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Kulmbach

Bahn verhindert den perfekten Radweg

Die Gemeinde Neuenmarkt ist von ihrer Absicht abgerückt, den Weg auf der alten Bahnlinie nach Himmelkron zu bauen. Für viele Bürger ist das unverständlich.



Helmut Lutz zeigt auf das Vorsignal an der Bahnstrecke, das durchaus auch als Relikt längst vergangener Zeiten stehen bleiben könnte.
Helmut Lutz zeigt auf das Vorsignal an der Bahnstrecke, das durchaus auch als Relikt längst vergangener Zeiten stehen bleiben könnte.   » zu den Bildern

Neuenmarkt - "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!" Diese alte Volksweisheit steht dafür, dass man auch bei unüberwindbar scheinenden Schwierigkeiten letztlich zum Ziel kommen kann, wenn man von seinem Anliegen überzeugt ist und aktiv wird. Diesen Willen vermissen Helmut Lutz, Karl Pöhlmann und Johannes Faßold beim Radweg zwischen Schlömen und Himmelkron, der nach ihrer Meinung schon längst auf der alten Bahntrasse hätte verwirklicht werden können. Sowohl Helmut Lutz als auch Karl Pöhlmann hatten sich dazu in der jüngsten Bürgerversammlung kritisch geäußert.

Bürgermeister Siegfried Decker gab zu verstehen, dass die Gemeinde Neuenmarkt schon lange für einen Radweg zwischen Schlömen und Himmelkron kämpft: "Für den Weg auf der alten Bahntrasse hat die Gemeinde eine Vorplanung erstellt, Kosten ermittelt, Grunderwerbsverhandlungen geführt und die Fördermöglichkeiten geprüft. Die Gespräche mit der Bahn haben jedoch ergeben, dass zum Grunderwerb noch erhebliche Nebenkosten kommen. Die Gemeinde hätte für das Anpassen der Leit- und Signaltechnik und die Rückzahlung von öffentlichen Mitteln, wegen der Förderung einer Weiche, viel Geld in die Hand nehmen müssen. Auch die drei Brücken auf der Strecke hätten zu Kostenmehrungen geführt. Deshalb war die Maßnahme unwirtschaftlich und nicht förderfähig."

Gemeinsam mit den Behörden hat die Gemeinde nach Alternativen gesucht. Decker erläutert dazu: "Der bestehende Weg im Tal des Weißen Mains könnte als kombinierter Rad- und Wirtschaftsweg ausgebaut werden. Dafür gäbe es eine Förderung von 80 Prozent. Deshalb hat sich der Gemeinderat einstimmig für diese Trasse ausgesprochen. Mit Unterstützung des Amtes für Ländliche Entwicklung in Bamberg wird jetzt diese Lösung intensiv weiter verfolgt. Im Rahmen eines vereinfachten Flurneuordnungsverfahrens sollen Grunderwerb und Vermessung kostengünstig abgewickelt werden."

Helmut Lutz (71), der in Schlömen geboren und aufgewachsen ist, gibt sich überzeugt, dass die Gemeinde mit der alten Bahntrasse zwischen Schlömen und Himmelkron "eine ganz große Sachen" versäumt habe: "Die alte Bahntrasse wäre eine wunderbare Radstrecke: Der Bahndamm ist für alle Zeiten verloren, wenn die Strecke nicht als Radweg genutzt wird. Es wird ewig eine Ruine mit Unkraut bleiben. Es wäre eine Riesenchance, von Kulmbach kommend den Weißmain-Radweg von Schlömen nach Himmelkron und weiter nach Bad Berneck auszubauen, nachdem er schon bis Bischofsgrün auf der alten Bahnstrecke als ausgebauter Radweg besteht. Man darf nicht nur immer das Geld, sondern man muss diese Radstrecke als eine Zukunftschance sehen. Der Radweg auf der alten Bahntrasse wäre Spitze."

Deutliche Worte findet der frühere Bankkaufmann zu den Kosten für den Abbau der Signale: "Das finde ich einen Hohn, dass man die Gemeinde mit den Kosten für die Stilllegung von zwei Signalen belasten will. Was will die DB mit den Signalen, die 300 oder 400 Meter von der Hauptstrecke Neuenmarkt-Wirsberg nach Bayreuth entfernt sind? Sie sind total eingewachsen. Hier wird offensichtlich gepokert. Warum sind sie damals nicht gleich mit der Bahnstrecke abgebaut worden?"

Karl Pöhlmann (78), früherer zweiter Bürgermeister und langjähriger Gemeinderat, sieht es ähnlich: "Es kann nicht sein, dass auf der aufgelassenen Bahnstrecke die Möglichkeit des Radwegs nicht genutzt wird, weil es aus finanziellen Gründen scheitert. Ich bin der Meinung, es muss machbar sein, weil dieser Radweg die Staatsstraße 2182 und 2183 berührt und auch als staatsstraßenbegleitender Radweg eingeordnet werden kann. Deswegen müssten die Kosten über das Staatliche Bauamt Bayreuth abgewickelt werden. Das wurde auch schon einmal zugesagt."

Für Pöhlmann ist Schlömen künftig ein zentraler Punkt im Radwegenetz des Landkreises Kulmbach und zwar in Richtung Kulmbach, Bayreuth und Bad Berneck/Bischofsgrün. "Deswegen muss es das vorrangige Ziel aller Kommunalpolitiker sein, da eine zeitnahe Lösung herbeizuführen. Denn eines steht fest: Der Radtourismus nimmt ungeheuer zu. Da würde sich die Trasse zwischen Schlömen und Himmelkron anbieten. Sie ist ein Traum."

Mit Johannes Faßold (37) nimmt ein ausgesprochener "Rad-Freak" Stellung: Er bedauert, dass die Strecke stillgelegt wurde und das Thema die Gemeinden Himmelkron und Neuenmarkt schon einige Jahre beschäftigt: "Auch nach Trebgast geht ja auch nichts weiter. Ich finde es schwierig, den Radweg unten in der Au zu bauen. Da hängt ja noch sehr viel in der Luft wie das Flurneuordnungsverfahren und die Zustimmung der Grundstückseigentümer. Das stellt sich als ein größeres Projekt dar, das unabhängig von dem Radweg angegangen werden müsste. Zudem ist die Au ja häufig bei Hochwasser überschwemmt."

Und weiter sagt Faßold: "Erst in den 80er-Jahren wurde die alte Bahnstrecke hergerichtet und eine neue Flutbrücke eingebaut. Es wäre für mich verschwendetes Geld, wenn man auf der Bahntrasse nichts macht. Dass man jetzt davon abrückt, das verstehe ich nicht . Es gibt klare Eigentumsverhältnisse und die Brücken sind in Schuss. "

Kein Verständnis zeigt der Berufsschullehrer dafür, dass die Gemeinde für die Kosten des Rückbaues der Signale aufkommen soll: "Das sind Kosten, die alleine die Bahn betreffen, denn das eine hat mit dem anderen nichts zu tun."

Die Gemeinde Himmelkron hatte bereits vor mehreren Jahren den Grund der alten Bahntrasse von der DB AG erworben, in der Annahme, dass auch die Nachbarn aus Neuenmarkt die Trasse kaufen. Nachdem Himmelkron von den Problemen der Nachbargemeinde gehört hat, wurde nach einer Alternativlösung gesucht. Ein Radweg parallel zur Baille-Maille-Allee. Das Geld für den Grunderwerb der Bahntrasse hätte Himmelkron umsonst ausgegeben. Es sei denn, die Gemeinde Neuenmarkt schafft es doch noch, die Bahntrasse als Radweg auszubauen.

Bürgermeister Gerhard Schneider sagt: "Wir müssten das vom Gemeinderat wieder neu beschließen lassen, aber ich denke, wir wären bereit, auch die Rolle rückwärts zu machen."

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Werner Reißaus
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Veröffentlicht am:
02. 12. 2017
00:00 Uhr

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Werner Reißaus

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Veröffentlicht am:
02. 12. 2017
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