibt es unheimlich viele Entwicklungen", erklärt Nürnberger. Doch wer nur fünf oder zehn Kilometer ins Landesinnere fahre, dem eröffne sich eine ganz andere Welt: mit Häusern, in denen noch die Einschusslöcher des Jugoslawien-Konflikts zu sehen sind, mit verlassenen Dörfern, mit Krankenhaus-Ausstattung wie im Deutschland der 1950er-Jahre und mit einer hohen Arbeitslosigkeit, vor allem unter den jungen Kroaten. Seit mehr als 20 Jahren versuchen die Nürnbergers aus Töpen, den Menschen unkompliziert zu helfen. Und das ist manchmal kompliziert.

"Früher haben wir selbst Lkw besorgt, um die Güter nach Kroatien zu bringen", erinnert sich Manfred Nürnberger. So habe er bei den Speditionen gebettelt, habe bei Sponsoren gebettelt, habe bei den Spendern gebettelt - nur, um ein Fahrzeug für die ebenfalls gespendete Fracht zu bekommen. Das macht er schon lange nicht mehr so. "Wir arbeiten mit einer kroatischen Spedition zusammen, die vor allem Olivenöl und Co aus Italien nach Deutschland bringt", erklärt er. Sobald der Fahrer ihm einen Hinweis gibt, wann er ohnehin in der Gegend wäre und leer nach Kroatien zurückfahren würde, wird Nürnberger aktiv. Dann klärt er ab, was er an Material hat oder bekommt - und wo es abzuholen wäre -, dann kümmert er sich um Übergabezeiten und Aufnahmeorte. Finanziell für die Leerfahrt aufkommen müssen diejenigen, die in Kroatien mit den Gütern bedacht werden: Zu den regelmäßig angefahrenen Zielen gehören eine 450-Betten-Klinik auf der Insel Ugljan, eine Reha-Klinik für Schwerstbehinderte, eine Drogenentzugsanstalt in Biograd, verschiedene Kindergärten, Kircheneinrichtungen und Gemeinden. Und es gibt kaum Wünsche, die noch nicht geäußert wurden.

So lässt Manfred Nürnberger gern seine Beziehungen spielen: Zu Lidl - die Firma hatte in Töpen bekanntlich lange ein Verteilerzentrum - hat er ebenso gute Kontakte wie zu Dennree, zur Bundeswehr-Zentrale in Berlin genauso wie zum Hofer Sana-Klinikum. Auf der Liste der regionalen Firmen, die ihm immer wieder unter die Arme greifen, gehören Wilo, Viessmann, Sandler, die Rehau AG und Herrmann &Wittrock, auch EADS gehört dazu. Nürnberger ist Netzwerker, das hat der 75-Jährige im Blut - und aus seinen Zeiten als Wallenfelser Bürgermeister ist mehr erhalten als die Fotos von sich und Franz Josef Strauß. Ein Instrument, mit dem er oft genug einen Fuß in die Tür bekommt: das Lob anderer.

Wie viele Ehrungen und Auszeichnungen die Nürnbergers schon für ihr Wirken bekommen haben, haben sie selbst nicht gezählt, die wichtigste unter ihnen ist sicher die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. Der Ordner mit Zeitungsberichten aus Franken und aus Kroatien ist dick, im Mittelmeerland sind sie oft im Fernsehen oder auf der Titelseite oder, wie im Frühjahr wieder, auf der großen Bühne - da wurden sie in Biograd vom Landrat offiziell als "Lebensretter" geehrt. Und egal, wer sich bei ihnen gerade für ihren Einsatz bedankt: Die Nürnbergers nutzen die Auszeichnungen immer als Empfehlungsschreiben, um irgendwann später wieder um Unterstützung und Hilfe zu bitten. So hält sich das System selbst am Laufen: Denn zu tun gibt es immer was. Obwohl sich die Hilfe schon geändert hat.

"Kleidung ist zum Beispiel heute gar nicht mehr so gefragt", erklärt Manfred Nürnberger. Stattdessen gehe es um Hilfe zur Selbsthilfe: "Für die Drogenentzugsklinik zum Beispiel haben wir jetzt ein Kälte-Aggregat besorgt", erklärt Nürnberger. Die jungen Patienten dort bewirtschafteten 15 Hektar Land, bauen dort Paprika, Tomaten und Co an; um die Kühlkammer zu betreiben, die sie gespendet bekommen hatten, hatten sie die Nürnbergers um Hilfe gebeten. Die sich, erfolgreich, umgehört und den Transport organisiert hatten. Sein größter Wunsch ist wieder ein Arbeitsauftrag, den er aus Kroatien mitgenommen hat: ein Traktor für die Anstalt. "Dort müssen sich 40 junge Menschen durch die Bewirtschaftung von 15 Hektar Fläche selbst ernähren und erhalten."

Zwei Mal im Jahr fahren Marion und Manfred Nürnberger nach Kroatien, besuchen die Einrichtung, knüpfen Kontakte, hören sich die Probleme der Menschen an. Die Umbettung eines Gräberfelds vor einigen Jahren beispielsweise gehörte ebenso zu ihren größeren Projekten wie die Ausstattung kirchlicher Einrichtungen. "Und es ist schön zu sehen, dass sich dort Schritt für Schritt immer wieder was bewegt", sagt Nürnberger. "Die Region blüht auf, und zwar messbar - nicht nur direkt an der Adria." Umso mehr fühlen sich die beiden Töpener geehrt, dass sie nun den Verdienstorden bekommen. So blicken sie der Verleihung nächste Woche freudig entgegen. Wichtiger aber sind für sie die vielen Freunde, die sie gefunden haben.

Autor
Christoph Plass

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Veröffentlicht am:
15. 11. 2019
18:38 Uhr

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Autor
Christoph Plass

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Veröffentlicht am:
15. 11. 2019
18:38 Uhr



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