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Kulmbach

93 Kreative unter einem Dach

Kunst hält die Gesellschaft zusammen. Dies ist die Auffassung des Bundes Fränkischer Künster, der seit Sonntag seine Jahresausstellung auf der Plassenburg präsentiert.



Angeregt unterhielten sich der Vorsitzende des Bundes Fränkischer Künstler, Horst-Hermann Hofmann, und die Kunsthistorikerin Dr. Birgit Rauschert, die die Laudatio hielt. Fotos: Rainer Unger
Angeregt unterhielten sich der Vorsitzende des Bundes Fränkischer Künstler, Horst-Hermann Hofmann, und die Kunsthistorikerin Dr. Birgit Rauschert, die die Laudatio hielt. Fotos: Rainer Unger   » zu den Bildern

Kulmbach - Die 89. Jahresausstellung des Bundes Fränkischer Künstler ist bis zum 1. September in der Großen Hofstube der Plassenburg zu sehen. Rund 160 Werke von 93 Frauen und Männern sind in der Schau zu besichtigen, die auch eine Sonderausstellung mit Arbeiten der Kulmbacherin Marion Kotyba beinhaltet. Im Beisein zahlreicher Gäste fand die Eröffnung am Sonntag im Festsaal statt.

Bei der Vernissage am Sonntagvormittag im Festsaal der Plassenburg verwies der Vorsitzende des Bundes Fränkischer Künstler, Horst-Hermann Hofmann, darauf, dass die Gemeinschaft mittlerweile seit 90 Jahren existiere. Der Bund habe sich auf die Fahnen geschrieben, "Zur Belebung und Intensivierung des Kunstsinnes breiter Teile der Bevölkerung und zur Volksbildung beizutragen." Diese Aufgabe wurde in all den Jahrzehnten sehr ernst genommen und viele Geister und fleißige Hände haben dabei mitgeholfen. Kunst sollte laut Hofmann nicht nur konsumiert werden. Das würde dem Anliegen von Kunst nicht gerecht.

Kunst habe vielmehr die Aufgabe, die Gesellschaft zusammenzuhalten und sie gegen Angriffe von innen und außen zu schützen. Dieser Aufgabe könne sie allerdings nur gerecht werden, wenn sich alle auf sie ernsthaft als Kommunikator einlassen. Kunst sei der Promoter zur Schaffung neuer Bewusstseins- und Denkräume. Heute habe sie ganz andere Herausforderungen anzunehmen, als der bürgerlichen Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Hofmann bezog sich hierbei auf die künstliche Intelligenz. Für die nächsten Jahrzehnte und vielleicht Jahrhunderte gelte es für die Kunst, der Gesellschaft das menschliche Antlitz zu bewahren und notfalls zurückzugeben. Die hohe Aufgabe der Kunst sei es in Zukunft, sich dem Horrorszenario der Abschaffung des Menschen durch ihn selbst mittels der künstlichen Intelligenz zu stellen. Die jetzige Ausstellung nannte der Vorsitzende abgerundet und gelungen.

Kunsthistorikerin Dr. Birgit Rauschert bezeichnete in ihrer Laudatio den am 7. Dezember 1928 gegründeten Bund Fränkischer Künstler als eine außergewöhnliche Institution, die ebenso alt wie neu als auch bewahrend wie fortschrittlich ist. Franken als Kunst- und Kulturlandschaft sei eine der reichsten und einflussreichsten Kunstregionen Europas, die in ihrer Fülle an Bauten und Kunstschätzen ihresgleichen nur noch in Burgund und der Toskana hat. Vor rund 500 Jahren begründete das Triumvirat Albrecht Dürer, Lucas Cranach und Matthias Grünewald den bis heute strahlenden Stern fränkischer Kunst. "Die ganze Epoche wurde nach dem weltweit bedeutendsten und bis heute populärsten Künstler Dürerzeit bezeichnet", betonte die Rednerin.

Kaum jemals wieder waren Künstler angesehener und höher geachtet als damals. Von einer solchen Wertschätzung können die heutigen Kreativen nur träumen, wird die Kunst heute doch zumeist im Atelier oder in der Einsamkeit der eigenen vier Wände geschaffen und gilt vielen eher als Beschäftigung für die Muse-Stunden, kaum aber als tragender und einträglicher Broterwerb. Zweifellos ist die Auftragslage heute weitaus schlechter als damals, denn die Kunst wurde in der Renaissance zur Ausschmückung der prachtvollen gotischen Kirchen gebraucht, begründete Dr. Birgit Rauschert. Veränderte Verhältnisse durch das Aufkommen der Industrie im 19. Jahrhundert und das Schwärmen vom vermeintlich idyllischen Mittelalter, die Sehnsucht nach der "guten alten Zeit" bildeten auch den Ursprung für die Gründung des Bundes Fränkischer Künstler. Die Idee, Ausstellungen an einem historischen Ort wie der Plassenburg durchzuführen, sollte sich in der Folge bewähren. Jahr für Jahr besuchen die Interessierten im Sommer die Plassenburg, um sich von den Bildern und Objekten der fränkischen Künstler ein Bild zu machen. Jeder kann hier seinen eigenen, individuellen, im Idealfall unverwechselbaren Stil präsentieren, hob die Laudatorin hervor. Für die Jury war es sicherlich nicht einfach, eine Auswahl zu treffen, meinte Dr. Birgit Rauschert.

Oberbürgermeister Henry Schramm nannte die Kunst ein Symbol der Freiheit. In ihr gebe es keine Beschränkung für Form, Farbe oder Motive. Die 93 Männer und Frauen dokumentierten in ihren Werken ihren Bezug zu Franken, auch wenn einige mittlerweile in Norddeutschland oder auch der Schweiz leben. Für junge und weniger bekannte Künstler bietet die Schau auf der Plassenburg die Möglichkeit, sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.

In einer Sonderausstellung ist die Kulmbacherin Marion Kotyba zu sehen. Unter dem Titel "La mia arte" hat sie in mehreren Monaten Bilder extra für die Exposition geschaffen, darunter die Trilogie "Incantata." Waldspaziergänge im Mai mit dem frischen Grün und den ausbrechenden Trieben hätten sie dabei inspiriert, verriet sie. Die vielen Eindrücke, die sie wahrgenommen hat, hat sie insbesondere in grünen und braunen Farben wiedergegeben. Aber auch ihre Lieblingsfarbkombination rot-schwarz-weiß ist in anderen Werken zu sehen. Als Erinnerung an die verstorbene Kulmbacher Künstlerin Ursula Wolf enthält die Ausstellung auch diverse Plastiken von ihr.

Die Ausstellung ist bis zum 1. September täglich von 10 bis 17 Uhr in der Großen Hofstube der Plassenburg zu sehen.

Autor

Rainer Unger
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Veröffentlicht am:
01. 07. 2018
17:20 Uhr

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01. 07. 2018
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