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Von der Flussperlmuschel zum E-Auto

In Sachen erneuerbare Energien ist der Landkreis Hof gut aufgestellt. Doch hat der Bund Naturschutz auch im neuen Jahr viel zu tun. Er will Weichen stellen.



Von der Flussperlmuschel zum E-Auto
Von der Flussperlmuschel zum E-Auto  

Ahornberg - Das Thema E-Mobilität, ausgelöst durch den Diesel-Skandal, hat Schwung gebracht in die Diskussion um erneuerbare Energien. Es geht nicht nur darum, beim nächsten Autokauf eventuell auf ein Fahrzeug mit Elektroantrieb zu setzen. Es geht auch darum, wie und womit Energie erzeugt wird, ohne die Umwelt stärker zu belasten. "Der Bund Naturschutz hat immer Wert darauf gelegt, dass es mit dem Klimaschutz im Landkreis Hof voran geht", betont Ulrich Scharfenberg, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe, beim Neujahrsempfang in der Gaststätte Gebhardt in Ahornberg. Diesen Weg werde man weiter verfolgen.

Auf verschiedenen Gebieten wird die Kreisgruppe an allen möglichen Schrauben drehen für den Umweltschutz. Das grenzüberschreitende Projekt Flussperlmuschel-Aufzuchtstation mit einem Finanzvolumen von 1,6 Millionen Euro hat die Kreisgruppe 2018 nach Worten Scharfenbergs an die Belastungsgrenzen gebracht. Geschäftsführer Wolfgang Degelmann hat Kauf und Umbau der Huschermühle begleitet und leitet den Zuchtbetrieb mit zwei Mitarbeitern unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Ondrej Spisar. So will man Zeit gewinnen und hofft, dass die Muschel ihre Bestände irgendwann selbst erhalten und vergrößern kann. Kernstück der BN-Arbeit wird 2019 außerdem die Biotoppflege sein - 100 Hektar Fläche sind zu betreuen.

Ulrich Scharfenberg richtet das Augenmerk auf die EU-Agrarreform, die in diesem Jahr ansteht. "Die Bundesregierung entscheidet maßgeblich mit, welche Landwirtschaft die EU Jahr für Jahr mit 60 Milliarden Euro unterstützt." Der Umbau zu einer bäuerlichen und ökologischeren Landwirtschaft könne nicht mehr warten. Dafür werde man am Samstag in Berlin demonstrieren.

Im Hofer Kreistag ist der Antrag "Blütenreich und ohne Gift" eingereicht worden, der zum Ziel hat, im Landkreis Hof auf öffentlichen Flächen auf Pestizide zu verzichten. Der Landkreis könne damit Vorbild sein für die Kommunen und Bürger. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Wirkung gezeigt haben laut Scharfenberg die eingebrachten Anträge zum Klimaschutzkonzept, zum Klimaschutzmanagement und in Sachen Energieagentur. "Wir erstellen ein Elektromobilitäts- und Radwegekonzept, Ladestationen können gefördert werden, elf Kommunen bekommen ein gefördertes E-Fahrzeug und anderes mehr."

Der Vorsitzende erinnert weiter an das Scheckenfalter-Projekt, an das Urban Gardening, das auf einem anderen Grundstück neu starten wird, und an die Transition-Town-Bewegung, die der BN unterstützt. Nach wie vor ist die BN-Kreisgruppe gegen eine Brücke über das Höllental. Den BN-Umweltpreis erhielten 2018 die Foodsharing-Initiative Hof und die Hofer Tafel.

Besonderes Augenmerk gilt an diesem Abend den energetischen Potenzialen im Landkreis Hof. Der Landkreis Hof stehe gut da, was die erneuerbaren Energien betrifft, betont Scharfenberg. Beim Strom erreiche man 95 Prozent Abdeckung und belege damit einen Spitzenplatz in Bayern. 65 Prozent der erneuerbaren Energien kämen aus Windanlagen, 15 aus Photovoltaik-, zwölf aus Biogas- und zwei aus Wasserkraft-Anlagen. In Sachen Wärmeerzeugung liege man allerdings unter zehn Prozent, bei der Mobilität unter einem Prozent. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf.

Dass sich vieles ändern wird in den kommenden Jahren, davon ist auch Dominik Böhlein, Geschäftsführer der Energievision Franken mit Sitz in Weißdorf überzeugt. Böhlein, der seine berufliche Laufbahn 2002 als Zivildienstleistender beim Bund Naturschutz in Hof startete, geht in seinem Fachvortrag ein auf die Konzepte für Klimaschutz und Elektromobilität, die seine Firma für den Landkreis Hof entwickelt hat. Mit Tabellen zeigt er den Energieverbrauch im Landkreis und die damit verbundenen Immissionen auf.

"Die E-Mobilität wird immer marktfähiger", betont Böhlein. Sinn mache das Ganze, wenn Strom aus erneuerbaren Energien verwendet wird. Es müssten die Voraussetzungen geschaffen werden für eine smarte Energieversorgung und einen flächendeckenden Netzausbau. Vieles sei in Entwicklung - neue Akkus, Solaranlagen, die zur Aufladung genutzt werden, Wasserstoff, der statt der Akkus irgendwann einmal Energie spendet. "Autofahrer werden umdenken müssen."

Was die Windenergie im Landkreis betrifft, habe eine Umfrage gezeigt, dass ein Großteil der Bürger positiv dazu stehe. "Wir haben hier noch ein großes Potenzial", betont Böhlein. Mit modernen Anlagen sei eine Stromerzeugung von 264 Prozent des Bedarfs im Landkreis möglich. Das könnte auch zur Wärmegewinnung genutzt werden.

In der Diskussion geht es schließlich um die Kosten der E-Mobilität, um die Akzeptanz von erneuerbaren Energien, die Rentabilität der Anlagen, um Stromtrassen und anderes mehr. Noch werde die Leistung, die die Region in Sachen erneuerbare Energien für die Gesamtbevölkerung erbringt, zu wenig gewürdigt, meint Peter Herold. Die E-Mobilität werde ein Fünftel Mehrbedarf an Strom im privaten Bereich mit sich bringen, schätzt Böhlein die Lage ein. Das E-Auto komme billiger als Benziner oder Dieselfahrzeuge. Landtagsabgeordneter Klaus Adelt wünscht sich, dass über die erneuerbaren Energien wieder mehr diskutiert wird. "Energie sparen ist derzeit nicht chic", bedauert er. Er selbst stehe hinter der Nutzung von Windkraft, auch wenn es manchmal schmerze. "Die Bürger müssen sagen, was sie wollen!"

Autor

Lisbeth Kaupenjohann
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
12. 01. 2019
00:00 Uhr

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Lisbeth Kaupenjohann

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Veröffentlicht am:
12. 01. 2019
00:00 Uhr



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