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Kulmbach

Bella Italia: Eine Kulmbacherin in den Marken

Die gebürtige Kulmbacherin Ulla Kastner wohnt seit 15 Jahren in den Marken, eine Region an der Ostküste Mittelitaliens. Die 61-Jährige arbeitet dort als Reiseveranstalterin und -führerin. Ihre Begeisterung für Land und Leute gibt sie an Touristen weiter. Die Frankenpost hat Kastner besucht und in dem Teil Italiens einiges erlebt, der vielen Deutschen unbekannt ist.



Bella Italia: Die Marken
Sind auch privat gerne in den sibillinischen Bergen: Ulla Kastner und ihr Lebensgefährte Pietro.   Foto: Georg Jahreis

Unbekannt und harmonisch

In Italiens Marken gibt es viel zu entdecken: grüne Hügel und eine Akkordeon-Stadt. Die Region ist für eine Bierstädterin zur neuen Heimat geworden.

Cupra Marittima/Kulmbach – Seit 2002 wohnt Ulla Kastner in der Mitte Italiens, genauer gesagt in Cupra Marittima, in den Marken, einer Region an der Ostküste des Landes am Mittelmeer. Dort arbeitet
sie als Reiseveranstalterin und zeigt den Touristen ihre zweite Heimat. Aufgewachsen ist Kastner in Kulmbach.

22.12.2017 - Bella Italia: Die Marken - Foto: Georg Jahreis

Bella Italia: Die Marken
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Ende der 90er-Jahre sei sie mit ihrem damaligen Ehemann zum ersten Mal im Urlaub in den Marken gewesen. „Ich wusste sofort: Hier bin ich daheim“, sagt sie. Damals arbeitete sie noch im Vertrieb einer Möbelfirma in Deutschland. Kurze Zeit später, mit Mitte vierzig, entschied sich Kastner, für das, was viele andere Menschen scheuen: noch mal neu anzufangen, allein, ohne ihren Ehemann, von dem sie sich getrennt hatte. Sie wanderte nach Italien aus und machte sich als Reiseveranstalterin selbstständig. Heute führt die 61-Jährige ihr Unternehmen UHK Spezialreisen Italien, das sogar die Zeitschrift „Geo“ in ihrer Reiseausgabe für Mittelitalien als Tipp für die Marken aufführt.

Kastner organisiert Bustouren, Kulturreisen und Kochkurse, unter anderem im Latium, Umbrien oder der Emilia Romagna. Am liebsten zeigt sie den Touristen aber die Region, in der sie selbst lebt: die Marken. Das, wie Kastner sagt, „unbekannte Italien“ habe sehr viel zu bieten: Firmen, die ihr Handwerk noch richtig ausübten, wie die zahlreichen Schuh- und Huthersteller, historische Architektur und kulinarische Raffinesse. Aber auch künstlerische Besonderheiten. Da gibt es zum Beispiel „Villa in Canto“, eine Musikerformation, die an ungewöhnlichen Orten wie zum Beispiel in einer Hotellounge berühmte Stücke aus Verdi- und Puccini-Opern darbietet. Der musikalische Leiter, Riccardo Serenelli, hat professionelle Opernsänger der Region zusammengeführt, die bei „Villa in Canto“ Konzerte in Wohnzimmeratmosphäre geben. Heute sitzt Serenelli am Piano, Martina Malatini und Renato Cordeiro singen und bringen mit ihren wuchtigen Stimmen die Lobby des gesamten Hotels zum Schwingen, inklusive die Herzen der Zuhörer. Klassikhochgenuss hautnah. Der passende Wein zum musikalischen Abend stammt aus der einheimischen Pecorino-Traube aus der Weinstadt Offida.

Zwischen den vielen schmucken Städten der Marken findet man direkt neben der Küste vor allem eine beeindruckende Hügellandschaft. Auf den Feldern an den Hängen stehen vereinzelt alte Bauernhäuser und grüne Olivenbäume. „Die Landwirte haben ihre Häuser mitten ins Feld gebaut“, sagt Kastner. Ihr zufolge stehen die Olivenbäume deshalb unter Schutz, weil sie den Lössboden zusammenhalten. Von oben betrachtet wirkt das Felder-Hügelpanorama wie ein Flickenteppich. „Flurbereinigung kennen wir hier nicht“, sagt Kastner und lächelt dabei. Ganz ernst ergänzt sie:„Ich lebe hier im Paradies. Hier hat man keine Eile und nicht den Eindruck, als ob man im 21. Jahrhundert leben würde.“ Durch die zahlreichen Hügel gibt es in den Marken viele Orte, von denen man eine beeindruckende Aussicht hat. Die Landschaft wirkt harmonisch.

 

Sanft und edel

Trotz der harmonischen Landschaft hat in der Region jedes Städtchen seine Eigenheiten. Im knapp 40.000 Einwohner großen Fermo trifft Tradition auf Moderne: Da sind die Mauern aus der Römerzeit oder eines der rund 180 traditionellen Theater, die es in den Marken gibt. In den historischen Gebäuden leben die Menschen von heute: Der Kulturbeauftragte der Stadt bekennt sich offen zu seiner Homosexualität. Bei seiner Hochzeit war sein Chef, Fermos Bürgermeister, Trauzeuge – im ländlich geprägten, katholischen Italien alles andere als selbstverständlich.

Die meisten Menschen des schmucken Städtchens Castelfidardo haben eine gemeinsame Leidenschaft: den Bau von Akkordeoninstrumenten. Im Akkordeon-Museum sind viele der Instrumente ausgestellt, die bereits Schauspieler wie Adriano Celentano in Filmen in den Händen hielten. Akkordeonbauer Giancarlo Francenella hat es mit seinem Musikinstrument sogar bereits ins Guinessbuch geschafft. Rund 2,50 Meter groß ist das gute Stück. „Man braucht mindestens zwei Leute, um spielen zu können“, sagt Kastner.

Groß daher kommen auch die sibillinischen Berge. Dieser Teil der Apenninen ist aber weniger spitz und schroff als beispielsweise die Gletscher der Alpen. Die Berge wirken sanfter, gleichmäßiger. „Die Natur hier ist teilweise vollkommen unberührt. Man kann tagelang wandern, ohne einem Menschen zu begegnen“, erläutert Kastner. Die Bewohner der Bergdörfer litten im vergangenen Jahr sehr, als mehrere schwere Erdbeben die Region heimsuchten. Nur ein Ergebnis der Erdstöße ist eine in sich zusammengestürzte Kirche. „Es ist die älteste Kirche hier in den Bergen“, sagt Pietro. Der Lebensgefährte von Ulla Kastner ist in den sibillinischen Bergen groß geworden und wohnt immer noch hier.

In den sibillinischen Bergen betreibt auch Silvio Antognozzi sein Country-House. Englische, belgische und österreichische Touristen übernachteten und speisten bei ihm häufig. „Aber natürlich auch
die Deutschen“, ergänzt Antognozzi. Das Erdbeben im vergangenen Jahr habe danach viele Touristen verschreckt. „Das war eine Katastrophe, auch für mein Geschäft“, sagt Antognozzi. In dieser Saison kämen die Touristen wieder – kein Wunder, der Blick auf die Berge vom Swimmingpool des Country-Houses aus ist phänomenal. „Eine Journalistin vom ‚Guardian‘ war hier und von der traumhaften Aussicht begeistert“, sagt Kastner.

Im Tal widmet sich Frantoio Agostini einer italienischen Spezialität: dem Olivenöl. Der Produzent stellt im Jahr mit seiner Firma zirka 200.000 Liter Öl her. „Mein Opa hat bereits Öl hergestellt. Damals hat noch ein Esel die schweren Graniträder in Bewegung gesetzt, um die Oliven zu pressen“, sagt Agostini. Er selbst arbeite heute mit Computertechnik.

Agostini hat für seine hochwertigen Öle schon zahlreiche Preise erhalten, unter anderem von der deutschen Gourmet-Zeitschrift „Der Feinschmecker“. „Man darfOlivenöl nicht als bloßes Fett sehen. Olivenöl ist bei uns ein Grundnahrungsmittel“, erläutert Agostini.

So exquisit seine Öle, so edel ist die Hotelanlage von Franco Aureli. Zahlreiche Suiten sind in den Gebäuden zu finden, jede individuell gestaltet. „Dort wo heute die Hotelsuiten sind, war vor 150 Jahren ein Pferdestall.“ Der Hotelier zeigt auf eines der Häuser.

Voller Begeisterung und Akribie stellt Ulla Kastner ihre Wahlheimat vor. „Hier gibt es noch viel mehr zu sehen“, sagt sie. „Man müsste hier eigentlich mindestens drei Monate Urlaub machen.“

Autor
Georg Jahreis

Georg Jahreis

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Veröffentlicht am:
22. 12. 2017
16:06 Uhr

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Georg Jahreis

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Veröffentlicht am:
22. 12. 2017
16:06 Uhr



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