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Kulmbach

Abschied mit Händels "Messias"

In seiner letzten Aufführung möchte Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn das berühmteste Oratorium der Musikgeschichte erklingen lassen. Besuch bei den letzten Proben der Kulmbacher Kantorei.



Hat "seine Sänger" fest im Griff: Dekanatskantor Ingo Hahn und die Kantorei bei den Proben für das Händel-Oratorium "Messias". Fotos: Wolfgang Schoberth
Hat "seine Sänger" fest im Griff: Dekanatskantor Ingo Hahn und die Kantorei bei den Proben für das Händel-Oratorium "Messias". Fotos: Wolfgang Schoberth   » zu den Bildern

Kulmbach - Natürlich soll es ein würdiger Abschied sein, einer, der in Erinnerung bleibt. Über 80 Sängerinnen und Sänger haben sich zu den Proben des "Messias" eingefunden; sie wollen Ingo Hahn noch einmal erleben, bevor der Kirchenmusikdirektor in den Ruhestand geht. Die Atmosphäre im dicht gefüllten Probenraum ist konzentriert und doch gelöst, von Hektik keine Spur. Zuerst das Einsingen: Tonfolgen, Warmups, Atemübungen. Der Chorleiter macht vor, erklärt, ruft Basics der Stimmtechnik in Erinnerung und erklärt ihren Sinn: Schnute machen, den Klang strömen lassen, Stimmstütz nutzen, damit jeder Einsatz frisch und stark zupackt. Nach kurzer Zeit ist der Chor präsent, klingt hell und voll.

Aufführung des "Messias" am 19. Mai

Das Oratorium "Messias" von Georg Friedrich Händel wird am 19. Mai in der Evangelischen Stadtkirche Kulmbach Sankt Petri aufgeführt. Beginn ist 17 Uhr. Ausführende sind Stephanie Krug (Sopran), Carolina Bruck-Santos (Alt), Christoph Rösel (Tenor), Markus Simon (Bass), Constanze Schweizer-Elser (Orgel), Mitglieder der Kantorei Selb und die Kulmbacher Kantorei. Dirigent: Ingo Hahn. Der Eintritt kostet 20, 17 bzw. 14 Euro sowie für VdK-Mitglieder, Schüler und Studenten 17, 14 bzw. elf Euro. Karten gibt es im Vorverkauf bei Renner & Rehm, Georg-Hagen-Str. 20, Kulmbach, Telefon

09221/97666.


Ingo Hahn lässt selten eine Nummer von Anfang bis Ende durchsingen. Er probt Teile, die besondere Aufmerksamkeit erfordern, überspringt dann in der Partitur viele Seiten, nutzt musikalische Entsprechungen, um neu erarbeitete Schwerpunkte zu vertiefen. Er schafft Abwechslung: Mit ausgesuchten Kostproben lässt er die Sänger die Vielfalt von Händels Meisterwerk schmecken. Das macht Lust auf das Ganze und motiviert zum Üben. Nichts liegt Ingo Hahn ferner als in einer Probe gerademal acht Takte einzupauken und mit ermüdender Langeweile den Geist auszutreiben.

Händel hat den "Messias" in englischer Sprache verfasst und gewiss klingt das Oratorium in der Originalsprache mit ihren vielen weit vorn gebildeten Lauten anders als in der deutschen Übertragung, für die sich die Kulmbacher Kantorei entschieden hat. Doch hat Ingo Hahn einen hoch entwickelten Sinn für den Zusammenklang von Sprache und Musik. Kleinigkeiten, die den Zuhörern kaum auffallen werden, zeigen das. Wenn der Chor im Englischen Christus als "king of glory" preist, strahlen die hellen Vokale auf. Ingo Hahn hat sich für die Übertragung "Ehrenkönig" entschieden, die dem Klang und Wortrhythmus des Englischen näherkommt als die gewohnte Übersetzung "König der Ehren". Überhaupt gibt der Dirigent dem Oratorium eine frische, lebhafte Bewegung, nimmt ein Larghetto als Andante con spiritu, arbeitet an der Phrasierung, die sich dem Text anschmiegt, singt einzelne Stimmen vor, begleitet mit dem Klavier oder bewegt sich tänzerisch ein paar Schritte, so dass der Rhythmus sichtbar wird.

"Man muss immer bereit sein, Neues zu machen", ermutigt Ingo Hahn die Männerstimmen, die markante Synkopen üben. "Das gilt auch für mich, wenn ich in den Ruhestand gehe. Ich freue mich darauf. Aber ich werde Neues machen, damit immer neue Synapsen im Gehirn angelegt werden." Auf einmal steht sie unausgesprochen im Raum: die Abschiedsstimmung.

"Singen bei Ingo Hahn tut der Psyche gut", sagt eine Sängerin aus Melkendorf, die seit 1983 dabei ist. "Auch viele meiner Mitsänger sind der Meinung, dass man sich nach der Chorprobe erfrischt, gestärkt und entspannt fühlt."

Autor

Margret Schoberth, Wolfgang
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Veröffentlicht am:
14. 05. 2019
17:26 Uhr

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Autor

Margret Schoberth, Wolfgang

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Veröffentlicht am:
14. 05. 2019
17:26 Uhr



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