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Kulmbach

Aus dem Vollen schöpfen

Auch in Trockenzeiten hat die Wasserversorgung der Stadt Kulmbach keinerlei Probleme: Das Quellgebiet "Perlenbach" bei Marktschorgast und die Tiefbrunnen im Weißmaintal bieten große Reserven.



Das Team der Stadtwerke Kulmbach mit (von rechts) Werkleiter Stephan Pröschold und seinem Stellvertreter Oliver Voß sorgen dafür, dass aus den Wasserleitungen in der Stadt auch in Trockenzeiten stets
Das Team der Stadtwerke Kulmbach mit (von rechts) Werkleiter Stephan Pröschold und seinem Stellvertreter Oliver Voß sorgen dafür, dass aus den Wasserleitungen in der Stadt auch in Trockenzeiten stets   » zu den Bildern

Kulmbach - Das Kulmbacher Trinkwasser ist ein Genuss, auch ohne "Veredlung" mittels Hopfen und Malz. Und es steht auch in Trockenzeiten, wie sie der Landkreis in den vergangenen Wochen erlebt hat, in scheinbar unbegrenzter Menge zur Verfügung. Dass dem so ist, dafür sorgen die Stadtwerke Kulmbach.

Wie Werkleiter Stephan Pröschold und sein Stellvertreter Diplom-Ingenieur Oliver Voß, der für die Versorgung mit Wasser, Gas und Strom zuständig ist, im Gespräch mit der Frankenpost erläutern, gebe es in der Wasserversorgung im Einzugsgebiet der Stadtwerke keinerlei Engpässe. Man habe ausreichend Reserven in der Wassergewinnung. Das ist offenbar in einigen Bereichen der Bundesrepublik anders, wo die Bevölkerung zum sparsamen Umgang mit dem kostbaren Nass aufgefordert wird.

Der Löwenanteil des Kulmbacher Trinkwassers komme aus dem Quellgebiet "Perlenbach" nördlich von Marktschorgast. Dort hatte die Stadt Kulmbach bereits um das Jahr 1900 63 Quellfassungen angelegt und eine Zubringerleitung in die Stadt gebaut. Aus diesem Quellgebiet mit einer Fläche von 12,7 Quadratkilometern, 63 Quellen und elf Brunnen in 14 Tälern beziehen die Stadtwerke jährlich 2,2 Millionen Kubikmeter Trinkwasser. Weitere 1,1 Millionen Kubikmeter gewinnen die Stadtwerke aus acht Tiefbrunnen im Weißmaintal aus einer Tiefe von 30 bis 180 Metern.

Werkleiter Pröschold erläutert dazu, dass die Stadtwerke vorzugsweise das Wasser aus dem Quellgebiet "Perlenbach" verwenden, weil es nicht gepumpt werden muss: "Es fließt im freien Gefälle nach Kulmbach." Von den Quellfassungen, die jede zwischen 45 und 80 Liter pro Sekunde schütten, und den Brunnen wird das Wasser in Rohrleitungen zum Hauptsammler im Wald geleitet. Von dort fließt es zur Trinkwasseraufbereitungsanlage (TWA) Grundmühle. Bereits im Jahr 1958 hatte die Stadt an gleicher Stelle eine "Entsäuerungsanlage" gebaut, die 2006/2008 zur TWA mit Ultrafiltrationsanlage umgebaut wurde. Sie sorgt dafür, dass das Wasser frei von Viren und Keimen ist. Von der TWO fließt das Wasser durch zwei Rohrleitungen ohne Einsatz von Pumpen bis nach Kulmbach.

Die Schüttung der Quellen werde in diesem Jahr durch die Trockenheit kaum beeinflusst, erläutert Oliver Voß und legt eine grafische Darstellung der Wassermengen vor. "Das liegt vor allem daran, dass wir ab September 2017 bis ins Frühjahr hinein sehr viel Regen hatten. Davon profitieren wir derzeit noch. Die Schüttung kann aber im August und September leicht zurückgehen."

Dann greifen die Stadtwerke vermehrt auf die Brunnen im Weißmaintal bei Kauernburg zurück. "Das Wasser aus den Tiefbrunnen unterliegt weniger den Einflüssen durch die Witterung", sagt Pröschold. Selbst wenn die Quellschüttungen nachlassen, könne der Grundwasserleiter das jederzeit auffangen. "Wir holen aus dem Grundwasser etwa 1,1 Millionen Kubikmeter jährlich. Wir haben aber die wasserrechtliche Genehmigung, bis zu 3,5 Millionen Kubikmeter pro Jahr zu entnehmen. Wir wollen aber keinen Raubbau an den Reserven betreiben, sondern den Grundwasserspiegel konstant halten." In einer weiteren Trinkwasseraufbereitungsanlage mit Ultrafiltration in der Blaich werde das Wasser aus dem Quellgebiet und das aus den Tiefbrunnen nochmals gereinigt, bevor es ins Leitungsnetz geleitet wird.

Das Wasser aus dem Quellgebiet ist besonders weich. "Daher eignet es sich besonders gut für das Brauen von Pils-Bieren." Das habe den Kulmbacher Brauereien zu ihrer Blüte verholfen. Dazu kommen laut Pröschold noch andere Wasser-Großverbraucher der Lebensmittel-Industrie, wie die Firmen Raps oder Ireks, die ihr Wasser von den Stadtwerken beziehen. Und deren Verbrauch bleibe auch in Trockenzeiten konstant.

Selbst wenn Privathaushalte in der Trockenphase mehr Trinkwasser für die Bewässerung des Gartens verbrauchen, falle das bei den Stadtwerken in der Gesamtabgabemenge nur wenig ins Gewicht: Eine Grafik des Auslaufs aus der TWA belegt, dass in den Monaten Januar bis Ende April im Tagesdurchschnitt etwa 260 Kubikmeter Reinwasser pro Stunde in das Leitungsnetz geleitet wurden. Dieser Wert stieg bis zum 11. Juli auf etwa 320 Kubikmeter pro Stunde an.

Ein weiterer Beleg dafür, dass die Wasserversorgung in Kulmbach über große Reserven verfügt: Pröschold berichtet aus den 70-er und 80er-Jahren, als die Kulmbacher Spinnerei noch in Betrieb war. Da habe die Stadt 5,5 Millionen Kubikmeter Wasser verkauft. Das war der höchste Wasserverbrauch pro Einwohner in ganz Europa. In dieser Zeit seien auch Hochbehälter in Dimensionen entstanden, wie man sie heute nicht mehr bauen würde: Insgesamt haben die Stadtwerke Hochbehälter mit einem Fassungsvermögen von 24 000 Kubikmetern Wasser. "Bei einem Verbrauch von etwa 10 000 Kubikmeter am Tag könnten wir die Stadt selbst bei Stromausfall 2,5 Tage beliefern, ohne dass eine einzige Pumpe laufen müsste", ergänzt Voß.

Das Unternehmen der Stadt speist zudem im Jahr 1,1 Millionen Kubikmeter Trinkwasser bei See (Gemeinde Neuenmarkt) in den "Bayreuther Ast" der Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO) ein.

Dies alles mache deutlich, dass die Stadtwerke Kulmbach "von einer Notsituation weit entfernt" seien, hebt Pröschold hervor. So versorgt das Unternehmen Privathaushalte und Gewerbe nahezu im gesamten Stadtgebiet mit seinen Ortsteilen sowie Marktschorgast und Wirsberg mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser.

Autor

Manfred Biedefeld
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
14. 07. 2018
00:00 Uhr

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Manfred Biedefeld

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Veröffentlicht am:
14. 07. 2018
00:00 Uhr



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