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Hof

Neue Marken für die Hof-Galerie

Das vom Investor Vladimir Volkov beauftragte Immobilienbüro gibt die ersten Mieter bekannt. Die sollen Ende 2020 einziehen. Nun fehlt nur noch eine Baufirma.



Hof - Vladimir Volkov fuchtelt mal mit und mal ohne Stift wild in der Luft herum, er malt auf, er erklärt wie ein russischer Schachspieler, der das perfekte Spiel erklären will. Ein Spiel, in dem jeder Akteur ein Egozentriker ist. Volkov muss sie alle bei Laune halten, anbieten, abklären, verhandeln. "Ich bin Dienstleister", sagt der Boss der Luxemburg Investment-Group (LIG), einem fünfköpfigen Team, das seinen Sitz in Luxemburg hat und Einzelhandelsflächen in ganz Deutschland vermietet.

Viele neue Mieter wollen nach Hof, das ist seit Dienstag um 13.33 Uhr offiziell. Die Hof-Galerie, das neue Einkaufszentrum im Herzen der Stadt, ist zu 65 Prozent vermietet. Die weiteren Verhandlungen würden gut laufen, gab das Immobilienbüro Hillemeyer aus Lippstadt in einer von der Stadt Hof verschickten Presseerklärung bekannt.

Seit 2012 entwickelt die LIG gemeinsam mit dem Stuttgarter Architekten Bernhard Reiser, Inhaber der Mesa Development, ein Einkaufszentrum in der Saalestadt. Dafür musste der Zentralkauf weichen, den die Stadt mit dem Programm Förderoffensive günstig abreißen konnte. 90 Prozent der Kosten von über einer Million Euro übernahm der Freistaat. Das Programm zielt darauf ab, Ruinen in Städten und Gemeinden, die knapp bei Kasse sind, zu beseitigen. Hof beseitigte und stieß damit die Tür auf für die Entwickler, die nun ein freies Feld für die Mieter hatten.

Geht es nach Vladimir Volkov, dem Mann mit dem schmalen Gesicht und der Denkerbrille, startet der Bau im Frühjahr nächsten Jahres. Das allerdings hat diese Zeitung im Herbst vergangenen Jahres auch schon geschrieben. Seither passierte: kaum etwas. Seit einem dreiviertel Jahr liegt auf der Fläche zwischen Bismarck- und Friedrichstraße der "Mount Zenti", wie die Hofer sagen, in Anlehnung an ihren altehrwürdigen Zentralkauf, der jetzt nur noch ein Schuttberg ist. Nostalgie trifft Galgenhumor. Seit Monaten kursieren Gerüchte in der Stadt.

Also, wann wird denn nun gebaut, Herr Volkov? "Für den Hofer gibt es nur Fortschritt, wenn Bagger rollen, das kann ich verstehen, die Menschen wollen endlich was sehen", sagt der Kopf der LIG. Volkovs Problem ist, dass er zwischen den Stühlen sitzt und eigentlich nur verlieren kann.

Das Projekt ist so aufgeladen, städtisch wie medial, kaufmännisch und politisch, jede Seite zerrt an den Planern, die kein Wort zu viel sagen dürfen, ohne dass eine Kettenreaktion entsteht. "Es ist wie Domino. Das Projekt kann wegen eines Steins, der fällt, scheitern", sagte Volkovs in einem früheren Gespräch.

Seit Dienstag steht alles sehr viel sicherer, wenn auch noch nichts zu sehen ist. 65 Prozent der Flächen seien vermietet, lässt der zuständige Immobilienmakler per Presseerklärung der Stadt ausrichten. Insgesamt 11 000 der vorgesehenen 17 500 Quadratmeter Handelsfläche, also 19 Geschäfte, seien belegt - also schriftlich. Insgesamt sollen es mal 40 sein.

Wichtig ist noch der Zusatz "mehr als zweieinhalb Jahre vor Fertigstellung". Ende 2020 solle also laut aktuellem Plan geshoppt werden. Die Entwickler präsentierten "namhafte Filialisten", darunter Rossmann, Vero Moda, Jack & Jones, Only, Orsay, Deichmann, New Yorker, "eine Elektronik-Fachmarktkette sowie ein multinationales Bekleidungsunternehmen". Beide Namen wollten die Entwickler noch nicht nennen. Gastronomieangebote sowie regionale Anbieter würden den "attraktiven Branchenmix" ergänzen. In die Galerie sollen auch ein Schmuckgeschäft, eine Apotheke, ein Friseur und ein Reisebüro einziehen.

Für Investor Volkov sind die Mieter neben der Stadt Hof die wichtigsten Ansprechpartner der LIG: "Wir bauen nicht, die Mieter bauen, um ihren Kunden ein attraktives Angebot zu machen, die Stadt Hof baut, um einen attraktiven Busbahnhof zu unterhalten." Der neue, alte Umschlagplatz für fast fünf Millionen Fahrgäste pro Jahr ist schon detailliert geplant, sagt Fabian Theis, Managing Director der LIG. Diese Form, ein überbauter Bahnhof mit Zugang zum Einkaufscenter, sei nahezu einmalig. In Koblenz gebe es ein vergleichbares Objekt. Das Löhr-Center sei allerdings schon in die Jahre gekommen.

Woher kommt die neue Attraktivität der Saalestadt? Konzerne seien ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, ihr Geschäft auszubauen, sagt Vladimir Volkov. "Wir bauen, weil der Bedarf aus Sicht der Mieter da ist", sagt Volkov. 250 000 Menschen in einem Umkreis von 30 Minuten Fahrtzeit hätten die Projektentwickler als Grundlage für die Berechnungen hergenommen. Allein im Landkreis Hof leben fast 100 000 Menschen. "Die Kaufkraft ist da", sagt Volkov, auch wenn viele Hofer das kaum glauben können in einer Stadt, in der die sozialen Unterschiede groß sind, jedes dritte Kind als arm gilt und die bestehenden Handelsflächen in der Innenstadt eigentlich schon viel zu groß sind, um sie über Jahre zu erhalten, weil immer mehr Menschen per Mausklick einkaufen.

Zahlen belegen aber auch, dass die Mehrheit der Kunden immer noch gerne vor Ort einkauft, der Anteil des Onlinehandels am Gesamtumsatz der Branche im unteren zweistelligen Prozentbereich liegt. Der Einkauf müsse nur zunehmend zum Erlebnis werden, die Beratung stimmen, mahnen Experten immer wieder. Architekt Reiser sagt es so: "Die Hof-Galerie ist ein Impuls für die Entwicklung der Stadt und ein tragender Baustein für den lebendigen Erlebnisraum Innenstadt - ein Ort, zu dem man gerne hingeht."

Wichtig wird sein, dass die Kunden auch noch gerne in die bestehenden Geschäfte gehen, die die Einkaufsstadt Hof seit Jahren tragen. Dazu gehört die Ludwig- und Lorenzstraße genauso wie die Karolinen-, Kloster- und Bismarckstraße, deren Händler seit zwei Jahren unter dem zumindest nicht sichtbaren Fortschritt leiden.

Vor Monaten wandten sich die Inhaber der Geschäfte an die Stadt, weil wegen des fehlenden Busbahnhofs und der Verkehrssituation immer weniger Kunden in die Läden kommen. Die Frage wird sein, wie lange mancher noch durchhält bis Ende 2020, wo schon jetzt der Umsatzverlust eklatant ist.

Unklar bleibt zunächst auch, wie stark die Verschiebungen innerhalb der Hofer Geschäftswelt sein werden. Unter den genannten Mietern der Hof-Galerie unterhält Deichmann noch eine weitere Filiale in der Lorenzstraße und im Marktkauf, Rossmann ist seit Jahren in der Altstadt und seit kurzem in der August-Mohl-Straße.

Eine der Kernfragen lautet auch: Wer baut die Galerie? Und zu welchem Preis? Als die Planungen vor sechs Jahren begannen, herrschten in der Baubranche noch einigermaßen normale Zustände. Mittlerweile rufen Handwerker weitaus höhere Preise auf oder haben erst gar keine Zeit. Auf ihrer Homepage schreibt die LIG von einem Investmentvolumen in Höhe von 50 Millionen Euro. Diese Zahl steht erst seit einigen Monaten dort. Zu Beginn der Planungen kalkulierte die LIG mit 35 Millionen. Die LIG und ihr Kopf Vladimir Volkov muss also noch viel jonglieren bis zur Eröffnung.

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Veröffentlicht am:
25. 09. 2018
13:26 Uhr

Aktualisiert am:
25. 09. 2018
18:54 Uhr

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