Topthemen: Hof-GalerieWaldschratDie Bilder vom WochenendeFall Peggy KnoblochSelber Wölfe

Hof

Laute Nacht, stählerne Nacht

Einen Tag vor Heiligabend wird es in der Freiheitshalle laut. Die Band Stahlzeit interpretiert die Klassiker von Rammstein: ein feuriges Spektakel.



Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
  Foto: Bake, Jochen Jochen Bake

23.12.2018 - Stahlzeit in der Freiheitshalle - Foto: Jochen Bake

Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof
Stahlzeit in der Freiheitshalle Hof

Hof - Das tiefe Wummern eines Synthesizers schallt durch die Hofer Freiheitshalle. Dann ein Knall. Funken sprühen von der Bühnentraverse und Scheinwerfer erhellen eine stählern-industriell anmutende Kulisse. Schon erklingt ein Keyboard-Arpeggio – bach'sch  und beinahe barock, wie ein geisterhaftes Cembalo, das in einer eisigen Fabrikationshalle plötzlich zu spielen beginnt. Doch der schneidende Maschinen-Beat des Schlagzeugs bereitet dem sich empor schraubenden Notenschwall ein frühes Ende. Als Gitarre und Bass einsetzen, verdichtet sich der Sound zu einem präzise stampfenden, hart rockenden Getöse. Die Kulmbacher Band Stahlzeit, eigenem Bekunden nach eine der erfolgreichsten Rammstein-Coverbands Europas, beschert ihrem Publikum an diesem 23. Dezember vor der stillen, heiligen Nacht eine laute, stählerne.

"Ramm4", der bis dato neueste Rammstein-Song, eröffnet das Konzert. Für den Rest des Abends ist die Nummer, deren Text sich aus Selbstzitaten älterer Lieder speist, programmatisch. Die Setlist nämlich liest sich wie ein Rammstein-Crashkurs, bestehend vor allem aus Hits und Fan-Lieblingen. Geändert hat sich an der Show wenig, seit die Band  im Januar 2017 zuletzt in der Freiheitshalle auftrat. Es knallt und zischt, lodert und brennt, wo immer es die Dramaturgie der auf maximales Pathos getrimmten Musik hergibt. Schwefelgeruch liegt in der Luft.

Sänger Heli Reißenweber – rußverschmiert und muskelbepackt das Stereotyp des hart malochenden Bergarbeiters mimend – deklamiert dazu mit martialischem Gestus die provokant-brachialromantischen Zeilen Till Lindemanns. Oft handelt es sich dabei um moderne Moritate und Mörderballaden: Da ist die Rede von einem, der seine tote Liebste aus dem Grab holt, um im Mondschein mit ihr Liebe zu machen, "zwischen Schnecken, ein einsames Tier" ("Heirate mich" vom Rammstein-Debüt "Herzeleid"). Der Protagonist des Songs "Mutter" vollzieht einen symbolischen Muttermord: "Auf meiner Stirn ein Muttermal. Entferne es mit Messers Kuss, auch wenn ich dabei sterben muss." Und in "Sehnsucht" löst sich die Lust zweier Partner auf in ewig ungestilltes Verlangen:  "Lass mich deine Träne reiten über Wolken ohne Glück. Der große Vogel schiebt den Kopf sanft in sein Versteck zurück."

Wortgemälde für den Abgrund im Allzumenschlichen, mitgrölbar verpackt. Das fasziniert und verbindet Generationen. Beim Hofer Stahlzeit-Konzert steht der Altrocker mit ergrautem Bart neben der Teenagerin, die zum Anlass passend ihren dunkelsten Lippenstift aus dem Schminkkästchen hervorgekramt hat. Der Normalo im bunten Karo-Hemd reckt seine Faust Seite an Seite mit dem langhaarigen Metal-Fan in die Höhe. Viele Besucher sind aus Sachsen und Thüringen angereist.

Denn in Sachen Show fahren die Kulmbacher fast alles auf, was das Original auch zu bieten hat: Gewaltige Stichflammen treiben im Song "Benzin" die Temperatur in der Halle nach oben. Im hymnischen Keyboard-Part des Songs "Sonne" steigt eine ebensolche, angedeutet durch ungesund-grünlich strahlende Scheinwerfer, am Himmel der endzeitlichen Bühnen-Welt auf. Während "Mein Teil" scheint Sänger Heli – gekleidet in einen Metzger-Kittel, blutverschmiert und mit einem Flammenwerfer gerüstet ­– Keyboarder Ron Huber in einem übergroßen Kessel zu flambieren. Der jedoch übersteht das Martyrium unbeschadet und kann so im Song "Haifisch" in einem Schlauchboot über die Zuschauermenge surfen. Seinen Höhepunkt erreicht das makabere Theater zum Abschluss des Konzerts: Während in "Pussy" die Rede ist vom "Blitzkrieg mit dem Fleischgewehr" ergießt eine riesige Penis-Attrappe eine weiße Masse über die Köpfe der Besucher. Im abschließenden Song "Engel" lässt sich der Frontmann gar an stählernen, Funken sprühenden Engelsflügeln in die Höhe ziehen.

Effekthascherei, die beeindruckt. Darüber hinwegtäuschen, dass die Band bei über 80 Auftritten im Jahr reichlich routiniert aufspielt, kann sie jedoch nicht. Den animalischen Furor Rammsteins erreicht Stahlzeits kalkuliertes, dabei aber ästhetisch wie musikalisch höchst profesionelles Bühnentheater nur selten – wohl auch, weil sich die Franken, die sich nach dem Konzert stets für einen Plausch am Merchandise-Stand einfinden, deutlich nahbarer geben als das Original. Ein Vorwurf ist den Musikern dafür kaum zu machen. Schließlich verhält es sich mit dem Besuch einer Stahlzeit-Show so wie mit dem Essen des Lieblings-Italieners: Man weiß, was man bekommt. Schmecken tuts trotzdem.

 

 

Autor
Nico Schwappacher

Nico Schwappacher

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 12. 2018
15:58 Uhr

Aktualisiert am:
25. 12. 2018
16:41 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bergarbeiter Blitzkriege Heiligabend Karohemden Rammstein Schlagzeug Songs Sänger
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Auf der Bühne performt Sänger Helfried "Heli" Reißenweber den Rammstein-Klassiker "Engel" gerne mit stählernen Engelsflügeln.	Foto: Semmel Concerts

27.11.2018

"Die Franken muss man schubsen"

Die Rammstein- Tribute-Band Stahlzeit rockt einen Tag vor Heiligabend in Hof. Wir haben deren Frontmann Helfried Reißenweber zum Gespräch gebeten. » mehr

Auf der Bühne lebt Heli Reißenweber sein zweites Leben als Sänger der Band "Stahlzeit" aus.

24.05.2016

Ein Mann mit zwei Gesichtern

Heli Reißenweber kennen die meisten Kulmbacher als Wirt im "Backstage". Doch der Kulmbacher hat noch eine ganz andere Seite: Als Frontmann bei der Band Stahlzeit. » mehr

J.B.O.-Bassist Ralph Bach will die Hofer im Volksfestzelt auf den Tischen tanzen sehen. Foto: Lucie Peetz

27.07.2017

J.B.O.: "Wir spielen in Hof wie für Wacken!"

Hof freut sich auf die Erlanger Kultband J.B.O. Die Musiker werden auf dem Volksfest viele ihrer besten Lieder aus elf Alben spielen. » mehr

FWU_0819.jpg Hof

30.12.2012

Bäng, bäng - Feuer frei!

Wenn eine Coverband über das akademische Viertel hinaus auf sich warten lässt. Wenn Sie zudem die knapp 3000 Fans mit einem schier endlos langen Intro im grellen Scheinwerferlicht "quält", dann muss sie Besonderes leiste... » mehr

Volker Ringe überzeugt als Johnny Cash - und Julia Leinweber als dessen dritte Ehefrau June Carter. Foto: Harald Dietz

02.12.2018

Soundtrack eines Lebens

Im Studio des Theaters Hof war Premiere. Doch statt eines Stücks stand ein Konzert auf dem Programm. Es wurde ein toller Abend. » mehr

Heinrich Haas: Heinrich Haas

21.12.2014

"Der Markt gehört in Hofer Hände"

Heute geht der Hofer Weihnachtsmarkt zu Ende. Der Münchner Heinrich Haas wird ihn nur noch einmal organisieren, hat aber schon mögliche Nachfolger im Blick. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Bild%20(9).JPG Selb

Lost Places: das "Edion" bei Selb | 18.03.2019 Selb
» 9 Bilder ansehen

Black Base mit DJ Kurbi

Black Base mit DJ Kurbi | 17.03.2019 Hof
» 54 Bilder ansehen

Selber Wölfe - Hannover Indians

Playoff: Selber Wölfe - Hannover Indians | 17.03.2019 Selb
» 50 Bilder ansehen

Autor
Nico Schwappacher

Nico Schwappacher

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 12. 2018
15:58 Uhr

Aktualisiert am:
25. 12. 2018
16:41 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".