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Trockenheit und Otter bedrohen die Teichwirtschaft

Regenfälle und kühlere Temperaturen haben zuletzt für etwas Entspannung der Situation in den Fischteichen der Region gesorgt.



Seine Wasseranalysen führt Mario Querfeld direkt vor Ort an den Teichen durch.
Seine Wasseranalysen führt Mario Querfeld direkt vor Ort an den Teichen durch.  

Landkreis - Das ist das Ergebnis von Messungen, die der zertifizierte Wasseranalyst und Lehrgangsleiter für die staatliche Fischerprüfung, Mario Querfeld aus Weißdorf, seit der Hitzewelle durchgeführt hat. So sei die Temperatur in den Teichen von viel zu hohen rund 26 Grad Celsius auf knapp 20 Grad gesunken - so wie es für diese Jahreszeit und Wetterlage normal ist. Der Sauerstoffgehalt sei etwas zu niedrig, aber nicht kritisch, pH-Wert und Mineraliengehalt seien relativ normal. Die Wasserstände allerdings lägen deutlich unter dem normalen Wert: "Trotz des Regens fehlt immer noch gut die Hälfte des Wassers in den Teichen", zieht Mario Querfeld Bilanz.

Der Wasserrückgang bedeute für die Fische weniger Platz und damit mehr Stress. "Wenn der Wasserstand fällt, wollen sich die Tiere instinktiv in tiefere Bereiche zurückziehen oder einem Bach in Richtung Unterlauf folgen, was in einem Teich nicht geht", erklärt der Fischerei-Aufseher für Wunsiedel und Helmbrechts. In manchen Bereichen, zum Beispiel bei Regnitzlosau, seien Fische daher auch schon umgesiedelt worden.

Der niedrige Wasserstand begünstige zudem den Fischotter, der inzwischen im Hofer Land flächendeckend vorhanden und für die Teichwirte ohnehin ein großes Problem sei. Allerdings helfe es nicht, einzelne Faktoren zu betrachten, mahnt Mario Querfeld: "Man muss sich alles anschauen, was derzeit nicht passt." Diese Betrachtungsweise hat er von klein auf von seinem Vater Werner Querfeld gelernt, der selbst schon mit der Teichfischerei aufgewachsen ist. Beide sehen vor allem in einem möglichen Klimawandel die große Gefahr für einen weiteren Rückgang der Wildfischbestände. Für die Teichwirte bedeute das, sich langfristig umzuorientieren: "Man muss den Fischbestand den Gegebenheiten anpassen und zum Beispiel von einem Besatz mit der wärmeempfindlichen Bachforelle oder Zander auf den genügsamen Grasfisch oder Hecht umsteigen", rät Werner Querfeld. Damit allein seien die Probleme aber noch nicht gelöst. Wenn in erwärmten und stark sonnenbeschienenen Teichen die Blaualgen überhandnehmen, könne die ganze Wasserchemie aus dem Tritt geraten. Bei einem zu hohen Eisengehalt oder pH-Wert müsse dann auch schon mal eingegriffen werden, zum Beispiel mit Zugabe von Kalk oder Steinmehl. In letzter Konsequenz könnten die Teiche aber trotzdem kippen, sprich: Aufgrund des Fehlens von Sauerstoff gibt es dann keinerlei Leben mehr im Wasser. "In unserer Region ist das schon vorgekommen, vor allem in den Jahren 2014 bis 2016", weiß Mario Querfeld. Denn auch die Frühjahrs- und Herbstzirkulation der Gewässer, die genau wie der Regen Sauerstoff ins Wasser bringe, falle immer geringer aus.

Der Otter komme als ein Faktor hinzu, der für sich allein schon viele Teichwirte zur Aufgabe zwinge: "Wer will schon gerne im Frühjahr 2000 Euro in den Fischbesatz investieren, wenn er weiß, dass zum Herbst der Teich leer gefressen ist", sagt Querfeld. Einziges Mittel gegen den Otter sei es, die Teiche unter hohem Finanzaufwand komplett mit Maschendrahtzaun einzuhegen und den Zaun am besten auch noch mit Maschendraht zu überdachen.

Angesichts all der Probleme denken Werner und Mario Querfeld auch schon mal wehmütig an vergangene Zeiten zurück: "Früher waren die Bachforellen bei uns in Weißdorf so zahlreich, dass man an manchen Stellen nur die Hand ins Fließwasser stecken musste, um welche zu erwischen." Heute führe zum Beispiel die Saale, die bei Weißdorf noch ein Bach ist, rund 15 Zentimeter weniger Wasser, und Forellen suche man fast vergeblich. Dass die beiden nicht resignieren, liegt auch daran, dass die nächste Teichwirte-Generation offenbar die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat: "Ich habe wieder verstärkt Jugendliche in meinen Kursen sitzen", berichtet Mario Querfeld über die langfristige Zukunft der Teichfischerei. Derzeit wünscht er sich vor allem eines: "Es müsste mal wieder wochenlang regnen. Nur dann kann sich auch das Grundwasser erholen."

Lesen Sie dazu auch: 350 Bachforellen für die Pulschnitz >>>

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Manfred Köhler
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Veröffentlicht am:
07. 08. 2019
19:42 Uhr

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Manfred Köhler

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Veröffentlicht am:
07. 08. 2019
19:42 Uhr



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