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Wasser wird teurer, aber nicht teuer genug

Eigentlich müsste Töpen die Abwassergebühr fast verdreifachen. Doch das will der Gemeinderat den Bürgern nicht zumuten.



Wasser wird teurer, aber nicht teuer genug
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Töpen - Ein Wort geistert durch die Gemeinderatssitzungen der Verwaltungsgemeinschaft: Fremdwasser. Wie auch für die anderen Kommunen der Verwaltungsgemeinschaft erarbeitete die unabhängige Gesellschaft für Kommunal- und Wirtschaftsberatung mbH "Comuna" die Abwasser-Gebührenkalkulation für 2019 bis 2022. Für den Zeitraum von 2015 bis heuer ergab sich eine "massive Kostenunterdeckung". Neben allgemeinen Kostensteigerungen seien die umfassenden Kanalsanierungen der Gemeinde und allem voran die Berücksichtigung von Fremdwasser gebührenerhöhende Kostenfaktoren. Bisher habe man den Fremdwasseranteil nicht auf die Bürger umgelegt, da dessen Berücksichtigung strittig war. Nach aktueller Rechtsprechung habe der Rechnungsprüfer des Landratsamts jedoch angemahnt, die Kosten vollständig auf die Gebührenzahler umzulegen, sagte Klaus Grünzner.

Theoretisch müsse man die Einleitungsgebühr bei unveränderter Grundgebühr von derzeit 2,20 Euro auf 6,01 Euro pro Kubikmeter erhöhen, damit man die Kosten decke. "Um den Bürger nicht unverhältnismäßig zu belasten, wird eine stufenweise Anhebung der Einleitungsgebühr für praktikabel erachtet", verlas Bürgermeister Grünzner und gab als Beschlussvorschlag einen Preis von 2,70 Euro je 1000 Liter Abwasser ab dem kommenden Jahr an. Erhebe die Gemeinde keine kostendeckenden Gebühren, drohten Konsequenzen durch die Kommunal- und Rechtsaufsicht. Diese könnten etwa Kredite nicht genehmigen oder eine Unterstützung bei Fördermittelanträgen verweigern.

In Töpen liege der Fremdwassereintrag etwa bei 50 und in Isaar sogar bei mehr als 70 Prozent, führte der Bürgermeister aus. In Isaar liege dies an den Drainagen, die mit in den Kanal eingeleitet würden, in Töpen sei man dabei, die Ursachen zu finden. Durch die Kamera-Befahrung des Kanals vom Fränkischen Umweltdienst habe man in Isaar punktgenau feststellen können, wo das Fremdwasser einfließt. Nun sei man dabei, auch in Töpen das Netz zu überprüfen.

"Die Versäumnisse und Vorgaben aus der Vergangenheit können wir nicht ungeschehen machen", stellte der Bürgermeister klar. Früher habe es einen Anschlusszwang an den Mischwasserkanal gegeben. Nun in bestehenden Wohngebieten eine Trennung von Oberflächen- und Schmutzwasser herzustellen sei nicht machbar.

Durch die Vererdungsanlage der Kläranlage spare man aber jährlich zirka 20 000 Euro ein. Deren Kapazität sollte noch zwei Jahre ausreichen. "Ich hoffe, dass sich das künftig noch weiter positiv auf die Kosten und Gebühren auswirkt", meinte Grünzner. Noch liege man mit der Gebühr, auf den gesamten Landkreis gesehen, im unteren Bereich. Nur sieben Kommunen verlangten weniger, viele lägen bei fünf Euro je Kubikmeter Abwasser.

Grünzner verneinte die Frage von Gemeinderat Gerd Mergner, ob man durch das trockene Jahr 2018 einen Unterschied beim Fremdwasseranteil feststellen könne. Das sei durch die Hanglage um den Ort ohne Auswirkung geblieben. Thorsten Müller sagte dazu: "Über das Fremdwasser diskutieren wir hier schon, seit ich Gemeinderat bin - ohne dass sich bisher etwas getan hat!" Bevor das nicht handwerklich angegangen werde, finde er es falsch, den Bürgern eine Erhöhung zuzumuten. Bürgermeister Grünzner erwiderte, es bleibe der Gemeinde gar keine andere Wahl: "Die Kosten steigen, die Fixkosten sind trotz weniger Wasserverbrauch da und lassen sich auch nicht wegdiskutieren". Hans Herrmann, zweiter Bürgermeister, stimmte zu: "Über eine moderate Kostensteigerung für die Verbraucher werden wir nicht hinwegkommen". Er glaube jedoch nicht, dass die Gemeinde in den nächsten zehn Jahren auf den kalkulierten Preis von sechs Euro komme. Während Michael Schultz die "moderate" Erhöhung auf 2,70 Euro für angemessen hielt, meinte Holger Schultz, eine Erhöhung um 20 Prozent könne man wohl kaum moderat nennen. Grünzner lenkte ein, 2,70 Euro seien vertretbar und auch mit der Verwaltung besprochen und fügte hinzu: "Es ist ein Schritt erforderlich, der zeigt: Wir sind willig zu handeln". Hermann Klug: "Wir erfüllen die gesetzlichen Vorgaben so oder so nicht."

Der Gemeinderat beschloss letztlich die Gebührenerhöhung auf 2,70 Euro pro Kubikmeter Abwasser mit fünf Gegenstimmen bei 13 Stimmberechtigten. Die Zählergrundgebühren bleiben mit 48 Euro jährlich für Zähler bis vier Kubikmeter Durchfluss pro Stunde und 92 Euro für Zähler bis zehn Kubikmeter gleich.

Autor

Isabel Wilfert
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
11. 12. 2018
18:58 Uhr

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