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Hof

SPD fürchtet um liebliche Wiesentäler

Die Sozialdemokraten halten Ministerpräsident Söders Aufforstungsprogramm für Populismus. In der Region gebe es dafür keinen Platz.



Hochfranken - Die Deutschen, besonders aber die Menschen in Regionen wie dem Fichtelgebirge, haben traditionell eine starke Beziehung zum Wald. Ein gesunder und ökologisch stabiler Wald ist den Menschen wichtig. Das stellen der Vorsitzende der oberfränkischen SPD, Jörg Nürnberger aus Tröstau, und der ehemalige Landtagsabgeordnete Albrecht Schläger, der von Haus aus Förster ist, laut Pressemitteilung fest. Nach dem Waldsterben in den 1980er-Jahren rücke der Wald im Zuge des Klimawandels nun erneut in den Mittelpunkt des politischen Geschehens.

Dabei ist es nach Ansicht der SPD-Politiker allerdings bedauerlich, dass der bayerische Ministerpräsident Söder in populistischer Weise mit dem Thema Wald umgehe und pauschal die Pflanzung von 30 Millionen neuer Bäume in fünf Jahren fordere. "Dies klingt auf den ersten Blick fantastisch: Neue Bäume, das heißt weniger Kohlendioxid und besseres Klima", heißt es in dem Schreiben. Allerdings können diese Pläne laut Albrecht Schläger zumindest im Fichtelgebirge gar nicht umgesetzt werden: "Es fehlen einfach Flächen zur Aufforstung. Fachleute aus der Forstwirtschaft bezweifeln deshalb Söders Programm für zusätzlich 30 Millionen Bäume in den nächsten fünf Jahren zu Recht und weisen darauf hin, dass es dafür eben gar nicht die notwendigen Flächen gibt. Es sei denn, man will historische Rodungsinseln wie zum Beispiel Bischofsgrün, Kleinwendern, oder Silberbach nach 1000 Jahren wieder mit Wald bepflanzen."

Auch Vertreter des Bayerischen Bauernverbandes hätten darauf hingewiesen, dass man dazu in Bayern etwa 5000 Hektar Fläche neu bepflanzen müsste. "Die Bauern sind logischerweise nicht gewillt, diese Flächen aus der Landwirtschaft herzugeben", sagt Jörg Nürnberger. Er führt an, dass es auf keinen Fall angehe, die letzte Waldwiese oder die lieblichen Wiesentäler im Fichtelgebirge zu opfern, die gerade für den Naturschutz in den letzten Jahrzehnten von Baumbewuchs freigehalten wurden.

Albrecht Schläger betont: "Die Kahlflächen, die in unseren Wäldern in jüngster Vergangenheit durch Sturm, Borkenkäfer oder sonstige Kalamitäten entstanden sind, müssen nach dem Bayerischen Waldgesetz sowieso wieder aufgeforstet werden. Woher da zusätzliche Flächen kommen sollen, bleibt das Geheimnis des Ministerpräsidenten."

Die beiden Vertreter der SPD weisen außerdem darauf hin, dass der riesige Pflanzenbedarf, der auch die richtige Herkunft haben muss, schon für die regulären Wiederaufforstungen nicht beschafft werden könne. "Wo sollen da zusätzliche Pflanzen herkommen? Forstpflanzen kann man bekanntlich nicht wie Salatpflanzen innerhalb weniger Wochen heranziehen, sondern es dauert in der Regel zwei bis vier Jahre. Das geht aber auch nur dann, wenn die einzelnen Baumarten reich fruktifizieren können." Das sei in der gegenwärtigen Stresssituation bei der Trockenheit nicht möglich, weil die Bäume nicht in der Lage seien, Reserven aufzubauen. "Verkürzte Triebe, verringerte Blattmasse und eingeschränkter Zuwachs schwächen unsere Bäume, sodass sie keine verwertbaren Samen ausbilden."

Als puren Zynismus empfinden es Nürnberger und Schläger laut der Mitteilung, wenn der Ministerpräsident verlautbart, die Überschüsse der bayerischen Staatsforsten sollten künftig nicht mehr in die Staatskasse fließen, sondern dazu verwendet werden, die Wälder und Moore zu erhalten und klimafester zu machen. "Das wäre in den letzten Jahren möglich gewesen. Jetzt wo der Staatsforst Verluste schreibt, ist so eine Aussage eine Zumutung, genauso wie die Zusage, die Windenergie zu intensivieren. Hat doch gerade die bayerische Staatsregierung den Windenergiezuwachs durch die 10H-Vorschrift auf Null gesetzt."

Abschließend teilen Jörg Nürnberger und Albrecht Schläger mit: "Ministerpräsident Markus Söder wird seinem Ruf als Oberpopulist wieder einmal gerecht und übertrifft in dem Punkt sogar seinen Vorgänger Seehofer. Wenn er 30 Millionen zusätzliche neue Bäume will, muss er auch sagen, wo diese gepflanzt werden sollen. Ansonsten ist das nur Populismus und hilft weder dem Klima noch den Menschen."

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Veröffentlicht am:
12. 08. 2019
20:04 Uhr

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12. 08. 2019
20:04 Uhr



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