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Schoerners neues Parteibuch

Die Hofer Stadträtin gehört jetzt der Partei "Mut" an. Dass sie bei der nächsten Wahl wenig Chancen hat, stört sie nicht.



Schoerners neues Parteibuch
Schoerners neues Parteibuch  

Hof - Christine Schoerner stellt ihre Zeit für Politik einer neuen Partei zur Verfügung. Die bislang parteifreie Hofer Stadträtin ist in die Partei "Mut" eingetreten, womit der Hofer Stadtrat ein noch bunteres Parteiengeflecht wird. Das künftige Engagement der Kommunalpolitikerin könnte überschaubar bleiben - in gut einem halben Jahr wird der Stadtrat neu gewählt, und die bisherige Bilanz von "Mut" geht in den zwei Jahren ihrer Existenz gegen Null. Kein Grund zum Verdruss bei Christine Schoerner: "Es geht nicht nur um die Wahlen, sondern um Parteiarbeit."

Mut

Die Partei "Mut" existiert seit 2017. Gegründet haben sie die langjährige Grünen-Landtagsabgeordnete Claudia Stamm und der Soziologe Stephan Lessenich. Stamm hatte die Fraktion verlassen, weil die Grünen ihrer Meinung nach zu viele Kompromisse eingehen, vor allem in der Asylpolitik und in Fragen sozialer Gerechtigkeit. Die Partei, die sich als linksliberal bezeichnet, will zwar im Bund wirken, ist aber aktuell nur in Bayern als Landesverband aktiv und hat 400 Mitglieder. Bei der Landtagswahl 2018 in Bayern kam sie auf 0,3 Prozent.

 

Und die steht am Anfang. Schoerner und Susanna Steinberg, die Landesvorsitzende aus Marktredwitz, müssen nach der Frage der Mitgliederzahl in Stadt und Landkreis Hof kurz nachdenken, können sich aber nicht auf drei oder vier einigen. Das soll aber besser werden. "Wer sich im eher linken Spektrum zu Hause fühlt, kann kommen", sagt Schoerner. Am 22. November will sich die Kleinpartei in Hof bei einem Stammtisch einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen. Es geht um Wähler und um Mitglieder. 13 Hofer will die ehemalige Grüne auf der Liste lesen, wenn es am 15. März ernst wird. "Es soll eine freie, bunte Mut-Liste werden", sagt die Hoferin.

 

Dass ihre Tage als Stadträtin gezählt sein könnten, weiß Schoerner, sie würde es auch bedauern, nicht mehr im Gremium zu sitzen. "Die Arbeit macht Spaß." Sie hat sogar die Fleißarbeit hinter sich gebracht, sämtliche Sitzungen des Rates und der Ausschüsse aufzulisten und kommt seit dem 19. Februar 2018 auf exakt 100 Termine. Das überrascht, weil Schoerner nach ihrem unrühmlichen Aus bei den Grünen und in der Ausschussgemeinschaft nur noch in den Vollsitzungen des Stadtrates in offizieller Mission sitzt. Schoerner nutzt ihr Besuchsrecht und ist so gut wie immer anzutreffen, wenn es im Sitzungssaal um die Stadt geht. "Das mache ich nicht, weil ich da in einer warmen Stube sitze, sondern weil ich immer informiert bleiben will", sagt sie.

Landesvorsitzende Steinberg stößt sich nicht an der Tatsache, dass das neue Mitglied aus dem Hofer Stadtrat eine juristische Vorgeschichte hat. Christine Schoerner hat sich in ihrer Zeit als Vorsitzende der oberfränkischen und Hofer Grünen der Unterschlagung und der Urkundenfälschung schuldig gemacht und ist seit gut zwei Jahren nach einem Strafbefehl vorbestraft. Noch läuft die Bewährung. "Wir haben darüber gesprochen. Jeder verdient eine zweite Chance, das Leben geht nach einem Fehler weiter", sagt Steinberg. Es anders zu halten, wäre undemokratisch, meint sie.

In der Zwischenzeit habe sich auch das Miteinander im Stadtrat wieder einigermaßen normalisiert. Sie sei mit ihrem vormaligen Grünen-Kollegen Klaus Schrader und dem Linken-Rat Thomas Etzel häufig einer Meinung. Da gebe es aber andere, mit denen die Arbeit im Stadtrat seither nicht ganz unkompliziert sei.

Jedwede wiedergewonnene Harmonie gehe aber nicht soweit, dass ein Comeback zu den Grünen auch nur denkbar wäre. Christine Schoerner fühlt sich, sagt sie, bei "Mut" wohler. Denn: "Dort ist man menschlicher, konsequenter und ehrlicher." Überhaupt sei ihr der Star-Hype bei den Grünen zuletzt auf den Wecker gegangen. Und - etwa in Regierungsbeteiligung - Kompromisse eingehen zu müssen, müsse noch lange nicht heißen, dass man Verrat an der eigenen Politik übt.

Ein Problem, an dem "Mut" als neue Partei nicht leiden kann. Wobei Susanna Steinberg das nicht so sagen möchte: "Um in Listen zu kommen, müssen wir schon jetzt Gespräche führen - meistens mit den Linken. Aber da streiten wir vorher für unsere Arbeit." Wie diese Liste in Hof aussehen wird, steht nicht fest. Ob der Name Schoerner obenan steht, angeblich auch nicht.

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Harald Werder

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Veröffentlicht am:
05. 11. 2019
00:00 Uhr

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