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Kulmbach

Affe, Kater, Zungenblecker

Zum Bierfest ist es wieder auf der Rathaustreppe zu bewundern: das Prunkfass der Reichelbräu. Es ist versehen mit herausragenden Schnitzarbeiten.



Ein Meisterwerk der Schnitzkunst ist das Prunkfass der Reichelbräu.	Foto: Olbrich
Ein Meisterwerk der Schnitzkunst ist das Prunkfass der Reichelbräu. Foto: Olbrich  

Kulmbach - Sie gehören zum Bierfest einfach dazu: die vier großen Fässer der EKU, der Reichel-, der Sandler- und der Mönchshofbräu. Das Prunkfass der Reichelbräu stand dort aber erstmals nicht im Sommer, sondern am 11. März 1950, und zwar als Einladung für das "F.-F.-F.", das sogenannte Fassmann-Fleischmann- Fest, das am 18./19. März 1950 im Vereinshaus gefeiert wurde. Dabei hatte der Fassmann (Bierbrauer) für die flüssige Nahrung zu sorgen und der Fleischmann (Metzger) für die feste.

Der Entwurf für das Fass stammt von dem in Kulmbach durch seine hervorragenden Arbeiten bekannt gewordenen Bamberger Künstler Hans Waltenberger. Die ausgezeichneten Holzschnitzarbeiten wurden von dem im Jahr 1945 aus Westfalen zugezogenen Bildhauer Bernhard Liesenkötter in dessen Werkstatt in Kulmbach, Kalte Marter, ausgeführt.

Sowohl beim Entwurf als auch bei der Ausführung handelt es sich um erstklassige künstlerische Wertarbeit. Interessant und lustig wirkt der sogenannte Bier-Hymnus in B-Dur auf dem Riegel des Fasses. Hier beginnt jedes Wort mit einem B:

"Brauchbare Bierbrauerburschen bereiten beständiges, braunes, bayerisches Bier, bekanntlich besonders billiges Bedürfnis begnügsamer, brüderlich behaglich beisammenbleibender Bürger. Betörte, bierfeindliche Bacchusbrüder behaupten bisweilen bestimmt, bayerisches Bier berausche bald, beraube besseren Bewusstseins, beschränke blühende Bildung, begründe breite Bäuche, befördere blinden Blödsinn! Biedere Biertrinker! Bevor Beweise besseres bewähren, bleibt beigestellt beim braunen Becherblinken, bleibt bayerische Bierfreunde beim bayerischen Bierwirt! "

Die Bodengestaltung des Prunkfasses der Reichelbräu war eine jener seltenen Gelegenheiten für den Holz-Bildhauer Liesenkötter, eine von ihm kaum gezeigte Technik in hoher Vollendung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Das Herausarbeiten der plastischen Stadtansicht und des Wappens aus erstklassigem Eichenholz, und auch die Oberflächenbehandlung des stumpfen Holzes sind dem Künstler wunderbar gelungen. Das fertige Fass verrät kaum mehr, dass der Boden aus einzelnen, recht dünnen Brettern zusammengesetzt werden musste. Das Werk wirkt wie aus einem Guss.

Ein Vergnügen für den Betrachter sind dann noch ein Zungenblecker, ein Affe und ein Kater zu bestaunen. Das zungenbleckende Gesicht ist ein sogenannter Maskaron, der böse Geister abwehren soll, könnte doch ein solcher das gute Bier verhunzen. Die Zunge dient als Spundloch des Fasses. Am Fass-Bock hat der Künstler links einen Affen und rechts einen Kater geschnitzt.

Die Kulmbacher deuten das so:

"Erst hast vom Bier trinken an Affen und am nächsten Tag einen Kater." Ob das vom Künstler so gewollt war, lässt sich nicht beantworten.

Der Künstler Bernhard Liesenkötter hat in der Stadt noch mehr Spuren hinterlassen. So gab es auf der Plassenburg nach dem Krieg beachtliche Ausstellungen seiner Werke. Groß ist die Spannweite seiner künstlerischen Fähigkeiten, die gleichermaßen Stein, Ton und Holz zu beseelen vermag.

Von Liesenkötter sind beispielsweise die 14 Stationen des Leidensweges Christi in der Sankt-Hedwigs-Kirche am Galgenberg und Hausplastiken an Kulmbacher Neubaublocks. Trotz seines Bekanntheitsgrades lebte der Künstler Bernhard Liesenkötter in bescheidenen Verhältnissen, und wie so viele andere Kunstschaffende, kämpfte auch er um seine wirtschaftliche Existenz.

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Erich, Marcus Olbrich
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Veröffentlicht am:
21. 07. 2019
17:22 Uhr

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Erich, Marcus Olbrich

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Veröffentlicht am:
21. 07. 2019
17:22 Uhr



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