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Hof

Unfallfahrer kommt mit Bewährung davon

Ein 27-Jähriger muss sich wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung verantworten. Das Gericht verurteilt ihn zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung.



Hof - Zu einem Unfall mit tödlichem Ausgang kam es im November 2018 auf der B 2 zwischen Gefell und Töpen. Während die betroffene Autofahrerin noch an der Unfallstelle ihren Verletzungen erlag, überlebte ihre 70-jährige Beifahrerin schwer verletzt. Vor dem Schöffengericht Hof musste sich jetzt der Unfallversucher, ein 27-jähriger Tscheche, wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Der Mann wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, verurteilt. Der 27-Jährige erhält zudem ein zweijähriges Fahrverbot in Deutschland. "Damit es auch noch etwas schmerzt", wie der vorsitzende Richter Florian Braun bei der Urteilsverkündung betonte. Der Beschuldigte muss ferner eine Geldauflage von 2500 Euro an die Verkehrswacht Hof zahlen. Damit blieb das Gericht deutlich unter dem geforderten Strafmaß von Staatsanwalt Robert Steiniger, der auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten und eine Geldauflage von 4500 Euro plädiert hatte.

Die Geschichte, dass plötzlich ein Reh am rechten Fahrbahnrand aufgetaucht und es deshalb zum Unfall gekommen sei, glaubte das Gericht dem Angeklagten indes nicht. Gegen diese Darstellung des Unfalls sprachen widersprüchliche Angaben sowie die Aussage einer Zeugin und die Einschätzung des Gutachters. "Es gab keine Schleuderspuren, wie sie bei einem plötzlich auftauchenden Hindernis entstehen", gab Kfz-Sachverständiger, Diplom-Ingenieur Pröhl aus Plauen zu bedenken.

In der Beweisaufnahme vor Gericht ging es vornehmlich darum, wie es zu dem Unfall an besagtem 12. November 2018 gekommen war. Der Angeklagte, der mit seinem Verteidiger Rechtsanwalt Maximillian Sillerkam, gab über die Dolmetscherin an, dass er mit seinem etwas älteren Kollegen um 17.30 Uhr bei Arbeitsschluss in Tanna nach Hause unterwegs gewesen sei. Er habe ihm sein Handy gegeben, und ihn gebeten, seine Freundin anzurufen, um einen Treffpunkt in der Heimat auszumachen. Er habe seinem Kollegen diktiert, was er antworten solle. Der 27-jährige Angeklagte schilderte, dass er plötzlich ein Reh am rechten Fahrbahnrand zwischen Leitplanke und Fahrbahn wahrgenommen habe. "Ich schrie auf: Hier steht ein Tier - und trat voll auf die Bremse." Dabei sei er dann mit seinem Auto auf die Gegenfahrbahn geraten und mit dem entgegenkommenden Golf kollidiert. Das Reh sei dann vermutlich aufs nahe Feld gelaufen. Nach eigenen Angaben war er mit Tempo 80 bis 85 unterwegs. Zu diesem Zeitpunkt stand der Angeklagte weder unter dem Einfluss von Alkohol noch von Drogen.

Als Zeuge gehört wurde auch der Beifahrer, ein 31-jähriger Tscheche. Er bestätigte im Wesentlichen die Schilderungen des Angeklagten. Den eigentlichen Unfall habe er gar nicht mitbekommen, weil er das Handy vorm Gesicht hatte. Sein Kollege habe ihn aus dem demolierten Audi gezogen, das Gepäck herausgenommen und sei dann zum am Unfall beteiligten Golf gegangen. Nach ihrer ambulanten Behandlung im Krankenhaus Naila seien sie dort getrennt voneinander vernommen worden.

Das Gericht hegte Zweifel an der Darstellung bezüglich des Rehs. Staatsanwalt Steiniger wies auf diesbezügliche Widersprüche des Angeklagten bei der polizeilichen Vernehmung und der jetzigen Aussage hin: "Mal stand das Reh, mal ging es in Fahrtrichtung." Die Aussage eines Jagdpächters für diesen Bereich untermauerten seine Vermutung, dass wahrscheinlich gar kein Reh da gewesen sei. Der Angeklagte schränkte ein, dass er, was das Stehen oder Laufen betraf, hier eine Vermutung geäußert habe. Der Jagdpächter, der das Revier nahe der Unfallstelle seit 16 Jahren betreut, sagte aus, dass es in diesem Bereich noch nie einen Wildunfall mit einem Reh gegeben habe. Das Reh sei ein Fluchttier. Es laufe nicht zu einer stark befahrenen Straße, indem es über eine Leitplanke von einer Böschung aus springen muss. Auch eine Zeugin, die auf besagter Strecke mit ihrem Auto häufig unterwegs sei, sagte aus, hier noch keinen Wildunfall mitbekommen zu haben. Sie war es auch, die den Rettungsdienst verständigte.

Für Staatsanwalt Robert Steiniger war am Ende klar, dass der Angeklagte selbst mit dem Handy mit seiner Freundin kommuniziert habe. "Sie hatten ausreichend Gelegenheit, sich mit ihrem Landsmann darüber abzusprechen", sagte Steiniger. Verteidiger Siller glaubte indes dem Beifahrer. Wild wie Rehe gebe es auch in diesem Revier. Sein Mandant sei bisher unbescholten geblieben bis auf zwei Verkehrsdelikte wegen zu schnellen Fahrens. Und er sei sozial eingebunden. Das sah auch der Vorsitzende Richter so. Das Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung seines Mitfahrers wurde eingestellt.

Autor

Lothar Weller
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Veröffentlicht am:
21. 07. 2019
18:20 Uhr

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Lothar Weller

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Veröffentlicht am:
21. 07. 2019
18:20 Uhr



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