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Kulmbach

Bioland warnt vor Angstmache

Die Öko-Erzeuger treten dem Bauernverband in Sachen Volksbegehren "Rettet die Bienen" entgegen. Sie werfen dem BBV falsche Behauptungen vor.



Eckersdorf/Mainleus - In der Landwirtschaft besteht schon lange keine Einigkeit mehr darüber, wie Natur und Umwelt am besten geschützt werden. Nun ruft der Bioland-Verband seine Mitglieder auf, sich am Volksbegehren "Rettet die Bienen" zu beteiligen. Der Bauernverband macht dagegen von Anfang an Front.

Rainer Linn betreibt die Bio-Imkerei in Forst bei Eckersdorf. "Ich habe am Freitag vor einer Woche unterzeichnet", sagt der 68-Jährige. Dafür nennt er einen einfachen Grund: "Das Volksbegehren gibt einen Anstoß dafür, etwas anders zu machen." Linn nennt Beispiele. Er spricht über die Gülle auf den Wiesen, die Lurchen und Fröschen den Garaus macht. Linn kritisiert auch die Praxis, Wiesen zu walzen, damit sie besser gemäht werden können. "Das macht im besten Sinne des Wortes alles platt, was dort vorher gelebt hat", sagt der Imker.

Zu den Zielen des Volksbegehrens bekennt sich auch Jürgen Öhrlein, der seinen Bioland-Hof bei Mainleus betreibt. "Die heutige Landwirtschaft hat sich gegen die Natur entwickelt", fasst er zusammen. Immer größere Flächen würden immer intensiver bewirtschaftet. Das funktioniere nicht ohne Glyphosat und Dünger. Während eine Wiese früher zweimal jährlich gemäht wurde, könne heute fünfmal gemäht werden. Dieses Wirtschaften werde zum Problem für die Bauern. Doch über solche fachlichen Fragen streiten Bioland und der Bauernverband schon gar nicht mehr. Der Landesvorstand von Bioland reagiert nun mit einem offenen Brief auf die Initiativen des Bayerischen Bauernverbands, BBV, gegen das Volksbegehren. In dem Schreiben wirft Bioland dem Bauernverband Falschbehauptungen vor.

Aus Sicht von Bioland Bayern ist es nicht hinnehmbar, dass der BBV mit Anzeigen und in Videos die möglichen Auswirkungen des Volksbegehrens bewusst falsch interpretiere. "Wir sehen uns gezwungen, wichtigen Fehlinterpretationen des Bauernverbands zu widersprechen", schreibt der Bioland-Landesvorstand. Genannt werden die "staatlich verordnete Öko-Quote" und "eingeschränkte Kulap-Zahlungen". Dem hält der Vorstand entgegen, die Märkte für Öko-Lebensmittel entwickelten sich kontinuierlich, weil die Verbraucher mehr heimische Bioprodukte verlangten. Es sei zudem unbegründete Angstmache, beim Umbau der Landwirtschaft zu mehr Bio-Erzeugung gehe staatliche Förderung verloren. Freiwillig erbrachte Umweltleistungen wie der ökologische Anbau würden auch künftig von der EU unterstützt. Am Ende des offenen Briefs warnt Bioland den Bauernverband vor Stimmungsmache gegen das Volksbegehren. Das säe nur Zwietracht unter den Landwirten.

Bioland Bayern ist einer der 170 Bündnispartner beim Volksbegehren. Drei weitere Mitglieder des Landesvorstandes wollen ihre Mitgliedschaft im Bauernverband wegen des Verhaltens des BBV kündigen. Die Bioland-Mitglieder werden aufgefordert, sich in die Listen einzutragen. "Bislang sind erst die Hälfte der benötigten Unterschriften zusammen gekommen", sagt die Pressesprecherin Katja Gilbert in Augsburg. Jede Unterschrift zähle.

Dass noch viele Unterzeichner fehlen, hängt vielleicht auch mit der Haltung vieler Bürger zusammen. Jedenfalls ist der Imker Rainer Linn über die weitverbreitete Unkenntnis junger Leute erstaunt: "Ich wundere mich darüber, dass junge Leute nicht erkennen, dass es um ihre Zukunft geht."

Sorgen um die Zukunft macht sich auch Josef Schmidt, der seinen Rinderbetrieb in Erbendorf betreibt. "Wir brauchen eine enkelfähige Landwirtschaft", sagt der 36-Jährige. Die Funktionäre des Bauernverbands müssten sich eingestehen, dass die Verbandspolitik der vergangenen 50 Jahre zur aktuellen Misere beigetragen habe. "Die Kritik des BBV am Volksbegehren ist an den Haaren herbeigezogen", sagt Schmidt.

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Udo Bartsch
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Veröffentlicht am:
10. 02. 2019
17:06 Uhr

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10. 02. 2019
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