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Hof

Organspende - will ich das?

Die Diakonie lässt Experten zu Wort kommen, um zentrale Fragen zu beantworten. Wissen sei der beste Weg zu einer fundierten Entscheidung.



Organspende - will ich das?
Organspende - will ich das?  

Hof - Wie steht man zur Organspende? Damit, mit einer geklärten eigene Position zur Organspende, hat sich der Bürgertag Organspende der Diakonie Hochfranken beschäftigt. Oftmals ist die Wirkung von Veranstaltungen schwer zu belegen, in dem Fall zeigten aber mehrere digitale Live-Umfragen, wie sich der Erkenntnisstand und die Haltung im Lauf des Abends entwickelt hatten, schreibt die Diakonie in einer Mitteilung. Mithilfe der Funkabstimmung wurde die Info-Veranstaltung zum interaktiven Event.

Die Fort- und Weiterbildung der Diakonie Hochfranken und die Hochschule Hof hatten Fachleute aus unterschiedlichen Gebieten eingeladen, die die Gäste auf den Weg zu einer tragfähigen Entscheidung führten. "Es gibt kein richtig oder falsch, aber jeder sollte sich Gedanken machen", erklärte Dr. Rainer Krauß, Oberarzt und Transplantationsbeauftragter der Herzchirurgie im Klinikum Bayreuth. Er vermittelte medizinisches Grundlagenwissen, etwa zur Diagnose Hirntod. Krauß beschrieb, welche Untersuchungen durchgeführt werden, um den Hirntod festzustellen. Und dieser sei unumkehrbar - ein wichtiger Punkt, der vielen unbekannt sei.

"Wir tun uns schwer mit dem Thema, denn wir wollen uns eigentlich nicht mit dem eigenen Tod beschäftigen. Aber für die Angehörigen ist es erheblich schwieriger, wenn sie dann gefragt sind. Also sollte man sich lieber mal in einer ruhigen Minute hinsetzen und überlegen, wie man dazu steht - und das hinterlegen, oder Angehörige informieren", appellierte der Mediziner.

Demgegenüber stand die Fragestellung von Carsten Wild, Richter am Amtsgericht Hof: "Muss ich mich damit wirklich auseinandersetzen? Und darf der Staat jemanden zwingen, sich mit dem Thema zu beschäftigen?" Wild bezweifelte, dass es dann mehr Organspenden gäbe. Der Jurist betrachtete auch die Empfänger-Seite und bemängelte, dass es keinen Rechtsweg in dem Gesetz gebe, keinen Weg, auf "die Liste" zu kommen. "Die Warteliste, das ist ein Buch mit sieben Siegeln. Es gehört in staatliche Hand mit klaren Regelungen, staatlich überwacht und durch Rechtsmittel angreifbar", forderte er.

Der Theologe Bernhard Bleyer von der Fakultät Gesundheitswissenschaften der Technischen Hochschule Deggendorf beleuchtete ethische Fragen, etwa die, was unter Selbstbestimmung eines potenziellen Spenders zu verstehen sei. Denn: "Weiß der Spender überhaupt genau, in was er einwilligt?" Studien zeugten von einem mäßigem Wissensstand, auch über die intensivmedizinische Versorgung. Haben sie in alle Maßnahmen eingewilligt, die notwendig sind, um die Organspende einzuleiten? Diskrepanzen zeigten sich auch, wenn man die Bevölkerung frage, erläuterte Professor Dietmar Wolff: "84 Prozent stehen der Organspende positiv gegenüber, aber nur 56 Prozent haben eine Entscheidung getroffen."

Das erste Publikums-Voting vor Ort ergab folgende Einstellungen: 51 Prozent würden Organe spenden, elf Prozent eher ja, 17 Prozent unentschieden, 20 Prozent lehnten ab.

Am Ende der Veranstaltung war der Anteil der Unentschiedenen deutlich geschrumpft (auf sechs Prozent). Einige hatten sich in Richtung Organspende bewegt, ein kleiner Teil auch in Richtung nicht zu spenden.

Eine Befragung machte deutlich, dass etwa der Hälfte unklar ist, wie die Entscheidungen ihrer nahen Angehörigen aussehen. "Das Thema ist noch nicht so in der Öffentlichkeit angekommen, wie es nötig wäre", stellte der Hofer Oberbürgermeister Harald Fichtner fest. Daher begrüßte er das Forum, das Diakonie und Hochschule mit dem Bürgertag geschaffen hatten.

In der Diskussion von solch existenziellen Themen seien Politik, Medizin, Juristen, die Kirche und jeder Einzelne gefragt, hielt Manuela Bierbaum, Geschäftsführerin der Diakonie Hochfranken, fest. Die Soziologin befand: Jeder habe eine Verantwortung, die über sein eigenes Leben hinausgehe.

In der Runde trafen die drei Referenten auf Jürgen Lehmann, Präsident der Hochschule Hof, Wolfgang Hofmann, Direktionsleitung AOK Hof, sowie Dekan Günter Saalfrank. Es ging um die Hoffnungen und Gefühle der Empfänger und um die Frage, wie man Abschied nehmen kann von einem Menschen, dessen Gehirntod festgestellt wurde, dessen Herz aber noch schlägt, weil der Körper beatmet wird. Für einen gelingenden Abschied vor dem Eingriff am Spender sei es wichtig, die Angehörigen gut einzubeziehen.

Das Fazit zum Bürgertag lieferte wiederum eine Live-Abstimmung: Dass sie nun mehr wissen, sagten 96 Prozent.

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Veröffentlicht am:
25. 11. 2019
20:34 Uhr

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25. 11. 2019
20:34 Uhr



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