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Hof

"Zur Laichzeit ist er wunderschön"

Der Dreistachlige Stichling ist der "Fisch des Jahres 2018". Auch in Hof und Umgebung kann man den außergewöhnlichen Wasserbewohner an vielen Stellen beobachten.



Interview: Michael Bursian (links) und Dr. Martin Mörtl, erster und zweiter Vorsitzender des Fischereivereins Obere Saale in Hof
Interview: Michael Bursian (links) und Dr. Martin Mörtl, erster und zweiter Vorsitzender des Fischereivereins Obere Saale in Hof   » zu den Bildern

Hof/Landkreis - Wer am Saaleufer in Hof bei klarem Wasser auf das Gewimmel unter der Wasseroberfläche schaut, kann aus diesem Blickwinkel kaum erahnen, welch außergewöhnlicher Fisch sich hier unter anderem tummelt: Der Dreistachlige Stichling ist mit Knochenplatten und Stacheln bewehrt, färbt sich zur Laichzeit auffallend bunt, baut Nester und bewacht aggressiv gegen alle Konkurrenten seine Brut. Wegen dieser einzigartigen Lebens- und Verhaltensweisen ist der Stichling vom Deutschen Angelfischerverband, dem Bundesamt für Naturschutz und in Abstimmung mit dem Verband Deutscher Sporttaucher zum "Fisch des Jahres 2018" ernannt worden.

Hintergrund

Der Dreistachlige Stichling gehört laut dem Deutschen Angelfischerverband (DAFV) wegen seines charakteristischen Aussehens und einzigartigen Brutverhaltens zu den bekanntesten heimischen Fischarten.

 

Seine Verbreitung reicht von den küstennahen Gewässern bis in den alpinen Raum. Es wird zwischen einer stationären Süßwasserform und einer wandernden Form unterschieden, die jedes Jahr aus ihren marinen küstennahen Lebensräumen zum Laichen in die Unterläufe der Flüsse zieht.

Der als Schwarmfisch lebende Stichling ändert sein Verhalten zur Laichzeit grundlegend. Die Männchen suchen dann im ufernahen Flachwasser Brutreviere und verteidigen sie vehement gegen Artgenossen. Auch das Erscheinungsbild ändert sich: Die Brust färbt sich rot, der Rücken blaugrün, und die Augen funkeln silberblau. Mit diesem "Hochzeitskleid" signalisieren sie den Weibchen ihre Fruchtbarkeit.

 

Innerhalb kurzer Zeit baut das Stichling-Männchen aus Pflanzen und Algenmaterial ein Nest auf dem Gewässerboden. Nähert sich nach vollendetem Nestbau ein laichbereites Weibchen, führt das Männchen den sogenannten Zickzacktanz auf. So lockt es das Weibchen ins Nest, wo es zur Eiablage kommt. Danach folgt das Männchen und befruchtet die Eier.

Anschließend verlässt das Weibchen das Revier, und das Männchen übernimmt die Brutpflege. Mehrere Wochen lang beschützt es die Jungfische, bis mit zunehmender Größe der Pflegetrieb erlischt und sich auch die auffällige Körperfärbung verliert.

 

Das Balzverhalten des Männchens mit den nachfolgenden Instinktbewegungen von Männchen und Weibchen haben den Stichling zu einem einzigartigen Untersuchungsobjekt für die Verhaltensbiologie gemacht, teilt der DAFV mit.

 

Die Reiz-Reaktions-Kette des Laichverhaltens von Männchen und Weibchen hat als Beispiel für ein komplexes angeborenes Verhalten Eingang in Lehrbücher gefunden. Das Nahrungsspektrum des Stichlings erstreckt sich von Kleinkrebsen und Würmern über Insektenlarven bis hin zur Brut anderer Fische.

 

Welche persönlichen Erfahrungen verbinden Sie mit dem Stichling?

 

Michael Bursian: Ich bin in der Fabrikzeile und damit direkt an der Saale aufgewachsen. Der Stichling ist mir hier allerdings erst in den 1990er-Jahren erstmals aufgefallen. Inzwischen tummelt er sich zum Beispiel unter der Michaelisbrücke oder in den Uferbereichen der Saale, die für die Landesgartenschau renaturiert wurden. Seit etwa fünf Jahren scheint mir sein Vorkommen wieder rückläufig, aber das gehört zu einem normalen periodischen Auf und Ab.

 

Wo überall kommt der Fisch des Jahres noch bei uns vor?

Dr. Martin Mörtl: Man kann ihn an allen ruhigeren Bereichen der Saale finden, obwohl er übrigens kein typischer Fisch für die Saale ist. Eher gehört er in kleinere Gewässer wie Teiche. Im Untreusee allerdings haben wir ihn noch nicht gesichtet, und wir haben auch keine Meldungen über Fremdsichtungen bekommen. Grundsätzlich ist der Stichling sehr robust und im Augenblick bei uns nicht gefährdet, nicht einmal durch Gewässerbelastungen. Seine Stacheln bieten ihm gegenüber Feinden einen guten Fraßschutz.

 

Welche Rolle spielt der Stichling für Ihren Fischereiverein?

Michael Bursian: Als Angelfisch überhaupt keine. Mit fünf bis acht Zentimetern ist er zu klein und auch schon wegen seiner Knochenplatten und Stacheln nicht unbedingt zum Verzehr geeignet. Bei uns hier in der Saale sind außerdem eher Salmoniden, also Lachsfische wie die Äsche, heimisch. Dennoch finden wir die Ernennung des Stichlings zum Fisch des Jahres sehr gut. Denn eine solche Aktion lenkt das Interesse der Öffentlichkeit auf unsere Belange.

 

Welche Zeit ist die beste, um den Stichling bei uns in freier Wildbahn zu beobachten?

Martin Mörtl: Am besten kann man ihn im Sommer in schattigen Uferbereichen sehen. Am interessantesten aber ist natürlich die Laichzeit im April und Mai. Die männlichen Fische verfärben sich dann intensiv grün, blau und rot. Sie bauen in Ufernähe Nester aus Wasserpflanzen und zeigen außerdem ihr typisches Paarungsritual.

Michael Bursian: Zur Laichzeit ist der Stichling einfach wunderschön. Ich lege mich dann gerne ans Ufer und könnte stundenlang zuschauen, wir er seine Brut beschützt, indem er mit ruckartigen Bewegungen Konkurrenten vertreibt.

Das Gespräch

führte Manfred Köhler

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Veröffentlicht am:
08. 02. 2018
21:39 Uhr

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08. 02. 2018
21:39 Uhr



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