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Wallerfang erhitzt die Gemüter

Der Fang eines Riesenwallers aus dem Untreusee löst heftige Reaktionen aus. Der Vorwurf der Tierquälerei steht im Raum. Experten verteidigen den Angler.



Wallerfang erhitzt die Gemüter Ein attraktiver Fisch ist der Waller wahrlich nicht. Aber er ist optimal an seine Umgebung angepasst.
Ein attraktiver Fisch ist der Waller wahrlich nicht. Aber er ist optimal an seine Umgebung angepasst.   Foto: voren1/Adobe Stock

Hof - Ein junger Angler sorgt seit vergangener Woche für Wirbel in Hof: Hobby-Angler Maximilian Fischer hatte am vergangenen Mittwoch nach vierzigminütigem Kampf einen 1,82-Meter-Waller aus dem Untreusee gezogen. Reaktionen kamen prompt auf Facebook: Von "Glückwunsch zum Tiere töten" über "Tierquälerei, 40 Minuten ein Tier rumzuzerren, um damit anzugeben" bis hin zum virtuellen Schulterklopfen wie "Saubere Leistung" gehen die Meinungen weit auseinander.

Michael Bursian, der Vorsitzende des Fischereivereins Obere Saale, weist den Vorwurf der Tierquälerei zurück: "Das ist falsch verstandene Tierliebe. Unsere Mitglieder sorgen durch die Entnahme der Welse dafür, dass das biologische Gleichgewicht im Untreusee erhalten bleibt." Mehr noch: Nach der Bezirksfischereiverordnung hätte der Verein Maximilian Fischer melden und sogar eine Strafe verhängen müssen, hätte er den Waller zurück ins Wasser gesetzt. "Nach der Verordnung ist es rechtswidrig, einen Waller, selbst wenn er klein ist, wieder freizulassen", erklärt Bursian. Denn: Aktuell seien die Tiere keine Bedrohung für Flora und Fauna des Untreusees - wohl aber, wenn sie überhand nehmen würden.

Zudem dürften die Fischer dem Gesetz nach nur mit der Angel fischen - "und das dauert halt seine Zeit." Mit einem Netz würden nur andere Fischarten leiden, die dann mitgefangen und dadurch verletzt werden würden. Im Fall des vergangene Woche gefangenen Riesenwallers sei alles ordnungsgemäß abgelaufen: "Die Jagd ist streng reguliert, der Angler hat einen gültigen Fischereischein, und es ist ihm kein Fehler unterlaufen", betont Bursian.

Für Pacht und Fischbesatz des Untreusees investiere der Fischereiverein Obere Saale jährlich fünfstellige Eurosummen. "Nutznießer ist im Endeffekt seit 40 Jahren der Badegast", sagt Michael Bursian. Denn die Zusammensetzung des Pflanzen- und des Tierbestands habe biologisch großen Einfluss auf die Wasserqualität. Während andere Seen aufgrund des biologischen Ungleichgewichts beispielsweise mit Blaualgen verseucht seien, sei der Untreusee weiter sauber. "Mehr Gedanken würde ich mir über die Kanadagänse machen. Durch sie gelangen Krankheitserreger ins Wasser, beispielsweise Zerkarien wie am Auensee in Joditz." Für das Federvieh hingegen hat er eine weniger blutige Methode auf Lager, als die, die die Hofer CSU vorschlägt: "Die Gänse brüten nur auf Inseln, weil sie dort sicher vor Räubern wie Mardern oder Füchsen sind. Man müsste einfach nur die Eier durch Kalkeier ersetzen, dann legen die Gänse auch keine nach." Bei Pachtverhandlungen mit der Stadt habe man bereits Vorschläge unterbreitet, wie man die Qualität des Wassers nachhaltig absichern kann - das sei aber längst wieder in Vergessenheit geraten.

Dr. Thomas Speierl von der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberfranken kann die Aufregung um den gefangenen Waller nicht verstehen. Mit einem Grund - in diesem Fall Nahrungserwerb - und mit einer weidmännischen Methode - in dem Fall Angeln - sehe er in der Wallerjagd kein Problem. "Das sind typische Städterreaktionen. Aber dann gleich in den Supermarkt gehen und Schweinerippchen für 99 Cent holen." Ähnlich zynisch ist Michael Bursian: "Die Leute, die hier als Tierschützer auftreten, essen am Wochenende ihre Steaks und glauben, die Rinder haben sich totgelacht."

Speierl kennt sich aus mit der Biologie des Wallers. Der riesige Fisch sei weder für den Menschen noch für Flora und Fauna gefährlich - er gehöre zum normalen Artenspektrum. "Seine Hauptnahrung ist Fisch. Aber auch Warmblüter wie Mäuse oder Wasservögel verschmäht er nicht", berichtet Speierl. Am Untreusee sei das bei dem aktuellen Bestand nicht problematisch. An kleineren Gewässern könne man jedoch beobachten, dass sie von Vogelarten zur Brut vermieden werden, wenn dort zu viele Waller lebten.

Thomas Speierl kann die Abscheu vieler Menschen vor dem Waller nicht nachvollziehen. "Es sind faszinierende Fische. Allein die neuronalen Leistungen, wie er seine Umwelt wahrnimmt, finde ich spannend." Anders als bei den meisten anderen Fischarten kümmerten sich die Wallermännchen um die Brutpflege.

Waller seien allgemein sehr anpassungsfähig. "Ein Waller verträgt Extrembedingungen , kommt beispielsweise mit wenig Sauerstoff aus." Welse kämen bei einem Sauerstoffgehalt von drei Milligramm pro Liter noch gut zurecht, bei Barschen und Forellen sei es das Doppelte, sechs Milligramm. Auch pH-Wert-Schwankungen, wie es sie in Badeseen oft gibt, verkraftet der robuste Fisch gut.

Mehr noch: Durch die Auswirkungen des Klimawandels werden die Tiere größer, da sie in den längeren warmen Phasen gut wachsen. "Darunter leiden aber andere Arten", bedauert Bursian. Ängstliche Badegästen kann er beruhigen: "Waller haben Angst vor Menschen. Eine Berührung ist sehr unwahrscheinlich."

Autor

Laura Schmidt
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Veröffentlicht am:
21. 08. 2018
18:36 Uhr

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21. 08. 2018
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