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Hof

Unser Scharnier soll schöner werden

An diesem Donnerstag stehen Ideen fürs Obere Tor auf dem Prüfstand: Acht Architekturbüros haben sich Verbesserungs- und Verschönerungsvorschläge fürs Scharnier zwischen Altstadt und Ludwigstraße ausgedacht – heute wählt eine Jury die drei besten aus. Bevor sie der Öffentlichkeit präsentiert werden und der Stadtrat eine Entscheidung trifft, sprechen die Beteiligten selbst – die Gewerbetreibenden.



### Titel ###
 

1. Der Wärschtlamo

„Eine reine Verschönerung reicht nicht“, sagt Marcus Traub: „Man braucht deshalb immer noch einen Grund, aus dem man zu einem Ort geht.“ Der Wärschtlamo steht inmitten des Bereichs, der nun umgestaltet werden soll – tagtäglich sieht er die Laufwege der Passanten, beurteilt die Frequenz, bemerkt das Einkaufsverhalten. Weniger Menschen als früher kämen gar nicht vorbei an seinem Stand, nur wählen sie andere Richtungen: „Frequenz spielt sich dort ab, wo der Autoverkehr ist; dass man die Karolinenstraße früher zur Fußgängerzone gemacht hat, schadet ihr heute noch.“ Einer Umgestaltung des Oberen Tors steht der Hofer recht leidenschaftslos gegenüber: „Was es wirklich bräuchte, wären mehr Läden oder Gastronomie mit Magnetwirkung, wie sie Unikum oder La Differenza haben, in der Ludwigstraße.“ Da sei auch der Stadtrat gefordert, zu überlegen, welches Handwerkszeug man einsetze – und welches man über Bord wirft.

 

2. Die Gastgeberin

Martina Frank feiert in diesen Tagen das 20-jährige Bestehen ihres Jean-Paul-Cafés. Sie freut sich, damit zu einer festen Größe in der Innenstadt geworden zu sein und viele Stammkunden zu haben: „Manche Familien kommen in der vierten Generation zu uns.“ Da werbe sie immer auch dafür, dass die Hofer ihre Stadt nicht schlechter sehen sollten, als sie ist: „Hof ist attraktiv, auch im Vergleich zu anderen Städten.“ Das merke man oft am besten, wenn man länger weg war, sagt Martina Frank. Die gebürtige Hoferin selbst hatte berufliche Stationen unter anderem an Tegern- und Schliersee oder in Stuttgart, bevor es sie wieder in die Saalestadt zog. Hier beobachte sie aber auch: „Jedes Jahr sind wieder etwas weniger Menschen unterwegs.“ Und das, obwohl sich Gastronomen und Gewerbetreibende alle Mühe gäben, obwohl es gute Events gebe und das Angebot noch passe. Alles, was zur Verschönerung oder zu einer Verbesserung der Wahrnehmung beitragen kann, begrüße sie ausdrücklich, betont sie. Und fügt an: „Man darf den Leuten aber schon nahebringen, dass es auch ein gewisses Konsumverhalten braucht, wenn man weiterhin Läden in der Innenstadt haben möchte.“

Der Wettbewerb

30 000 Euro hat die Stadt ausgelobt, um die besten Ideen fürs Obere Tor zu sammeln. Am heutigen Donnerstag entscheidet sich, welche Architekturbüros die Preisgelder – aufgeteilt auf 15 000, 10 000 und 5000 Euro – erhalten: Eine Jury bestehend aus Vertretern von Stadtverwaltung, Hofer Handel und unabhängigen Experten bewertet die vorliegenden Vorschläge. Wie berichtet, hatte die Stadt im Herbst einen Wettbewerb gestartet: Acht Architekturbüros haben sich seither das Gelände angesehen und sich ihre Gedanken gemacht. Ziel, laut Wettbewerbsbeschreibung: „eine den vielen bestehenden Funktionen und Erwartungen gerecht werdende Umgestaltung“. Die Teilnehmer waren aufgefordert, eine „maßgeschneiderte gestalterische und funktionale Aufwertung des öffentlichen Raumes“ zu planen, die auch als Vorbild für weitere Arbeiten dienen soll – schrittweise wolle die Stadt in den kommenden Jahren die gesamte zentrale Innenstadt-Achse Bismarckstraße-Altstadt-Ludwigstraße angehen. Die 3300 Quadratmeter Fläche, um die es nun geht, sollen hier Maßstäbe setzen.

Was nun passiert: Heute wählt besagte Jury aus den acht vorliegenden Vorschlägen die drei aus ihrer Sicht besten aus. Nach einer entsprechenden Aufbereitung durch die Architekturbüros werden die Vorschläge vom 21. Februar an in Form einer Ausstellung im Bürgerzentrum zu sehen sein. Am 25. März entscheidet der Stadtrat, welcher davon angegangen werden soll. Der Zeitplan bisher: Planung 2019, Umsetzung 2020.

 

3. Bis zum Kugelbrunnen

Soll der Kugelbrunnen an den Oberen Torplatz verlegt werden? Mit jener Frage provozierte die Verwaltung vor knapp einem Jahr einen Aufschrei nicht nur unter den Innenstadt-Händlern. Die Idee war schnell vom Tisch, was die Verantwortlichen damit bewirkten, hält aber nach – im besten Sinn: Es soll keine Denkverbote geben, jeder Vorschlag ist erlaubt. Zumindest, bis er auf Umsetzbarkeit und Nutzen geprüft ist. So sorgt jüngst ein Vorschlag der Händler für Gesprächsstoff: Sie fordern, die Ludwigstraße zum „Shared Space“ zu machen – mit einheitlichem Bodenbelag ohne Trennung in Gehwege und Straße, mit Parkbuchten quer zur Fahrtrichtung und mit Verkehrsberuhigung. Jenes Modell wäre ein Mittelweg zwischen dem heutigen Zustand und einer Fußgängerzone. Ergebnis wäre eine höhere Aufenthaltsqualität.

 

4. Leer hoch drei?

Finck: Der Name ist zum Synonym für hässlichen Leerstand im Herzen der Stadt geworden. Seit drei Jahren schauen Passanten nun auf den Leerstand, auf Frankenpost-Anfrage beim Eigentümer heißt es nur: „Kein Kommentar.“ Ein paar Schritte weiter in Richtung Altstadt ist ein Gegenbeispiel zu sehen: Etwa zeitgleich zum Finck-Aus strich schräg gegenüber auch Water Colors die Segel – das Unternehmen war in die Insolvenz geraten, schloss eine von zwei Hofer Filialen. Ein gutes Jahr standen die Verkaufsräume leer, dann begann die Telekom, sie umzubauen: um, wie berichtet, ihre bestehende Filiale zu erweitern. Einen Leerstand gibt es noch in der Nachbarschaft: den des früheren Jack-Wolfskin-Ladens gleich nebenan.

 

5. Der Alteingesessene

„Die Kundenfrequenz in der Straße hat sich in den vergangenen ein, zwei Jahren dramatisch verschlechtert“, sagt Klaus Neumeister. Der 74-Jährige hat den Vergleich: 1934 hat sein Vater jenen Lederwaren-Laden eröffnet, den Neumeister vor mehr als 50 Jahren um eine Reitsport-Abteilung erweitert hat und den er heute zusammen mit seinen Töchtern führt. Er sagt: „Ohne ein attraktives Sortiment kann man heute als Händler nicht überleben.“ Von einst sechs Hofer Lederwaren-Händlern seien heute noch zwei übrig, in Sachen Reitsport hat selbst die Konkurrenz in Bayreuth oder Kulmbach schon aufgeben müssen. Das bringe viele Kunden aus der ganzen Region ganz gezielt zu ihm ins Haus, freut er sich. Nur: „Das reicht nicht, um die fehlende Frequenz zu kompensieren.“ Die Sortimentsvielfalt der Stadt insgesamt sei mit der Schließung vieler inhabergeführter Läden geschrumpft. „Es fehlen Fachhandels-Strukturen.“ Daran ändere beispielsweise auch eine Hof-Galerie nichts: Wegen der Filialisten werde die Einkaufsstadt nicht attraktiver. Was es laut Neumeister bräuchte: „ein aktives Leerstandsmanagement, einen Kümmerer, der gezielt Geschäftstreibende anspricht und der den Branchenmix wieder in Ordnung bringt.“ Und wie wird das Obere Tor schöner? „Wir brauchen mehr Licht.“

Autor
Christoph Plass

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Veröffentlicht am:
13. 02. 2019
20:20 Uhr

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Christoph Plass

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13. 02. 2019
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