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Kulmbach

99 Luftballons - bald illegal?

In mehreren Städten Deutschlands sind Verbote von gasgefüllten Luftballons im Gespräch. Auch in Kulmbach gibt es Befürworter.



Beim Gregorifest in Kulmbach ist es Tradition, Luftballons steigen zu lassen. Das könnte allerdings im Rahmen des Klimaschutzes bald verboten sein.	Foto: Archiv
Beim Gregorifest in Kulmbach ist es Tradition, Luftballons steigen zu lassen. Das könnte allerdings im Rahmen des Klimaschutzes bald verboten sein. Foto: Archiv  

Kulmbach - Bei Feiern wie dem Gregorifest steigen jedes Mal Hunderte Luftballons in den Himmel - ein Spektakel, das vor allem die kleinen Besucher freut. Doch Ballons könnten der Umwelt schaden. Einige Städte haben daher bereits reagiert: In Gütersloh sind sie beispielsweise bereits verboten. Auch Anne Kura, niedersächsische Landeschefin der Grünen, befürwortet ein solches Verbot. Dabei geht es nur um gasgefüllte Luftballons, die man in den Himmel steigen lässt. Kura betonte, dass Luftballons generell - zum Beispiel bei Kindergeburtstagen - nicht verboten werden sollen, sondern nur bei öffentlichen Veranstaltungen.

Auch die Kulmbacher Stadträtin Doris Stein von den Grünen sieht die durch Luftballons erzeugten Umweltschäden mit Besorgnis. Sie ist überzeugt: "Wenn man das vernünftig begründet, hätten wir auch keine Schwierigkeiten dafür Mehrheiten im Stadtrat zu finden." Sie spricht sich allerdings gegen Verbote aus und möchte eher Anregungen schaffen: "Ich fände es schön, wenn man Alternativen zu den Luftballons sucht. Man könnte zum Beispiel Windrädchen in den Wind halten oder Seifenblasen pusten. Das muss man natürlich auch auf die Umweltverträglichkeit prüfen", sagt Stein.

Die Organisatoren des Kulmbacher Gregorifests haben schon einen ersten Schritt getan: Vor zwei Jahren sind sie von Folienballons aus Plastik auf Luftballons aus Naturkautschuk umgestiegen, die komplett abbaubar sind. "Die Luftballons verrotten etwa so schnell wie Eichenlaub, also in ein bis zwei Jahren", sagt Jonas Gleich, Organisator des Gregorifests. Oberbürgermeister Henry Schramm habe den Wechsel auf abbaubare Luftballons angeordnet. "Ganz verbieten wollten wir sie nicht", sagt Gleich, "die Kinder freuen sich darüber und sie gehören einfach zum Gregorifest dazu."

Aber laut Grünen Stadträtin Doris Stein erzeugen nicht nur Plastikluftballons Probleme in der Umwelt. Vögel würden sich an den Schnüren verheddern und die Luftballons essen.

Stefan Berzl, Geschäftsführer vom Luftballonhersteller Dreamballoon hält ein Luftballonverbot für "Quatsch". Er sieht keinen Grund, Luftballons zu verbieten und befürchtet Schwierigkeiten für seine Firma. Berzl denkt nicht, dass durch Luftballons viel Plastik in der Natur landet: "In den vergangenen zwölf Jahren habe ich noch nicht ein Mal Folienballons zum Aufsteigen lassen verkauft. Die Folienballons sind dafür zu teuer", sagt er. Nur etwa 40 Prozent der verkauften Luftballons seien aus Plastik. Der Rest seien Luftballons aus Latex. Diese werden laut Berzl aus Baumrinde hergestellt und mit Naturfarbe gefärbt. "Das einzige, was dabei noch aus Plastik ist, ist die Schnur. Und seit vier Jahren kann man stattdessen auch Bioschnüre verlangen", sagt Berzl. Vögel würden seiner Meinung nach die Luftballons nicht fressen, denn die würden für die Tiere weder gut riechen noch schmecken.

Erich Schiffelholz, Kreisgruppenvorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz in Kulmbach, widerspricht: Rund eine Million Vögel würden pro Jahr durch Luftballons sterben. "Naturkautschuk ist zwar eine Alternative, aber auch diese Luftballons brauchen zu lange um sich zu zersetzen. Die Tiere fressen das - und die Fetzen verstopfen den Magen der Tiere, die deshalb verhungern", erklärt Schiffelholz. Dieses Problem sei bei Seevögeln aber schlimmer, als bei den hiesigen Vogelarten. Problematischer für die Region Kulmbach sieht er die Plastikschnüre. Störche würden diese oft in ihre Nester tragen und sich daran verheddern. "Bei Hochzeiten hängen die Leute oft laminierte Zettel unten dran, die dann auch in der Natur bleiben. Von hundert Luftballons findet man vielleicht zwei, drei", sagt Schiffelholz. Er sieht die Verantwortung bei den Veranstaltern, keine Luftballons mehr in die Natur fliegen zu lassen. Konkrete Schritte für ein Verbot planen weder die Grüne Doris Stein noch Erich Schiffelholz. Doch sie sind sich einig: Luftballons in den Himmel steigen zu lassen, sei nicht mehr zeitgemäß.

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Rebecca Ricker
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Veröffentlicht am:
10. 10. 2019
17:14 Uhr

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Rebecca Ricker

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10. 10. 2019
17:14 Uhr



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