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Hof

"Wertschätzung tut uns gut"

Rückenwind für die Schutzhöhle: Die Förderung einer neuen Fachberatung wirkt sich positiv auf die Arbeit des Vereines aus, sagt Vorsitzende Tamara Luding.



In etwa 25 Prozent der Fälle betrifft sexualisierte Gewalt Jungen und Männer. Eine neue Fachberatung in Hof soll Betroffene unterstützen.
In etwa 25 Prozent der Fälle betrifft sexualisierte Gewalt Jungen und Männer. Eine neue Fachberatung in Hof soll Betroffene unterstützen.   Foto: Adobe Stock/TheVisualsYouNeed

Frau Luding, die Schutzhöhle kann demnächst die "Männerberatung Oberfranken" einrichten. Was bedeutet das für den Verein?

Beförderung

Tamara Luding ist jüngst in den "Nationalen Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen" gewählt worden. Sie war bereits ehrenamtlich für den "Betroffenenrat beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs" der Bundesregierung zuständig.

Der Nationale Rat soll bis Sommer 2021 konkrete Ziele und Schritte erarbeiten, um die Prävention, Intervention und Hilfen für betroffene Kinder und Jugendliche spürbar zu verbessern und die Forschung weiter voranzubringen.

Das ist für uns eine ganz neue Situation. Da wir noch nie öffentliche Gelder bekommen haben, bedeutet diese Förderung für uns eine hohe Wertschätzung unserer Arbeit. Die tut uns unheimlich gut. Mit den 110 000 Euro vom bayerischen Sozialministerium ist jetzt ein Bereich unserer Arbeit sicher für ein Jahr abgedeckt.

 

Worum geht es bei dieser Art Fachberatung?

Sie richtet sich an Männer, die in ihrer Kindheit und Jugend missbraucht wurden. In etwa 25 Prozent der Fälle betrifft sexualisierte Gewalt Jungen und Männer. Und trotzdem gibt es für sie bisher nur wenige Hilfsangebote. Auch die Angehörigen sollen bei diesem Projekt aufgefangen werden. Wir wollen auch mit anderen Stellen kooperieren und damit auch Männer erreichen, die etwa die Folgen des Missbrauchs in der Kindheit mit Sucht kompensieren.

 

Wo ist die nächste Beratungsstelle dieser Art?

In Bayern gab es bisher keine einzige spezialisierte Fachberatungsstelle. An anderen Stellen werden Männer häufig mit beraten. Wir gehen davon aus, dass sich durch die Förderung nicht nur in Oberfranken, sondern in ganz Bayern endlich auch diese Betroffenengruppe zuverlässige Hilfe erfährt. Wir als Schutzhöhle sind froh, dass wir daran mitarbeiten dürfen, bald betroffenen Männern eine solche Anlaufstelle zu bieten.

 

Wie viele Stellen können Sie von den 110 000 Euro schaffen?

Wir werden drei feste Stellen besetzen - mit 20 bzw. mit 30 Wochenstunden. Das werden Sozialpädagogen, Soziologen oder Psychologen sein, die sich als Projektleiter und Berater um die Betroffenen kümmern. Hier sind wir noch auf der Suche nach geeigneten Fachkräften - ob männlich, weiblich oder divers. Außerdem werden wir demnächst eine Verwaltungskraft für 12,5 Stunden in der Woche einstellen. Zwei Honorarkräfte, die aus Nordrhein-Westfalen und Berlin zuarbeiten, werden sich mit uns um die Anschlussfinanzierung kümmern.

Sie werden also doppelt so viele Mitarbeiter sein wie bisher?

Ja, genau. Und die zwei Honorarkräfte dazu. Aktuell sind wir drei. Das bin ich als Vorsitzende, meine Stellvertreterin Sarah Lappat und eine Fachberaterin. Ich bin aber nur montags in der Schutzhöhle, weil ich dienstags bis donnerstags als Referentin bei der Bundeskoordinierung Spezialisierter Fachberatung gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend in Berlin beschäftigt bin. Und freitags mache ich Home-Office in Hof.

 

Wie finanzieren Sie aktuell die Arbeit der Schutzhöhle?

Leider bekommen wir für die Fachberatung für Kinder, Jugendliche und Frauen, die Opfer sexueller Gewalt oder davon bedroht sind, keine Finanzierung von öffentlichen Stellen. Hier sind wir weiterhin auf Spenden und Mitgliedsbeiträge angewiesen. In der Beratung für die Kinder, Jugendlichen und Frauen und in unseren laufenden Präventionsprojekten müssen wir deshalb radikal reduzieren. Wir schicken natürlich niemanden weg, der Hilfe braucht. Aber wenn wir nicht ausreichend Spenden oder andere öffentliche Gelder bekommen, können wir diesen Teil unserer Arbeit einfach nicht leisten. Mit den zwei Honorarkräften allerdings, die im Projektantrag mit bewilligt sind, haben wir künftig mehr Ressourcen. So können wir uns konsequenter dem Thema Finanzierung widmen.

 

Was bedeutet das?

Die zwei Kräfte werden das Thema Finanzierung des Vereins Schutzhöhle noch mal genau anschauen und nach guten Lösungen suchen. Durch die Förderung aus München sind nun mehr Ressourcen und Sicherheit da. Projektanträge und überhaupt das Thema Finanzierung nehmen unheimlich viel Zeit in Anspruch. Der Projektantrag an das Sozialministerium für die "Männerberatung Oberfranken" hat zum Beispiel Ressourcen von drei Kolleginnen für mindestens eineinhalb Monaten gebunden. Und weil wir uns in den Stunden, die wir zur Verfügung haben, vordringlich um die Klienten und ihre Angehörigen kümmern wollen, blieb dafür bisher keine Zeit. Mehrfach haben wir deshalb schon beinahe schließen müssen. Das konnten wir aber jedes Mal noch im letzten Moment abwenden. Das wäre ohne Unterstützer nicht möglich gewesen und dafür sind wir alle auch heute noch sehr dankbar.

 

Was wäre Ihr Wunsch für den Verein?

Dass wir langfristig öffentliche Mittel bekommen - über die Landes- oder die Bezirksregierung, über die Stadt oder den Landkreis Hof. Betroffene Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben ein Recht auf Schutz und sichere Unterstützung.

 

Sie haben diese Stellen bestimmt schon öfters angefragt.

Ja, aber das gestaltete sich schwierig. Man braucht viel Zeit und Ausdauer, um das durchzukämpfen. Zeit und Ressourcen, die wir bisher nicht hatten. Durch das Projekt "Männerberatung Oberfranken" hoffen wir, dass wir nun mehr Beachtung auch an anderen Stellen finden werden.

Das Gespräch führte Julia Ertel

 

 

 

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Veröffentlicht am:
02. 12. 2019
13:47 Uhr

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Veröffentlicht am:
02. 12. 2019
13:47 Uhr



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