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Kulmbach

Bilderrätsel aus dem Barock

Der Langheimer Amtshof ist eines der prächtigsten Gebäude in Kulmbach. Das Wappen im Innenhof wirft so manche Fragen auf.



Nur schwer zu verstehen ist das Wappen des Abtes Gallus Knauer im Langheimer Amtshof. Foto: Erich Olbrich
Nur schwer zu verstehen ist das Wappen des Abtes Gallus Knauer im Langheimer Amtshof. Foto: Erich Olbrich  

Kulmbach - In den Jahren 1691 bis 1694 ist der Langheimer Amtshof in Kulmbach als Sitz des Klosteramtsmanns entstanden. Errichten ließ ihn der baufreudige Abt Gallus Knauer nach Plänen von Leonhard Dientzenhofer. Der prachtvolle Barockbau ist noch heute eine Zierde der Stadt.

Darin wohnten zwei Amtsleute des Klosters, Bruder Waldmeister und Bruder Hofmeister, mit ihrem Gesinde. Von Kulmbach verwalteten beide die ausgedehnten Klosterwälder und Besitztümer des Klosters Langheim. In dem Gebäude mit seinem mehrgeschossigen Anbau und großen Böden und Kellern wurden die Naturalabgaben der Klosteruntertanen gespeichert. Schließlich gab es in der Markgrafschaft Klostergut in 53 Dörfern.

Im Innenhof des Amtshofes, an der Ostseite am Obergeschoss, befindet sich das Wappen eines bedeutenden Abtes von Kloster Langheim. Aus der Inschrift ist zu erfahren, dass es das Wappen des oben erwähnten Abtes Gallus Knauer, ist. Dieser war ein Neffe des berühmten Abtes Dr. Mauritius Knauer (Moritz), der vor allem als Verfasser des sogenannten Hundertjährigen Kalenders bekannt wurde. Gallus Knauer wurde 1690 zum Abt von Kloster Langheim gewählt. Er starb im Jahr 1728. Sein Grabstein ist im Schlösschen in Trieb/Lichtenfels, als einziger eines Langheimer Abtes erhalten, jedoch wurde es im entscheidenden oberen Teil zerstört.

Die rechte Schildhälfte des Wappens, vom Betrachter aus die linke, zeigt das Langheimer Klosterwappen, einen Kelch, aus dem ein Krummstab wächst sowie das Zeichen eines Bischofs oder Abtes.

Die andere Hälfte zeigt das Knauersche Familienwappen. Einen steilen dreieckigen Berg, der mit Blütenzweigen geziert ist und an dessen Seiten sich zwei Löwen aufrichten. Über dem Doppelwappen ist der Kopf eines Mannes angebracht, der eine Bischofsmütze trägt, vermutlich ein Bildnis des Erbauers Gallus. Die Äbte des zu den Benediktinern gehörigen Zisterzienserordens waren als Fürsten geistlichen Standes berechtigt, eine Bischofsmütze als Zeichen ihrer Macht zu tragen.Die lateinische Inschrift lautet:

sVb LangheIMensI prae

Claro praes VLe GaLLo

haeCeXstrVCta fVIt

CVrIa tota no Va

Anno DNI

16 94

Die Übersetzung ist zu finden in dem Buch von Erwin Hermann "Geschichte der Stadt Kulmbach":

Sub Langheimensi praeclaro

praesule Gallo

Haec exstructa fuit

curia tota Nova

Anno Domini 1694

(unter dem berühmten) Langheimer Abt Gallus wurde diese ganze neue Kurie erbaut. Im Jahre des Herrn 1694).

Eine kleine geänderte Übersetzung findet sich bei Helmut Haas "Kirchliche und herrschaftliche Bauinschriften in Kulmbach":

Unter dem vortrefflichen

Langheimer Vorsteher

Gallus ist dieser Amtshof ganz neu erbaut worden im

Jahre des Herrn 1694

Die Bauinschrift ist eine, als ein Chronogramm eingehauene Frakturschrift. Ein Chronogramm ist ein Spruch, in dem alle Buchstaben, die gleichzeitig einen römischen Zahlenwert besitzen, größer dargestellt sind. M = 1000, C = 100, L = 50, X = 10, V = 5, I = 1.

Ordnet man nun die im Text enthaltenen, als Zahlzeichen lesbaren Buchstaben,

VLIMICLVLLLCXVCVICVIV

so ergibt sich

M CCCC LLLLL X VVVVVV IIII =

1000 + 400 + 250 + 10 + 30 + 4 = 1694

Ein ähnliches Chronogramm aus etwas späterer Zeit ist über dem Portal der Spitalkirche zu lesen. Chronogramme wurden an Bau- und Kunstdenkmälern, auf Münzen und Medaillen sowie in Hand- und Druckschriften angebracht.

Sie kamen im Mittelalter auf und waren besonders in der Renaissance- und Barockzeit beliebt. Ihre Blütezeit erlebte die Verschlüsselungstechnik in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die Anwendung breitete sich in ganz Europa aus.

Nach dem Übergang der fränkischen Markgrafschaft 1792 an Preußen, blieb der Amtshof zunächst bestehen. Erst 1797 erfolgte eine Staatsvereinfachung und nach preußischem Vorbild wurden ein Kammer- und ein Justizamt errichtet.

Obwohl Kloster Langheim mit dem Fürstbistum Bamberg 1801 an Bayern gelangte, wurden die auf preußischem Territorium liegenden Besitzungen dem preußischen König überlassen. Da keine katholischen Gottesdienste mehr gehalten werden durften, verloren die beiden Kulmbacher Klostergeistlichen ihre Ämter und verließen die Stadt.

Der Langheimer Amtshof wurde ab 1803 Rentamt, später Finanzamt (bis 1965). Heute befindet sich hier die Akademie für Neue Medien, eine Schule für Pharmazeutisch-Technischen Assistenten, kurz PTA und eine Forschungsstelle der Universität Bayreuth für Raumplanung.

Autor

Erich, Marcus Olbrich
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Veröffentlicht am:
19. 01. 2020
16:16 Uhr

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Erich, Marcus Olbrich

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Veröffentlicht am:
19. 01. 2020
16:16 Uhr



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