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Streiken fürs Klima? Nein, danke!

Seit Monaten demonstrieren Schüler jeden Freitag für den Klimaschutz. Erik Glaser aus Hof hält die Proteste für keine gute Sache. Der 15-Jährige wirbt für einen anderen Ansatz.



"Statt zu demonstrieren, müssten die Schüler lieber ein paar Bäume pflanzen oder Müll sammeln gehen", sagt Erik Glaser. Der 15-jährige Realschüler aus Hof kritisiert die Jugendbewegung "Fridays for Future". Foto: Juravel
"Statt zu demonstrieren, müssten die Schüler lieber ein paar Bäume pflanzen oder Müll sammeln gehen", sagt Erik Glaser. Der 15-jährige Realschüler aus Hof kritisiert die Jugendbewegung "Fridays for Future". Foto: Juravel  

Hof - An einem Freitag im August 2018 schwänzt eine 15-jährige Schülerin den Unterricht und setzt sich vor das schwedische Parlament in Stockholm. Ihre Haare sind zu zwei Zöpfen geflochten, sie hält ein selbstgebasteltes Plakat in den Händen, auf dem "Schulstreik für das Klima" steht. An dem besagten Freitag im August ahnt noch keiner, dass dieses Mädchen, Greta Thunberg, nur ein paar Monate später zur Ikone einer neuen Jugendbewegung wird. Seit mehreren Wochen folgen junge Menschen weltweit ihrem Beispiel, lassen freitags den Unterricht ausfallen und demonstrieren unter dem Motto "Fridays for Future" für eine bessere Klimapolitik. Auch in Hof und Umgebung gingen Jugendliche auf die Straße (wir berichteten). Viele Politiker, Unternehmer und Eltern loben die jungen Klima-Demonstranten. Doch ausgerechnet ein Teenager kritisiert nun diese Protestwelle.

"Nur fordern statt handeln - das bringt nix!", sagt Erik Glaser aus Hof. Der 15-Jährige verfolgt seit etlichen Wochen die "Fridays for Future"-Bewegung und ist sich sicher: "Ich würde bei diesen Protesten nicht mitmachen." Der Realschüler hat mehrere Argumente gesammelt, die in seinen Augen gegen die Initiative sprechen.

"Man soll für den Klimaschutz nicht demonstrieren, sondern danach leben", fordert der 15-Jährige. Statt die Schule zu schwänzen, gelte es, den Anfang bei sich selbst zu machen. Beim Kauf von Essen, Kleidung und technischen Geräten könne jeder dazu beitragen, die Zerstörung der Umwelt aufzuhalten. "Wenn alle Demonstranten konsequent auf Plastik und Fleisch verzichten würden, wäre bereits mehr für das Klima erreicht worden als durch die allwöchentlichen Proteste", ist sich der Neuntklässler sicher. Er selbst würde sich bereits vegetarisch ernähren und habe - soweit es geht - Plastik aus seinem Alltag verbannt.

In seinen Augen hätten die Demonstranten auch ihre Forderungen nicht ausreichend ausgearbeitet. Die Klima-Aktivisten von "Fridays for Future" wollen zwar eine CO2-Steuer, doch "auf welche Weise ihre Forderungen in die Realität umgesetzt werden könnten, das sagen sie nicht", kritisiert der Realschüler.

Auch ihre zweite Forderung sieht der Neuntklässler skeptisch: Bis zum Ende dieses Jahres sollte bereits ein Viertel aller Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. "Wie soll das aber funktionieren, wenn die erneuerbaren Energien bisher nicht ausreichen, um die Versorgung in Deutschland zu sichern?", hinterfragt der 15-Jährige. Vor allem energieintensive Unternehmen wie Stahl- oder Aluminiumwerke, aber auch die Chemieindustrie würden ohne den Strom aus den Kohlekraftwerken nicht auskommen. "Als Konsequenz müsste dann mehr Strom aus dem Ausland gekauft werden, das kann doch auch nicht die Lösung sein", resümiert der Realschüler.

Ebenfalls ein Störfaktor in seinen Augen: Streiken während der Schulzeit. Die Proteste am Freitag zielen darauf ab, mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. "Doch ich finde, die Schüler würden genauso viel mediales Echo bekommen, wenn sie während ihrer Freizeit demonstrieren würden", sagt der Hofer. Erst dann könnten sie beweisen, wie wichtig ihnen das Thema wirklich ist: "Wer auch an einem Samstag oder in den Ferien streiken geht, dem kann nicht mehr vorgeworfen werden, es gehe ihm nur ums Schuleschwänzen."

Insgesamt fehlt dem 15-Jährigen der lokale Bezug bei den Protesten: "Man könnte ja klimafreundliche Alternativen gleich vor Ort fordern." Und wie sollen diese aussehen? "Etwa, dass lokale Gastronomen keine Plastikstrohhalme mehr anbieten oder dass Bus-Tickets günstiger werden, damit nicht mehr so viele Leute mit dem Auto fahren", erläutert Erik Glaser. Statt jeden Freitag zu demonstrieren, hätte der 15-Jährige auch einen anderen Vorschlag an die Aktivisten: "Zum Beispiel gemeinsam Müll sammeln gehen oder ein paar Bäume pflanzen."

Seine Kritik an der "Fridays for Future"-Bewegung hat ihm bisher viel Gegenwind gebracht, vor allem im Internet: "Dort wird man sofort angefeindet, wenn man die Proteste kritisch sieht." Der Neuntklässler denkt jedoch, dass viele andere Schüler ebenfalls seine Meinung teilen, sich bisher aber nicht getraut haben, öffentlich dazu zu äußern.

Autor
Alina Juravel

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Veröffentlicht am:
17. 04. 2019
18:22 Uhr

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Alina Juravel

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17. 04. 2019
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