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Stadtrat vertagt Entscheidung über Brücke

Deutliches Signal an die Anwohner rund um den Wartturmweg: Das Gremium verschiebt einen Beschluss zur Saalequerung. Nun soll es erst ein neues Gespräch geben.



Hof - Inhaltlich haben die beiden Dinge nur bedingt etwas miteinander zu tun - symbolisch gesehen hängen sie eng zusammen. Die Stadt braucht eine neue Brücke über die Saale, plant bekanntlich eine Querung zwischen Wartturmweg und Alsenberg. Dadurch werden sich die Verkehrsströme ändern - zum Nachteil der jeweiligen Anwohner. Um den Anliegern von Wartturmweg, Neutauperlitzer Weg und Co. zu signalisieren, dass man ihre Bedenken ernst nimmt, hat der Stadtrat am Montag einen Tagesordnungspunkt wieder abgesetzt - einstimmig, aber nach hitziger Debatte vor großem Publikum.

Etwa 20 Anwohner saßen auf den Zuschauer-Sitzen, um die Diskussion zu verfolgen. Sie hatten sich zuvor in einem Brief, der auch der Frankenpost vorliegt, an die Stadtverwaltung und die Stadtratsfraktionen gewandt. Darin teilen sie die allgemeine Ansicht, dass die neue Saalequerung dringend benötigt wird, bitten aber darum, ihre Sorgen zum Thema Verkehrsbelastung, Lärm oder Fußgängersicherheit aufzugreifen. Seit Monaten laufen dafür Gespräche zwischen Stadtverwaltung und Anliegern, im vergangenen Herbst hatte das Rathaus dafür eigens zur Bürgerversammlung in Jägersruh eingeladen, und in zwei Wochen ist eine weitere Info-Veranstaltung für die Anwohner angesetzt. Dennoch: Um alles dafür zu tun, nicht den Anschein zu erwecken, über die Köpfe der Betroffenen hinweg zu entscheiden, setzte der Stadtrat das Thema von der Tagesordnung. Ob bis zur nächsten Sitzung am 11. Juni allerdings schon mehr Fragen beantwortet werden können, bleibt aber offen.

Normalerweise hätte der Stadtrat am Montagabend einen weiteren baurechtlichen Schritt in Richtung neue Saalequerung beschlossen: die nötige Änderung des Flächennutzungsplans und die Auslegung eines neuen Bebauungsplans für das Areal, auf dem die Brücke entstehen soll. Doch Rainer Kellner bat für die SPD-Fraktion darum, den Tagesordnungspunkt abzusetzen. Zwar sei man sich einig, dass es die Brücke brauche, auch habe es auf besagter Bürgerversammlung fast keine Einwände gegeben. "Doch der Brief bringt uns dazu, zu sagen: Wir alle, die Fraktionen und die Verwaltung, sollten Verständnis für das Anliegen der Anwohner zeigen, dass sie sich nicht richtig informiert fühlen."

Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner betonte, dass man die Anwohner sehr ernst nehme. Er warnte aber davor, sich in einem "formalen Klein-Klein" zu verzetteln: "Die Brücke wird gebaut werden, mit dem Beschluss heute oder in vier Wochen oder in sechs." Er betonte, dass aus seiner Sicht eine weitere Beschränkung der Tonnage machbar sei, und: "Der Durchgangsverkehr im Wartturmweg muss so gering wie möglich bleiben." Da legte auch Wolfgang Fleischer, CSU, nach: Die Verwaltung solle prüfen, ob eine Beschränkung des Wartturmwegs für Fahrzeuge bis 2,8 Tonnen Maximalgewicht möglich sei. "Über den Bebauungsplan können wir zu einem späteren Zeitpunkt noch entscheiden, das ist uns unbenommen." Auch Gudrun Bruns, FAB, begrüßte den Vorschlag als Kompromiss. Sie bat zudem noch darum, die Frage nach einer sicheren Fußgänger-Querung zu prüfen. Ihren Wunsch, bis zum Juni nähere Aussagen zur Verkehrsentwicklung zu treffen, verneinte Stadtdirektor Franz Pischel jedoch später: In der kurzen Zeit sei das wohl kaum machbar.

Christine Schoerner, parteifrei, konnte sich den Hinweis nicht verkneifen, dass sie seit Monaten immer wieder nach einem Verkehrskonzept frage und nie eine vernünftige Antwort erhalten habe. Sie begrüßte daher freilich umso mehr, dass man sich die Frage nach dem Verkehrsfluss nun endlich stelle. Dr. Klaus Schrader, Grüne, ging noch einen Schritt weiter: Der Wartturmweg als Teil des Innenstadtrings sei doch im Generalverkehrsplan gar nicht vorgesehen. "Aber kaum droht das Wort Klage, schon geht man auf die Leute zu", warf er der Verwaltung vor. Die Bürgerversammlung in Jägersruh sei "ein Witz" gewesen, da habe hauptsächlich die Verwaltung referiert.

Das ließ der OB nicht auf sich und seinen Mitarbeitern sitzen: "Sie müssen schon bei den Fakten bleiben", mahnte er an Schrader gerichtet. Die Versammlung sei allseits als gut empfunden worden - und die anwesenden Hofer hätten doch sogar auf einen Bürgerantrag hin für die Brücke gestimmt. Auch Rainer Kellner, SPD, legte nach: "Wenn uns einer vorwirft, wir tun das nur aus Angst vor rechtlichen Schritten, empfinde ich das als Unverschämtheit", sagte er. Schrader sei von Anfang an gegen die Brücke gewesen - "also wäre ich an Ihrer Stelle heute schön ruhig gewesen", empfahl er dem Grünen-Stadtrat im Nachhinein. Schrader stellte klar, dass er immer für die Brücke, allerdings auch immer gegen die daraus resultierende Lärmbelästigung gewesen sei. Das kommentierten viele Stadträte nur mit einem Lächeln. "Die Anwohner wollen ein Zeichen", sagte Harald Fichtner schließlich, bevor er den Tagesordnungspunkt wie gewünscht absetzte.

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Christoph Plass

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Veröffentlicht am:
15. 05. 2018
21:26 Uhr

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Christoph Plass

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15. 05. 2018
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