Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Jubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

Hof

Mit der Bombe steigt das Interesse am Baugebiet

Dass die Stadt Hof neues Baugebiet ausgewiesen hat, weiß offenbar noch nicht jeder. Als die Meldung über die entschärfte Weltkriegsmunition durch die Medien geht, gehen weitere Bewerbungen ein.



Hof - Die Bagger mit den riesengroßen Löffeln, die locker einen Kleinwagen tragen könnten, versetzen Tonnen von Erde. Männer in orangen Westen laufen gestikulierend über die Flächen, die gerade peu à peu zu Straßen werden sollen. Der Wind bläst ihnen gehörig ins Gesicht. Schnell rein in den Baucontainer. Lagebesprechung.

Einen Tag nach dem Fund einer Fliegerbombe am Hofer Rosenbühl gehen die Arbeiten zwischen Max-Reger- und Carl-Orff-Straße planmäßig weiter. "Wir haben damit gerechnet, dass mal was kommt", sagt ein Arbeiter. Mindert der Weltkriegsfund nun den Wert des Gebietes, wo die Stadt Hof 135 Euro pro Quadratmeter Grund aufruft?

Ganz im Gegenteil. Die Nachfrage nach den 54 Bauplätzen sei ungebrochen, sagt Alexander Wilfert vom Liegenschaftamt. Derzeit bewerben sich zwei Interessenten für jede einzelne Fläche. Die zukünftigen Bauherren kennen nach Angaben der Stadt die Geschichte des Gebietes unterhalb des Bismarckturms. Und die, die noch gar nichts vom Neubaugebiet gehört haben, kannten es spätestens am Montagabend: "Kurioserweise gingen im Zuge der Berichterstattung nochmals mehrere Vormerkungen für Baugrundstücke ein." Für Wilfert "ein schöner Beweis dafür, dass uns die Bürger durchaus einen vernünftigen und verantwortungsvollen Umgang mit schwierigen Aufgabenstellungen zutrauen."

Der Hofer Hauptbahnhof, der Bahnhof Neuhof und die Unterkotzauer Eisenbahnbrücke waren wegen ihrer verkehrstechnischen Bedeutung im Zweiten Weltkrieg Ziel von Bombenangriffen. "Relikte aus dieser Zeit finden wir daher leider immer wieder." Anwohner und Zeitzeugen hätten die Stadt frühzeitig darauf aufmerksam gemacht, dass auch im Neubaugebiet mit Munitionsfunden gerechnet werden müsse.

Die Erdarbeiten seien bereits bei den ersten Bodenproben von ausgebildeten Kampfmittelsuchern begleitet worden. Wilfert: "Da wir natürlich auch vermeiden möchten, dass die Häuslebauer die Katze im Sack kaufen, hat die Stadt Hof die Untersuchung und Begutachtung des gesamten Baugebietes im Hinblick auf eine mögliche Kampfmittelbelastung geplant."

Eine Fachfirma sichte dafür zunächst historische Luftaufnahmen, die nach den Bombenangriffen entstanden seien. Dort, wo großes Risiko bestehe, werde der Oberboden abgeschoben. Anschließend werde der Boden tiefensondiert. So sollen Munitionsreste aufgespürt und geborgen werden. "Dieses Vorgehen ist auch in Städten oder Regionen üblich, die im Zweiten Weltkrieg stärker von Bombardierung betroffen waren. Am Ende dieser Untersuchung meldet die Spezialfirma das Gelände als kampfmittelfrei, damit die Bauparzellen mit gutem Gewissen verkauft werden können", erklärt Wilfert. In den Notar-Verträgen werde auf diese Problematik und die durchgeführten Erkundungsmaßnahmen explizit hingewiesen. Allerdings werde auch klargestellt, dass es keine Unfehlbarkeit und keine hundertprozentige Sicherheit gebe.

Die Entschärfung der Bombe am Montagabend stellte für die Spezialisten keine große Herausforderung dar. Nach dem Fund am Nachmittag gegen 15 Uhr machte sich eine Spezialfirma auf den Weg. Für Hof ist das Sprengkommando Nürnberg zuständig, das wiederum Partner mit der Entschärfung betraut, erklärt Alexander Wilfert.

Der letzte größere Kampfmittelfund in Hof sei eine 500-Kilo-Bombe bei Bauarbeiten am Güterbahnhof im Jahr 2002 gewesen. Über die Zahl der Funde im Bereich Rosenbühl/Bismarckturm gebe es keine Kenntnisse.

Autor
Sören Göpel

Sören Göpel

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
30. 06. 2020
17:14 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bahnhöfe Bomben Bombenangriffe Bürger Gewissen Hauptbahnhöfe Max Reger Verkehrstechnik Vernunft Weltkriege Zweiter Weltkrieg (1939-1945)
Hof
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Bürgermeisterin Patricia Rubner übergibt dem wiedergewählten Ortssprecher Alexander Greim die Erinnerungstafel. Sie soll auf dem Findling bei der Schwedenjause Platz finden. Foto: Hüttner

vor 17 Stunden

Erinnerung an die Opfer

Der Berger Ortsteil Schnarchenreuth erhält eine Gedenktafel. Bürgermeisterin Rubner übergibt sie an den wiedergewählten Ortssprecher Alexander Greim. » mehr

Seit 1999 fährt die Vogtlandbahn mit ihren Zügen auf den Zwickauer Straßenbahnschienen in die Stadt. Foto: Rost

03.07.2020

Vogtlandbahn als erster DB-Konkurrent

Mit der Übernahme der Regionalbahn-Linie Hof-Plauen am 28. Mai 2000 durch die Vogtlandbahn sind im Personennahverkehr der Region erstmals Züge eines DB-Konkurrenten fahrplanmäßig zum Einsatz gekommen. » mehr

Hartmut Hendrich	Foto: Privat

10.05.2020

DGB gedenkt "Tag der Befreiung"

Redner erinnern bei einer Kundgebung in Hof an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren. Sollte der 8. » mehr

Auf das Schlappenbier 2020 stoßen im Sudhaus der Brauerei Scherdel an (von links): Adrian Roßner, Braumeister Sascha Greßmann, Oberschützenmeister Günter Hornfeck, leitender Braumeister Günther Spindler, Kreishandwerksmeister Christian Herpich und Oberbürgermeisterin Eva Döhla.	Foto: Brauerei Scherdel

05.06.2020

Mit Starkbier durch die Krise

Eines der ältesten Zunftfeste fällt in diesem Jahr aus. Das traditionelle Schlappenbier gibt es trotzdem. Die altehrwürdige Feier gehört seit 2019 offiziell zum bayerischen Kulturerbe. » mehr

Günther Schmidt aus Haueisen wohnte als Kind in Uschertsgrün und beobachtete hier über dem Selbitztal kurz vor Kriegsende eine "Ju 52" im Tiefflug. Foto: Werner Rost

28.06.2020

Spekulationen über Nazis auf der Flucht

Günther Schmidt hat kurz vor Kriegsende den mysteriösen Tiefflug einer "Tante Ju" beobachtet. Einige Monate zuvor war er Augenzeuge eines Flugzeug-Absturzes. » mehr

Der Zug, der gegen Kriegsende bei Volkmannsgrün beschossen wurde. Foto: Archiv

22.04.2020

Tote nach US-Luftangriff auf die Bahn

Beim Beschuss eines Zugs im Selbitztal kam im April 1945 eine Frau ums Leben. Es folgte eine spektakuläre Bergung. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Aktion von "Fridays for Future" am Kugelbrunnen in Hof Hof

Aktion von "Fridays for Future" in Hof | 03.07.2020 Hof
» 16 Bilder ansehen

Mini-Stadtfest am Wochenmarkt in Rehau

Mini-Stadtfest in Rehau | 05.07.2020 Rehau
» 52 Bilder ansehen

20200516_143430

4. Bratwurstlauf 2020 |
» 17 Bilder ansehen

Autor
Sören Göpel

Sören Göpel

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
30. 06. 2020
17:14 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.