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Kulmbach

Auftakt der Kanzfeuer-Saison in Wonsees

Die Landjugend Großenhül lädt am kommenden Samstag zum Johannisfeuer ein. Die 35 Mitglieder leisten im Vorfeld viel Arbeit.



Stimmungsvolles Johannisfeuer in Sanspareil mit Blick auf Burg Zwernitz. Foto: privat
Stimmungsvolles Johannisfeuer in Sanspareil mit Blick auf Burg Zwernitz. Foto: privat  

Wonsees - Bald ist es soweit, im Juni lodern wieder überall in der Region die traditionellen Johannisfeuer, im Volksmund gerne "Kanzfeuer" genannt. Das Erste der Saison und wohl auch eines der Bekanntesten veranstaltet die Landjugend Großenhül, eine von vier Landjugenden im Landkreis Kulmbach, neben Zaubach, Rugendorf und Waldau. Das Feuer findet bereits am Samstag den 8. Juni, ab 19 Uhr am Festplatz in Großenhül am Ortsausgang Richtung Leesau statt. Was das Großenhüler Johannisfeuer so besonders macht, ist das große Engagement der etwa 35 Landjugendmitglieder im Alter von 16 bis 30 Jahren aus dem gesamten Gemeindegebiet Wonsees und darüber hinaus.

Was gilt es beim Johannisfeuer zu beachten? Die Tipps der Experten:

Experten am Landratsamt in Kulmbach erklären, warum die Vorschriften zum Johannisfeuer durchaus Sinn machen: Alexander Kusche von der Unteren Naturschutzbehörde betont die Bedeutung des Umschlichtens kurz vor dem Abbrennen, denn nicht nur Igel und Hasen würden im Holzhaufen Unterschlupf suchen, sondern auch Vögel, Insekten und Reptilien. Ihnen soll vor dem Abbrennen die Flucht ermöglicht werden. Kusche zufolge ist es optimal, wenn das Material erst am Veranstaltungstag angehäuft wird.

Daniela Wagner von der Abteilung Umweltschutz weist darauf hin, dass nur unbehandeltes Holz verbrannt werden darf. Lacke, Leime und andere Stoffe setzen beim Verbrennen Gifte frei, die der Umwelt und den Zuschauern schaden, vor allem Kindern. Erwin Burger von der Abteilung Öffentliche Sicherheit weist darauf hin, dass 100 Meter Sicherheitsabstand zum nächsten Wald oder entzündlichen Materialien eingehalten werden müssen - sollte das Feuer näher als 100 Meter am Wald liegen, ist eine Sondergenehmigung der Forstbehörde notwendig. Burger mahnt: "Nicht das Feuer selbst ist die Gefahr, sondern der Funkenflug." Je höher der Holzhaufen geschlichtet sei, desto weiter würden die Funken vom Wind getragen. Burger rät den Veranstaltern im Vorfeld das Gespräch mit dem örtlichen Feuerwehrkommandanten zu suchen. Bei zu starkem Wind darf das Feuer nicht stattfinden, genauso wie bei Waldbrandstufe 4 oder 5. Auf der Website des Deutschen Wetterdiensts www.dwd.de kann man sich über die aktuelle Waldbrandstufe für einzelne Regionen informieren.


Viel zu tun für die Landjugend: "Für uns ist das die erste große Veranstaltung des Jahres", sagt Landjugend-Vorsitzender Johannes Weggel (24) aus Zedersitz. Denn neben dem Johannisfeuer organisiert die Landjugend auch das Dorffest, das jährliche Schnauzturnier und die Dorfweihnacht, ganz zu schweigen von internen Ausflügen. Das Johannisfeuer, das in vielen anderen Orten die Freiwilligen Feuerwehren organisieren, ist in Großenhül seit Jahrzehnten Aufgabe der Landjugend. Nicht nur am Abend des Feuers wechseln sich die Mitglieder in Schichten ab, sondern auch in den Tagen zuvor legen sie sich ins Zeug, damit das Traditionsfest ein Erfolg wird. Mit Traktor und Wagen beginnen sie kurz vor der Veranstaltung, das Brennholz aus dem Dorf einzusammeln.

Dabei ist es wichtig, nicht zu früh anzufangen, damit Wildtiere nicht auf die Idee kommen, sich in dem Haufen einzunisten. Die Landjugend-Mitglieder stellen das Festzelt auf, die Schank- und Grillwagen, verlegen die notwendigen Wasser- und Stromleitungen und stellen für Notfälle Löschwerkzeug und -wasser bereit. Auch eine Absprache mit den Landwirten ist nötig, damit Wiesen als Parkflächen genutzt werden können. Den Feuerplatz selbst stellt die Gemeinde Wonsees zur Verfügung.

St. Bürokratius: In den vergangenen Jahren sei viel Bürokratie hinzu gekommen, berichtet Weggel. Neben der Genehmigung für das Feuer sei mittlerweile eine Gema-Lizenz für Musik nötig, eine Schankgenehmigung sowie die Ernennung eines Lärmschutzbeauftragten. "Früher war das einfacher", berichtet Günther Weggel (65) aus Großenhül. Er war in den 1960er- und 70er-Jahren Mitglied der Evangelischen Landjugend, die sich später der Bayerischen Jungbauernschaft angliederte und zur heutigen Landjugend wurde.

Weggel zufolge verlief auch der Johannisfeuer-Abend damals ganz anders. Die Veranstaltung begann mit einem Tanz im Wirtshaus, dann zog man gemeinsam zum Feuerplatz. Beim Entzünden hielt der Pfarrer eine Ansprache. Wenn das Feuer größtenteils abgebrannt war, fand ein Fackelzug ins Dorf statt. Erneut richtete der Pfarrer ein paar Worte an die Gesellschaft, die schließlich bis in die Morgenstunden im Wirtshaus feierte.

Ein heidnischer Brauch: Man vermutet, dass die Kirche im Mittelalter versuchte, mit dem Johannisfeuer das vorchristliche Sonnwendfeuer zu ersetzen. Ursprünglich ein Reinigungs- und Fruchtbarkeitsritual, sollte der Sprung über das Feuer Schutz vor bösen Geistern bieten oder die baldige Heirat versprechen. Der Tag, an dem die Sonne ihren höchsten Stand erreicht, ist auf der Nordhalbkugel der 21. Juni. Heutzutage richtet sich das Datum des jeweiligen Johannisfeuers eher nach dem Zeitplan der Veranstalter.

Viele Veranstaltungen: Die Dorfjugend in Schirradorf richtet ihr Fest am 15. Juni aus, die Freiwillige Feuerwehr Wonsees veranstaltet ihr Feuer eine Woche später am 22. Juni in der Nähe der Festhalle der Gastwirtschaft Tauer an der Kulmbacher Straße, gefolgt vom Feuer in Sanspareil vor der Kulisse der historischen Burg Zwernitz am Freitag, 28. Juni. Wer den Geburtstag Johannes des Täufers immer auf den Tag genau einhält, ist die Freiwillige Feuerwehr Zultenberg in der Gemeinde Kasendorf. Das überregional bekannte Traditionsfeuer am Görauer Anger fällt jedes Jahr auf den 24. Juni.

Feuer vorverlegt: Doch wie kam es dazu, dass das Großenhüler "Kanzfeuer" bereits Anfang Juni stattfindet? Das hat wirtschaftliche Gründe, sagt Weggel. Man wolle die Besucher bei den vielen Veranstaltungen nicht in Terminkonflikte bringen. Das Konzept hat sich bewährt: Die Großenhüler freuen sich jedes Jahr über zahlreiche Gäste. Der zweite stellvertretende Vorsitzende Alexander Wachtel (24) lobt: "Dass wir eine so großartige Veranstaltung übernehmen konnten, verdanken wir der Arbeit der früheren Vorstände." Vor allem sei hier der Name Oliver Hacker erwähnt. Auch die aktuelle Führungsriege der Landjugend Großenhül hat ihren Beitrag geleistet. Mit dem neuen Festplatz wurde der Begriff "Romantisches Johannisfeuer" eingeführt - denn das entspreche der Atmosphäre dort.

Autor

Adriane Lochner
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Veröffentlicht am:
06. 06. 2019
18:34 Uhr

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Adriane Lochner

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06. 06. 2019
18:34 Uhr



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