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Kulmbach

Abfeiern zu Techno-Beats

Tausend Raver zieht es zur "Mill" auf das Gelände der Spinnerei in Mainleus. Die Techno-Fete hat heutzutage fast schon nostalgischen Charakter.



Die Raver tanzen ausgelassen zu den harten Techno-Beats.
Die Raver tanzen ausgelassen zu den harten Techno-Beats.  

Mainleus - Am Horizont verabschiedet sich die Sonne. Scheinwerfer tauchen die Fassade der ehemaligen Mainleuser Spinnerei in ein gelb-rotes Licht. Den hereinströmenden Ravern, wie man die Anhänger der Techno-Musik nennt, steht eine lange Nacht bevor. Von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang wird die alte Spinnerei zum Paradies für Freude elektronischer Musik. Unaufhörlich stößt die Soundanlage wummernde Bässe in die Magengrube der 1000 Besucher, die aus nah und fern zur Techno-Fete "Mill" angereist sind.

Einbrecher stehlen Plattenteller und Mischpulte

Obwohl Einbrecher in der Nacht zuvor Teile der Technik gestohlen hatten, ist das Festival "Mill" ist am Samstag wie geplant über die Bühne gegangen. Laut Polizei hatten Unbekannte in der Nacht zum Samstag die Eingangstüre zum Festivalgelände aufgebrochen und hochwertige Technik entwendet.

Am Samstagmorgen gegen 8.30 Uhr machte einer der Veranstalter die unangenehme Entdeckung. Während am Vorabend gegen 22 Uhr noch sämtliche Tontechnik, die bereits für das bevorstehende Event aufgebaut war, ordnugnsgemäß installiert war, herrschte auf dem DJ-Pult nun bedrückende Leere. Mehrere Komponenten des aufgebauten Equipments, darunter Plattenteller und Mischpulte im Gesamtwert von geschätzten 10 000 Euro, fielen den bislang unbekannten Dieben zum Opfer. Aufgrund der Anzahl und der Größe ist davon auszugehen, dass zum Abtransport mindestens ein Auto zum Einsatz kam. Die Kulmbacher Polizei hat die Ermittlungen am Tatort aufgenommen und Spuren gesichert. Dennoch setzen die Ermittler auf die Mithilfe der Bevölkerung bei der Beantwortung folgender Fragen:

Wem sind in der Tatnacht oder im Vorfeld verdächtige Fahrzeuge in der Nähe der Spinnerei Mainleus aufgefallen?

Wer hat verdächtige Personen im oder um das Veranstaltungsgelände bemerkt?

Wer kann Angaben zum Verbleib der gestohlenen Tontechnik machen?

Hinweise nimmt die Polizeiinspektion Kulmbach unter Telefon 09221/6090 entgegen.

 

"Bei dieser Musik empfinde ich Freude und Freiheit, bin ich glücklich", jauchzt die 27-jährige Laura aus Altenkunstadt. Mit ihrem Freudenseufzer spricht sie vielen der Fans aus der Seele. Diese tanzen sich zu der Musik diverser Discjockeys (DJs) aus ganz Deutschland, wie Mark Reeve (Frankfurt) oder Micha Klang (Nürnberg) ihre Alltagssorgen von der Seele. Es herrscht eine ausgelassene, friedliche Stimmung.

06.04.2019 - Techno-Party in der ehemaligen Spinnerei in Mainleus - Foto: Stephan Stöckel

Techno-Party in der ehemaligen Spinnerei in Mainleus
Techno-Party in der ehemaligen Spinnerei in Mainleus
Techno-Party in der ehemaligen Spinnerei in Mainleus
Techno-Party in der ehemaligen Spinnerei in Mainleus
Techno-Party in der ehemaligen Spinnerei in Mainleus
Techno-Party in der ehemaligen Spinnerei in Mainleus
Techno-Party in der ehemaligen Spinnerei in Mainleus
Techno-Party in der ehemaligen Spinnerei in Mainleus
Techno-Party in der ehemaligen Spinnerei in Mainleus
Techno-Party in der ehemaligen Spinnerei in Mainleus

 

Wo dereinst die Webstühle ratterten, elektrisieren harte Technobeats die Tanzbeine der Besucher, werden die Stahlträger der Halle mit einer bunten Lichterschau in Szene gesetzt. Auch Alt-Raver, wie DJ Olive aus Nürnberg, der als Besucher da ist, fühlen sich hier pudelwohl. Für ihn ist die Techno-Party ein Jungbrunnen. "Hier herrscht eine Atmosphäre wie vor 25 Jahren auf der ‚Mayday‘ in Dortmund oder der ‚Loveparade‘ in Berlin. Das tut mir gut", schwärmt der 54-jährige.

Zur Entspannungszone, im Techno-Slang Chill-Out-Area genannt, wird der Außenbereich vor der Weberei mit seinen zahlreichen Sesseln und Sofas. Hier treffen sich die Fans zum Small-Talk. Sie genießen nicht nur das zwanglose Miteinander, sondern auch die leckeren Burger und Bramburi, eine altösterreichische Kartoffelspezialität, die an einem Stand offeriert werden.

Zur Kommandozentrale wird die Bühne, auf der sich elf DJs am digitalen Mischpult die Klinke in die Hand geben. Die Fans tanzen nach dem Takt, den sie vorgeben. "Beim Techno kommt es darauf an, zwei verschiedene elektronische Musikstücke harmonisch miteinander zu verweben", erklärt DJ Christian Haas aus Bayreuth, der gemeinsam mit seinem Freund Kevin Zeller das Stimmungsbarometer in der Halle in die Höhe treibt. Die Mischpultmagier lassen die Tracks unmerklich ineinander übergehen, so dass sich eine schier endlose Klangkulisse bildet. Verschnaufpausen für die Fans kennt man bei einem Techno-Festival nicht. Im fliegenden Wechsel reiht sich ein DJ-Auftritt an den nächsten.

Schon am frühen Abend brennt in der ehemaligen Spinnerei die Luft. Beim Anblick der vielen Fans hüpft das Herz von Veranstalter Oliver Weschenfelder. "Das ist der Festivaleffekt. Keiner will sich einen der DJ’s entgehen lassen", vermutet der Kulmbacher, der vor ein paar Jahren Dr. Motte, den Erfinder der Love-Parade, nach Presseck gelotst hatte.

Für DJ Kevin Zeller ist die Party eine Rückkehr zu den Ursprünge der Techno-Szene. Mit Partys in kargen, verlassenen Industriegebäude, die eine düstere Atmosphäre ausstrahlten, habe in Berlin in den frühen 90er Jahren alles angefangen, sagt er.

Dieses besondere Ambiente ist es, das viele Fans nach Mainleus gelockt hatte. "In Oberfranken findet nicht alle Tage eine Rave-Veranstaltung in einer alten Industriehalle statt", meint der Lichtenfelser Liyodi Yogo Neto. Ehemalige Fabrikgebäude seien der perfekte Ort für eine Techno-Party. Schließlich würden sich auch viele Technomusiker von Geräuschen aus der Welt der Industrie beeinflussen lassen, so Yogo Neto.

Praktisch findet es der 22-Jährige, dass sich neben dem Veranstaltungsort gleich der Mainleuser Bahnhof befindet. "Das sorgt für eine unkomplizierte, stressfreie An- und Abreise." Wie lange will er noch feiern? "Bis zum nächsten Morgen, wenn der erste Zug abfährt." Spricht’s und macht sich auf dem Weg seinen Worten Taten folgen zu lassen.

Autor

Stephan Stöckel
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Veröffentlicht am:
07. 04. 2019
18:02 Uhr

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Stephan Stöckel

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Veröffentlicht am:
07. 04. 2019
18:02 Uhr



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