Lade Login-Box.
Topthemen: BlitzerwarnerHofer Volksfest 2019Video: Lagerleben Collis Clamat

Hof

Vogelgrippe geht alle an

Landwirte, Züchter, Hunde- und Katzenhalter, Spaziergänger: Der Virus ist bei Überträgern nicht wählerisch. Wie er sich verhalten wird, wissen auch die Behörden nicht.



Steht nicht drauf, ist aber wichtig: Wo Schilder wie dieses in Hof vor der Vogelgrippe, auch Geflügelpest genannt, warnen, müssen Hunde an die Leine. Foto: Marcus Schädlich
Steht nicht drauf, ist aber wichtig: Wo Schilder wie dieses in Hof vor der Vogelgrippe, auch Geflügelpest genannt, warnen, müssen Hunde an die Leine. Foto: Marcus Schädlich  

Hof - Wenn Dr. Gunther Illgen von einem dynamischen Prozess spricht, ist das ganz schlecht. "Überall in Bayern haben wir neue positive Befunde der Vogelgrippe", sagt der Chef des Veterinäramtes am Landratsamt Hof. Wie es weitergeht? Er weiß es nicht. Der Prozess ist dynamisch, der Zufall bestimmt das Handeln. Nachdem der Ausbruch der Vogelgrippe nach einem positiven Befund auf den H5 N8-Virus bei einer toten Reiherente offiziell ist (wir berichteten), haben Illgens Team und die Kollegen der Stadt Hof reagiert: Stallpflicht, Ausstellungsverbot, Marktverbot, Leinenpflicht für Hunde. Die Bürger sind verunsichert.

Das Gesetz sieht vor, bei Verstößen gegen die Anordnungen Geldstrafen von bis zu 30 000 Euro zu verhängen. Für Illgen ist das zwar korrekt, aber nicht der Punkt. "Wir müssen das Geflügel in den Ställen schützen. Darum geht es", betont er. Der Veterinär weiß, dass die Behörden es derzeit keinem leicht machen. Er will aber ein Ziel erreichen: "Wenn wir es schaffen, den Virus von den betrieblichen Ställen mit ihren vielen Tieren fernzuhalten, das wäre toll." In den Niederlanden mussten erst dieser Tage 190 000 Enten wegen der grassierenden Vogelgrippe getötet werden. Obwohl es in der Region noch keine großen Zuchtbetriebe gibt, der Schaden wäre trotzdem groß - und die Gefahr der weiteren Verbreitung ebenfalls.

Noch fast drei Wochen gelten die Grenzen der Sperrbezirke und der Beobachtungsgebiete. Einen Unterschied der beiden Areale, der für einen Großteil der Bürger relevant wäre, gibt es nicht. Da wie dort gilt zum Beispiel, dass Hunde an die Leine gehören. "Wer seinen Hund frei laufen lässt, muss zunächst mit einer Verwarnung rechnen", sagt Illgen. Gleiches gilt auch in der Stadt Hof, auch das Gebiet am Untreusee ist damit gemeint. Das sei keine Schikane, die Tiere könnten in Kontakt zu virusbelastetem Vogelkot oder Kadaver geraten und die Erreger an Geflügel oder Menschen, die mit Hühnern oder Gänsen zu tun haben, weitergeben. "Und Hunde riechen tote Tiere sehr leicht", sagt dazu der Tierarzt vom Landratsamt. Auch Katzen sollte man, soweit es geht, nicht nach draußen lassen. Illgen: "Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan. Aber es ist einfach wichtig."

Derzeit klingelt im Veterinäramt häufig das Telefon, weil Bürger melden, dass sie Enten, Hühner oder Gänse draußen haben herumlaufen sehen, was ein offensichtlicher Verstoß gegen die Stallpflicht sei. Dann muss die Behörde ausrücken und die Landwirte oder Züchter auffordern, die Tiere in den Stall zu bringen. "Bußgelder haben wir noch keine verhängt", sagt Illgen. Noch habe es sich eben nicht überall herumgesprochen, welche Regeln gelten.

Die drei Tierärzte am Landratsamt haben sich auch mit mehreren Züchtern von Gänsen unterhalten und von deren Problemen gehört. Diese Tiere, die Weihnachten zur Delikatesse werden sollen, bleiben in der Enge eines Stalls nicht immer friedlich, zumal wenn sie geschlechtsreif sind. Die Lösung in diesen Fällen war oft, dass die Züchter für mehr Platz im Stall gesorgt haben, indem sie einen Teil des Bestands schon jetzt statt unmittelbar vor Weihnachten geschlachtet haben. Frische Gänse werden daher zum Fest seltener, ein Teil des Fleisches wurde schon jetzt eingefroren.

Für die Züchter und die Veterinärämter ist die Frage "Frischfleisch oder nicht?" höchstens zweitrangig. Sie sind gezwungen, das aktuelle Geschehen hinzunehmen und sich gegen das zu wappnen, was droht. Die Vogelgrippe könnte ähnlich wie die Grippe, die den Menschen ins Bett zwingt, zu einem ungebetenen alljährlichen Gast werden. Die Viren kommen in beiden Fällen aus Asien. "Im Herbst zur Zeit des Vogelflugs wird die Krankheit zu uns transportiert", erklärt Illgen.

Bei der für den Menschen gefährlichen Grippe achten europäische Mediziner alljährlich darauf, welcher Virus sich in Asien verbreitet, um entsprechende Impfstoffe bereithalten zu können. "Geflügel kann man aber nur in extrem seltenen Ausnahmen impfen", sagt Illgen. Aber zumindest zeige sich so, welches Geschehen Deutschland droht. "Ob die Vogelgrippe nun auch jedes Jahr kommt, kann niemand sagen. Das wäre nur Spekulation. Aber möglich wäre es."

Ob die Vogelgrippe jedes Jahr kommt, kann niemand

sagen. Das wäre nur

Spekulation. Aber möglich

wäre es.


zitat

Dr. Gunther Illgen,

Veterinärdirektor Landratsamt Hof

 
Gut zu wissen

Seit 29. November gelten die Bestimmungen für die Sperrzone und das Beobachtungsgebiet für 21 Tage. Sollte es einen weiteren positiven Befund geben, dauern sie ab diesem Zeitpunkt für erneut 21. Tage an.

 

So lange sollten die Bürger auf Folgendes achten:

Hunde dürfen nicht frei laufen, auch Katzen sollten nicht aus dem Haus gelassen werden.

An Gewässern sollte man keine Enten, Schwäne oder ähnliche Tiere füttern. Dies zieht Wildvögel an, die den Vogelgrippen-Virus in sich tragen könnten.

Wer Geflügel, gleich welcher Anzahl, hält, muss es dem zuständigen Veterinäramt melden, sofern er es noch nicht getan hat.

Geflügelställe dürfen nur noch Personen, die zum Betrieb gehören, Tierärzte oder Mitarbeiter der Veterinärbehörden betreten.

Wer einen toten Vogel findet, soll ihn unter keinen Umständen berühren, sondern die Behörden verständigen:

Stadt Hof: 09281/815-1192

Landkreis Hof: 09281/57-215

Karten und weitere Infos sind im Netz zu finden unter:

-----

www.landkreis-hof.de

www.stadt-hof.de

Autor

Von Harald Werder
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
30. 11. 2016
00:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bürger Geflügel Impfstoffe Katzen Landwirte und Bauern Tierärztinnen und Tierärzte Vogelgrippe Weihnachten Öffentliche Behörden
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Wie viele Küken sind auf diesem Bild zu sehen: 500? 700? 1900? Die Antwort: Es sind knapp 4800. Im ersten von zwei Mast-Ställen verbringen die Tiere die ersten viereinhalb Wochen ihres Lebens. Wolfgang Kaiser lädt Interessierte gern ein, sich das anzusehen - oft genug fragen Autofahrer ohnehin danach.

17.06.2019

Herr über einen großen Kreislauf

Der 25-jährige Wolfgang Kaiser zieht in Wurlitz Bio-Masthähnchen groß. Damit hat er sich in einer guten Nische positioniert. Nur die Stromtrasse macht ihm Sorgen. » mehr

Ein Schild "Geflügelpest-Sperrbezirk"

31.01.2017

Hof: Toter Schwan hatte Vogelgrippe

Die Geflügelpest ist in der Stadt Hof ausgebrochen. Infiziert war ein Schwan, der tot auf der Saale gefunden worden war. Das gesamtes Stadtgebiet wird wieder für mindestens 21 Tage Sperrbezirk. Das Geflügel muss in Sta... » mehr

Virus bedroht Hühner und Gänse

25.11.2016

Virus bedroht Hühner und Gänse

Dass die Vogelgrippe in der Region angekommen ist, hält das Landratsamt für sehr wahrscheinlich. Züchter und Landwirte müssen mit drastischen Maßnahmen rechnen. » mehr

Die Stallpflicht scheint zu wirken: Seit ihrer Verhängung im Landkreis Hof gab es keinen Befund auf Vogelgrippe mehr - was aber auch dem Zufall geschuldet sein kann.

06.12.2016

In Habachtstellung

Dass kein weiterer Fall von Vogelgrippe bekannt wurde, ist eine gute Nachricht. Ruhig sind Behörden, Züchter und Händler noch lange nicht. » mehr

Die Stallpflicht scheint zu wirken: Seit ihrer Verhängung ist im Landkreis Hof gab es keinen Befund auf Vogelgrippe mehr - was aber auch dem Zufall geschuldet sein kann.

06.12.2016

Vogelgrippe bleibt eine Bedrohung

Dass kein weiterer Fall einer H5N8-Infektion bekannt wurde, ist eine gute Nachricht. Ruhig sind Behörden, Züchter und Händler noch lange nicht. » mehr

Selten ist es rund um die Wertstoffcontainer in der Alsenberger Straße ordentlich: Sie sind oft zugemüllt. Seit dem Herbst des vergangenen Jahres kontrolliert auch der neue kommunale Ordnungsdienst regelmäßig die Wertstoffinseln in der Stadt. Erste Konsequenz aus den Beobachtungen der Mitarbeiter: Der Sammelplatz in der Alsenberger Straße und zwei weitere Containerstandorte sollen videoüberwacht werden. Foto: Uwe von Dorn

02.07.2019

Müllsündern auf der Spur

Der neue kommunale Ordnungsdienst in Hof verteilt nicht nur Knöllchen an Falschparker. Seine wichtigste Aufgabe: Präsenz zeigen für ein besseres Sicherheitsgefühl. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Bauarbeiten an der Radarstation der Bundeswehr am Döbraberg

Bauarbeiten an der Radarstation der Bundeswehr am Döbraberg | 20.08.2019 Döbraberg
» 11 Bilder ansehen

SonneMondSterne Saalfeld

SonneMondSterne-Festival | 10.08.2019 Saalburg
» 122 Bilder ansehen

SpVgg Bayern Hof - Viktoria Kahl 2:0

SpVgg Bayern Hof - Viktoria Kahl 2:0 | 17.08.2019 Hof
» 120 Bilder ansehen

Autor

Von Harald Werder

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
30. 11. 2016
00:00 Uhr



^