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Radfahrer fühlen sich in Hof verloren

Im Fahrradklimatest des ADFC landet Hof auf dem letzten Platz. Anträge, die Situation zu verbessern, gibt es viele - doch an der Umsetzung hakt es.



Noch gibt es sie, die Hofer, die die Saalestadt mit dem Rad durchqueren. Einer von ihnen überquert hier die Luftbrücke am Hofer Hauptbahnhof.	Foto: Thomas Neumann
Noch gibt es sie, die Hofer, die die Saalestadt mit dem Rad durchqueren. Einer von ihnen überquert hier die Luftbrücke am Hofer Hauptbahnhof. Foto: Thomas Neumann  

Hof - "Ich habe schon in vielen Städten gelebt, in manchen war die Situation für Radfahrer besser, in manchen schlechter. Aber so katastrophal wie in Hof war sie nie." Das sagt Hauke Edzards, Student an der Hofer Hochschule. Fehlende oder schlecht ausgebaute Radwege und rücksichtslose Autofahrer würden die Studenten "geistig fix und fertig" an der Hochschule ankommen lassen - wenn sie sich überhaupt aufs Rad wagen. Edzards Empfinden deckt sich mit den Ergebnissen des aktuellen Fahrradklimatests des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), bei dem die Stadt Hof bundesweit den letzten Platz belegt. Note 4,8, wie im Vorjahr - in der Schule wäre Hof durchgefallen.

Hintergrund

Beim Fahrradklimatest des ADFC können Radfahrer abstimmen. Die Ergebnisse finden sich dann auf einer interaktiven Karte. Jeder kann mitmachen - was auch heißt, dass die Umfrage nicht repräsentativ ist. Gewinner ist in diesem Jahr Karlsruhe mit der Note 3,15.

In Hof ist man über das Ergebnis nicht überrascht, wie Andreas Engel vom Hofer ADFC berichtet. "Das Ergebnis ist peinlich, spricht aber für sich", sagt er. Radwege seien zu schmal, würden oft an Bäumen enden und selten gesäubert, sodass Glasscherben herumliegen.

 

Peter Geißelsöder, Inhaber des Fahrrad-Fachgeschäfts "Radhaus Hensel und Koller", sieht das ähnlich: "Es hapert vor allem an der Infrastruktur. Es gibt kaum Radwege, und wenn welche vorhanden sind, sind sie nicht gepflegt." Andreas Engel spielt den Ball der Politik zu: "Es hängt am Willen, etwas zu ändern." Dafür brauche es mehr Geld - momentan kämen auf einen Einwohner 85 Cent für den Ausbau der Rad-Infrastruktur.

Auch in der Stadtverwaltung und den Stadtratsfraktionen überrascht das Ergebnis nicht. "Ja, wir wissen, dass wir in den vergangenen 30 Jahren einen deutlichen Rückstand angehäuft haben", bekennt Rainer Krauß, Sprecher der Stadt Hof. Und SPD-Stadtrat Jörg Mielentz sagt: "Das Ergebnis ist niederschmetternd, aber verwundert mich nicht." Die Stadtverwaltung und den Oberbürgermeister scheine das Thema aber nicht zu interessieren, moniert Mielentz. Die SPD beantragte daher kürzlich, einen Radfahrbeauftragten zu etablieren. Aktuell gibt es keine einheitliche Anlaufstelle: Will man einen Radstreifen markieren, ist das Bauamt zuständig, möchte man Radwege ausschildern, muss man zum Fachbereich Tourismus. Zudem fordert Mielentz mehr Mittel. "Laut ADFC sollte man 19 Euro pro Einwohner im Jahr einrechnen. Das wäre in Hof etwa eine Million Euro. Und der Oberbürgermeister rühmt sich, dass bald 200 000 Euro zur Verfügung stehen."

Die CSU-Fraktion stellte den Antrag, einen Radweg zu konzipieren. Vorsitzender Wolfgang Fleischer ist zuversichtlich, dass sich nun etwas tut: "Wir sind auf dem Weg der Besserung." Vielleicht könne man in vier bis fünf Jahren mit einem besseren Abschneiden Hofs im Test rechnen.

Rainer Krauß erklärt die Versäumnisse vor allem historisch: "Nach der Wende galt es, mit dem vorhandenen Geld zunächst die Straßen und andere, essenziell notwendige, Infrastruktur auszubauen. Später, im Strukturwandel und Zeiten knapper Kassen, bestand ebenfalls mehrheitlich die politische Auffassung, dass Radwege angesichts der schwierigen Topografie nicht die oberste Priorität sind." Nun stünden die Vorzeichen aber anders - und so herrsche parteiübergreifend eine gewisse Einigkeit, dass man sich dem Thema widmen muss.

Autor

Laura Schmidt
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Veröffentlicht am:
10. 04. 2019
19:22 Uhr

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Laura Schmidt

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Veröffentlicht am:
10. 04. 2019
19:22 Uhr



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