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Über alle Berge für Pascal

Zu Fuß über die Alpen: Jörg Weikert hat sich im August auf den Weg gemacht. Sein verstorbener Freund Pascal, alias Calli, dessen Traum er damit erfüllte, stand ihm bei.



Auf dem Stuhl am Timmelsjoch hatte Jörg Weikert eine tolle Aussicht auf die umliegende Natur.
Auf dem Stuhl am Timmelsjoch hatte Jörg Weikert eine tolle Aussicht auf die umliegende Natur.  

Schwarzenbach an der Saale - Pascal Schwager aus Selb ist mehr als ein Freund für Jörg Weikert gewesen. Als er ihn 2010 bei einer Geocaching-Veranstaltung in Kulmbach kennenlernte, waren sich die beiden auf Anhieb sympathisch. Gleich im ersten Jahr verbrachten sie einen Urlaub in der Toskana und am Gardasee. "Wir waren sehr viel unterwegs: Auf Malta, in Zell am See, in der Alpenregion zum Bergsteigen, im Winter Skifahren. Ich kann es gar nicht beschreiben, ich mochte den Kerl einfach." Seine blauen Augen beginnen feucht zu werden. Der plötzliche tragische Tod seines Freundes am 12. Mai 2018 bei einem Lauf-Event in Selb nimmt ihn stark mit.

Die Route

Bei seiner Alpen-Überquerung steuerte Jörg Weikert mehrere Etappenziele an: Füssen, Reutte, Lermoos, Imst, Umhausen, Sölden, Hochgurgl, Moos in Passeier, Meran und Bozen. Von dort ging es wieder zurück nach Füssen.


Pascal wurde nur 24 Jahre alt. "Er war wie ein Sohn für mich", sagt der 47-Jährige. Weikert lebt zusammen mit seiner Mutter in einem idyllisch gelegenen Haus vor Schwarzenbach an der Saale in einem Zwei-Generationen-Haushalt. "Die Hektik, der Lärm - Ich bin kein Stadtmensch", erklärt Weikert.

Während des Gesprächs kämpft er oft mit den Tränen. Aber wenn er die Fotos von seiner Tour auf dem Laptop zeigt, sieht man das Funkeln in seinen Augen: Die Berge, die Natur und allem voran die Tatsache, dass er Callis Traum von der Alpenüberquerung wahr werden ließ. "Ohne ihn hätte ich es nicht geschafft. Er hat mir so viel Kraft gegeben."

In zehn Tagen über die Alpen. Dass dabei auch noch ein E-Book entstehen würde, hatte er nicht geplant. Seine Erlebnisse aufzuschreiben - diese Idee kam ihm in den ersten Tagen seiner Reise. Er sprach seine Erfahrungen unterwegs ein, tippte sie in sein Tablet. Nun ist die Geschichte mit dem Titel "Callis Traum" in der Kindle-Edition im Internet erhältlich.

Seine Alpenüberquerung startete Jörg Weikert am 12. August in Füssen - genau drei Monate nach Pascals Tod. Im Gegensatz zu ihm, der eher der spontane Typ war, organisierte Weikert alles im Vorfeld, buchte seine Unterkünfte und auch die Fahrt mit dem Zug zurück nach Füssen. Mit dabei: Pascals schwarz-oranger Rucksack.

Bei seiner Tour legte er täglich bis zu 30 Kilometer und auch mal über 1000 Höhenmeter zurück. Die Nächte verbrachte er in Hotels. Er wanderte auf steilen Pfaden und Steigen, Serpentinen, Forst- und Bundesstraßen, Rad- und Wanderwegen durch "wunderschöne Naturschutzgebiete", vorbei an glasklaren Bächen und Seen. Bis auf ein einziges Mal als ihn ein Gewitter inklusive Platzregen überraschte, war das Wetter, wie er sich es nur wünschen konnte.

In Reutte überquerte er die "Highline179" - eine 406 Meter lange und 114 Meter hohe Hängebrücke, die sich über die Fernpassbundesstraße erstreckt.

Insgesamt bezwang er über 5400 Höhenmeter. Während er lief, sprach er viel mit Pascal. Selbst, wenn er niemanden traf, alleine fühlte er sich nie. "Das war ich auch nicht." Wo es ihm möglich war, zündete er eine Kerze an, hinterließ Bilder von seinem verstorbenen Freund. Um seinen Hals hängt ein goldener Anhänger mit einem gebrochenen Herzen und der geschwungenen Inschrift "Pascal".

Seit seinem Tod ist für Jörg Weikert alles anders. "Seitdem fühle ich keine Angst mehr. Ob ich als Industrie-Kletterer auf Dächer steige, an schmalen Pfaden ungesichert direkt am Abgrund entlang wandere oder nachts alleine unterwegs bin - nichts. Früher war ich ein eher ängstlicher Mensch, hatte Muffensausen, meine Knie haben gezittert. Vielleicht ist es deswegen, weil ich weiß: Wenn mir etwas passiert, dann wartet Pascal auf der anderen Seite auf mich, dann sehen wir uns wieder." Aber auch sonst: "Ohne Angst läuft man sicherer."

Als schönste Gegend empfand er die Region um Hochgurgl. "Egal in welche Richtung ich blickte: Die Aussicht war atemberaubend." Die Bilder liefern den Beweis: Bilderbuchwetter, strahlender Sonnenschein bei knapp 20 Grad, in der Ferne locken schon die nächsten Gipfel, unten die tiefgrünen Täler.

Am nächsten Tag folgte er zunächst einem schmalen Gebirgspfad, bei dem jeder Fehltritt der letzte hätte sein könnte - von diesen Pfaden gab es einige - verpasste dann aber eine Abzweigung und stellte fest, dass dieser Weg im Nichts endete. Also ging es eine Art Geröllhalde bergab und anschließend die Timmelsjochstraße entlang. Nach steilen Serpentinen erreichte er sein Ziel.

"Das war ein unbeschreibliches Gefühl. Ich war gleichzeitig überglücklich und todtraurig. Ich hätte jeden Fußgänger, jeden Radfahrer, der mir begegnete, umarmen können. Seitdem es Pascal nicht mehr gibt, waren diese neun Tage die schönsten." Auf seinem Weg hatte er oft gezweifelt, besonders, als es die letzten Meter der Etappen immer noch einmal steil bergauf ging. Gerade dann habe sein Freund ihm Mut gemacht, ihn unterstützt. "Wir haben es geschafft."

Auf etwa 2500 Metern Höhe überschritt er den Alpenhauptkamm und war schließlich in Südtirol. Beim Grenzstein Österreich-Italien hinterließ er wieder ein Bild von Pascal.

Nach der Überquerung der Alpen hatte Weikert aber noch nicht genug. Anstatt nach Hause zu fahren, stieg er in Jungholz in Tirol noch auf drei Berge, dies hatte er eigentlich zusammen mit seinem Freund für Pfingsten geplant.

Seine Reise will er am 12. Mai 2019 - dem ersten Todestag von Pascal - fortsetzen. Von Bozen aus geht es nach Livorno, etwa 450 Kilometer. "Darauf freue ich mich jetzt schon unheimlich." Im Oktober fliegt er aber erst einmal nach Malta und macht dort zusammen mit einem Kumpel den Tauchschein. Den hat er ihm als Dankeschön für das Korrekturlesen seines Buches geschenkt.

Autor

Corinna Martin
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Veröffentlicht am:
20. 09. 2018
19:56 Uhr

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Corinna Martin

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Veröffentlicht am:
20. 09. 2018
19:56 Uhr



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