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Kulmbach

Auf dem Wohnungsmarkt wird es knapp

Überall wird gebaut, doch trotzdem ist die Nachfrage größer als das Angebot. Bedarf an Mietwohnungen besteht im preiswerten Bereich ebenso wie bei luxuriösen Wohnungen.



33 neue Wohnungen entstehen derzeit in der Hollergasse in der Kulmbacher Siedlung. Die Baugenossenschaft will das erste Haus noch in diesem Jahr, das nächste 2020 fertigstellen. Fotos: Burger
33 neue Wohnungen entstehen derzeit in der Hollergasse in der Kulmbacher Siedlung. Die Baugenossenschaft will das erste Haus noch in diesem Jahr, das nächste 2020 fertigstellen. Fotos: Burger   » zu den Bildern

Kulmbach - "Du weißt , dass du aus Kulmbach bist, wenn du aufgrund von Eigenbedarf der Vermieterin verzweifelt eine Wohnung suchst und es anscheinend in ganz Kulmbach nichts gibt." Das schreibt eine Kulmbacherin und hat damit auf Facebook eine Diskussion ausgelöst. Die Frau berichtet von langen Wartelisten sowohl bei der Städtebau als auch bei der Baugenossenschaft. Sie berichtet von Inseraten, auf die es so gut wie keine Zuschriften gibt. "Keine Ahnung, was wir noch tun können, wir haben doch schon alles gemacht. Bin irgendwie fassungslos, was hier in Kulmbach los ist." Tatsächlich: Städtebau und auch de Baugenossenschaft bestätigen lange Wartelisten für ihre Wohnungen. Und auch auf dem privaten Wohnungsmarkt, sagt Immobilienmakler Jörg Naumann, habe sich das Rad gedreht. Wo früher Vermieter Nachlässe gewähren mussten, weil sie ihre Wohnungen kaum vermarkten konnten, sei inzwischen in Kulmbach die Nachfrage höher als das Angebot. Das gelte für preiswerten Wohnraum ebenso wie für Neubauten mit gehobener Ausstattung.

Vor wenigen Tagen hat das Unternehmen von Jörg Naumann eine Wohnung vermietet. Binnen weniger Tage hatten sich 30 Bewerber dafür gemeldet. "Das ist für Kulmbach sehr ungewöhnlich", sagt Naumann und das sei auch Signal dafür, das der Wohnungsmarkt angespannt sei. "Die Wirtschaft brummt, die Firmen stellen ein. Entsprechend suchen diese Leute natürlich auch nach Wohnungen." Wenn nun nach und nach noch der Campus Kulmbach seine Arbeit aufnehme, werde das den Markt noch weiter anheizen, ist Jörg Naumann überzeugt. Doch für Ängste sieht Naumann keinen Grund.

Es tue sich viel in der Stadt. Verschiedene Projekte laufen bereits, weitere seien in Vorbereitung. "Wenn die Investoren und die Stadt Hand in Hand arbeiten, gehe ich davon aus, dass rechtzeitig genügend Wohnraum in Kulmbach zur Verfügung stehen wird. Genügend Grundstücke gibt es. Ich bin überzeugt, dass die Stadt das packt." Nicht zuletzt kämen ja die 1000 Studenten und das dazu gehörende uni-Personal nicht auf einmal. Es sei genügend Zeit.

Die Nachfrage regelt den Preis. Wenn es mehr Mietinteressenten gibt als Wohnungen steigend die Preise. "Wir haben bereits Wohnungen mit Quadratmeterpreisen zwischen 7,50 und 8 Euro vermietet", informiert Jörg Naumann. Seit 2013 seien auch in Kulmbach die Mieten um insgesamt 20 Prozent gestiegen. Für Mieter auf den ersten Blick keine gute Nachricht. Doch zu Zeiten, in denen sich Wohnungen schlecht vermieten lassen und die Mieteinnahmen niedrig sind, bestehe auch bei den Investoren kaum Bereitschaft, zu bauen oder Altbestände zu renovieren. Das hat sich laut Jörg Naumann geändert. "Die Bereitschaft zu renovieren ist groß, die Handwerker sind ausgebucht."

Aus Sicht des Kulmbacher Immobilienmaklers besteht aber nicht nur Bedarf an preiswerten Wohnungen: "In Kulmbach gibt es viel zu wenig Wohnraum mit einem gewissen Qualitätsstandard. Neue Wohnungen sind sofort weg. Gerade Leuten, die von außerhalb nach Kulmbach kommen, um hier zu arbeiten, können wir zu wenig anbieten." Jörg Naumann nennt als Beispiel die 19 Wohnungen, die gerade im Spiegel gebaut und als Eigentumswohnungen vermarktet werden. "90 Prozent der Wohnungen waren binnen 14 Tagen verkauft." Kapitalanleger seien immer mehr an Kulmbach interessiert, beobachtet Naumann. Der Kapitalmarkt schwanke, die Zinsen seien niedrig. "Immobilien sind derzeit der sicherste Hafen." Das spiegle sich auch in den Preisen für den Immobilienkauf nieder. Ein Eigenheim, das vor zehn Jahren noch 250 000 Euro gekostet hat, gehe jetzt für Preise zwischen 380 000 und 4000 000 Euro weg, wenn Lage und Qualität stimmen. Aus Sicht Naumanns ein gerechter Ausgleich. "Die Immobilienbesitzer mussten hier lange bittere Pillen schlucken. Es gab Leerstände und Preisnachlässe bei den Mieten. Jetzt dreht sich der Markt und damit auch die Bereitschaft zur Investition."

Investieren in neuen Wohnraum oder die Verbesserung bestehender Wohnungen steht auch bei der Baugenossenschaft an oberster Stelle. Kulmbachs größter Vermieter mit einem Bestand von etwa 1300 Wohnungen investiert seit Jahren regelmäßig zwischen drei und mehr als sechs Millionen Euro jährlich. Dennoch, bestätigt Vorstand Udo Petzold, gebe es eine "riesige Warteliste" für die preiswerten Wohnungen der Genossenschaft. Die baut gleich an mehreren Stelen. In der Hollergasse entstehen gerade 33 neue Wohnungen, 24 werden im sozial geförderten Wohnungsbau errichtet und bieten preiswerten Wohnraum an. Gerade in dem Segment, sagt Petzoldt, müsse man viel tun, um der Wohnraumknappheit entgegenzuwirken. "Reiche interessiert das nicht. Die zahlen halt mehr. Aber die Ärmeren werden an den Rand gedrängt."

Die Baugenossenschaft hätte bereits seit Jahren gern noch mehr Wohnungen geschaffen. Am Ängerlein und in der Michel-Weiß-Straße stehen ganze Wohnblöcke mit fast 150 Wohnungen leer und warten auf den Abriss. Die Pläne für die Neubauten sind weit fortgeschritten. Insgesamt bis zu 300 Wohnungen könnten Zug um Zug in der Blaich neu errichtet werden. Doch dann kam die mögliche Bodenbelastung durch eine alte Mülldeponie dazwischen. Die Bodenuntersuchungen hat die Stadt jetzt in Auftrag gegeben. Doch wann es mit dem Wohnungsbau losgehen kann, weiß derzeit noch keiner. Untätig bleibt die Baugenossenschaft aber dennoch nicht. Trotzdem fragen mehr Interessenten nach Wohnungen als die Genossenschaft bieten kann.

Das ist bei der Städtebau nicht anders. "Auch wir haben mehr Anfragen als wir bedienen können", sagt Geschäftsführer Simon Ries. "Wir wissen, dass wir Wohnungen brauchen." Dabei setzt die Stadt Kulmbach auch auf Unterstützung durch den Freistaat. Demnächst beginne im Dreibrunnenweg der Bau von zwölf Sozialwohnungen. Bauherr ist der Freistaat. Zwei Drittel der Wohnungen sind für anerkannte Flüchtlinge vorgesehen, das restliche Drittel darf die Stadt vergeben. Und auch mit der neu gegründeten Wohnungsbaugesellschaft des Freistaats, der "Bayernheim", hat sich die Stadt bereits in Verbindung gesetzt. Oberbürgermeister Henry Schramm habe vor allem mit dem verstärkten Bedarf argumentiert, der durch den Campus noch entstehen werde. "Erste Ortstermine haben bereits stattgefunden, erste Projekte sind angedacht." Allerdings gebe es noch keine konkrete Zusage. "Aber wir hoffen auf Unterstützung."

Und natürlich baut und investiert auch die Städtebau selbst. In Petzmannsberg sollen 13 neue Wohnungen errichtet werden. Die Ausschreibung ist bereits gelaufen. In der Dobrachstraße werden 18 Wohnungen voll saniert. Einige der Wohnungen werden barrierefrei ausgebaut. Gerade auf diesem Bereich besteht viel Bedarf. Simon Ries spricht von einem Millionenprojekt.

Knapp 500 Wohnungen hat die Städtebau zu vermieten. Frei ist derzeit keine einzige, sagt Ries. Neuvermietungen gebe es derzeit nur, wenn ein anderer Mieter auszieht. "Es gibt Bedarf. Aber alle Beteiligten tun auch etwas, um die Situation zu verbessern. Über Nacht kann man das aber nicht ändern."

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Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
14. 04. 2019
17:06 Uhr

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14. 04. 2019
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