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Kulmbach

"Bonsai" sucht neue Wurzeln

17 Jahre lang hat Stefan Lehner das Jugendzentrum in Kulmbach geleitet. Den Umzug in den Bahnhof macht er noch mit. Zum Jahresende hat der 44-Jährige gekündigt.



Riesig viel Platz, immer wieder viel los: In der "alten Spinnerei" hat Stefan Lehner als Leiter des Jugendzentrums nicht nur mit der Wichtelwerkstatt (Foto) Veranstaltungen aufgezogen, die bei Kindern und Jugendlichen gut ankamen. Im neuen JUZ im Bahnhof wird es Sache eines neuen Teams sein, die offene Jugendarbeit in Kulmbach fortzuführen. Stefan Lehner verlässt nach 17 Jahren seine Stelle und den öffentlichen Dienst und fängt neu an. Foto: Archiv/Gabriele Fölsche
Riesig viel Platz, immer wieder viel los: In der "alten Spinnerei" hat Stefan Lehner als Leiter des Jugendzentrums nicht nur mit der Wichtelwerkstatt (Foto) Veranstaltungen aufgezogen, die bei Kindern und Jugendlichen gut ankamen. Im neuen JUZ im Bahnhof wird es Sache eines neuen Teams sein, die offene Jugendarbeit in Kulmbach fortzuführen. Stefan Lehner verlässt nach 17 Jahren seine Stelle und den öffentlichen Dienst und fängt neu an. Foto: Archiv/Gabriele Fölsche  

Kulmbach - Er ist eine Institution in der Stadt Kulmbach und im ganzen Landkreis. 17 Jahre lang hat Stefan Lehner, den in Kulmbach die meisten Menschen unter dem Spitznamen "Bonsai" kennen, das Jugendzentrum geleitet. Ende dieses Jahres wird die Ära "Bonsai" in der offenen Jugendarbeit in Kulmbach zu Ende gehen. Der 44-Jährige hat bei Landrat Klaus Peter Söllner seine Kündigung eingereicht und will noch einmal etwas ganz Neues anfangen. In die freie Wirtschaft werde er gehen, sagte Stefan Lehner im Gespräch mit der Frankenpost. Wo das sein wird, lässt Stefan Lehner vorerst noch offen.In welcher Branche sich der gelernte Schreiner und Erzieher zukünftig engagieren will, hat er aber schon verraten: Lehner zieht es in die IT-Branche und damit völlig weg von der Sozialarbeit. Landrat Söllner sieht Lehner nur ungern gehen. Für ihn, sagte Söllner, sei Lehners Kündigung überraschend gekommen. Er könne aber auch den Wunsch nach einer beruflichen Neuorientierung verstehen.

In bestem Einvernehmen habe er mit Stefan Lehner in all den Jahren zusammengearbeitet, betont der Landrat. "Er hat mit Jürgen Ziegler und dem Kreisjugendring zusammen viel Gutes bewirkt und viel Neues mit eingeführt." Söllner denkt dabei unter anderem an das Erfolgsprojekt "Zukunftswerkstatt", für das der Kreisjugendring ausgezeichnet wird und das inzwischen auch in anderen Regionen als Vorbild dient. Lehner habe das Kulmbacher Jugendzentrum, das Stadt und Landkreis Kulmbach gemeinsam finanzieren, erfolgreich geführt und über Jahre wesentlich geprägt.

Er habe für sich selbst erkannt, dass er persönlich nicht mehr das erreichen kann, was er als Richtwert für eine gute, offene Jugendarbeit sieht, sagt Stefan Lehner. Der Ehemann und Vater von drei Kindern hat abgewogen: "Bis in die Nacht hinein ein Konzert veranstalten und dann morgens gleich wieder raus, da bin ich familiär zu sehr gebunden." Ein Jugendzentrum zu leiten ist ein harter Job mit unregelmäßigen Arbeitszeiten. Wenn dann noch, wie im vergangenen Jahr, die zweite pädagogische Kraft ausfällt, gehe das auf die Knochen, sagt Lehner. Er wolle kürzer treten. Manchmal sei es auch nicht so einfach, als "Jugendarbeiter" Positionen zu vertreten, die andere so nicht akzeptieren. Die Schwerpunkte in der künftigen Jugendarbeit seien anders gesetzt worden als er sich das vorgestellt habe.

Nachdem nun eh eine neue Kraft gesucht und am neuen Standort ganz Neues entwickelt werden soll, habe er sich entschieden: "Es ist sinnvoll, zu sagen, man beginnt am neuen Ort auch mit einem ganz neuen Team." Worauf Stefan großen Wert legt: "Es war für mich an der Zeit, aufzuhören, aber ich gehe nicht aus Groll. Für mich ist es an der Zeit, einen neuen Schritt zu gehen." Mit dem Kreisjugendring, dem Landratsamt und vor allem auch Landrat Klaus Peter Söllner, das betont Stefan Lehner ausdrücklich, sei er immer bestens ausgekommen. "Mit meinem Landrat konnte ich immer reden."

Der "Alten Spinnerei" am neuen Standort wünscht Stefan Lehner alles Gute. Er ist sicher: "Das Haus hat Potenzial. Daraus kann etwas richtig Positives werden. Aber das muss jetzt mal jemand anderes machen."

Wie es jetzt weitergeht muss noch entschieden werden. Sicher ist, dass das neue Jugendzentrum im Bahnhof wohl mit einer ganz neuen hauptamtlichen Mannschaft durchstarten wird. Die zweite pädagogische Kraft, die bisher in der Einrichtung gearbeitet hat, ist in Mutterschutz. Auch diese Stelle ist vakant. Wie zu erfahren war, gibt es nun Überlegungen, gleich beide Positionen zusammen auszuschreiben. Das ist allerdings noch nicht erfolgt. Stefan Lehner hat seine Kündigung erst vor wenigen Tagen ausgesprochen. Spätestens Ende dieses Jahres wird "Bonsai" ausscheiden. Bis dahin arbeitet er weiter an der Gestaltung der neuen Räumlichkeiten.

"Die Aufbauarbeiten für das neue JUZ im Bahnhof gehen Stück für Stück voran", berichtet der Kreisjugendring. In diesen Tagen werden Umzugskartons im ehemaligen Bahnhofsrestaurant "Bockela" ausgepackt. Mit Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern ist die Licht- und Tonanlage in der künftigen Disco installiert worden. Auch etliche Möbel sind schon aufgebaut. Worauf die Mannschaft noch wartet ist die Theke. Die konnte aus dem alten JUZ nicht mitgenommen werden. Eine neue wird sie ersetzen.

Ein Termin für die Eröffnung des neuen Jugendzentrums, das trotz seiner neuen Location im Bahnhof weiterhin "Alte Spinnerei" heißen wird, ist noch nicht festgelegt. Trotzdem steht bereits fest, dass für den 1. September auch die Stelle im FSJ-Kultur in der "Alten Spinnerei" neu besetzt werden muss. Das Kinder- und Jugendkulturzentrum ist aktuell auf der Suche nach jungen engagierten Menschen für ein Freiwilliges Soziales Jahr im Bereich Kultur. Der Kreisjugendring wirbt um Interessenten: "Die Chance sich ein Jahr Zeit zu nehmen, sich neuen Herausforderungen zu stellen, neue Erfahrungen zu sammeln, sich sozial zu engagieren, sich zu orientieren, sich persönlich weiterzuentwickeln und weitere Ziele zu stecken."

Die "Alte Spinnerei" bietet ein vielfältiges, abwechslungsreiches und einzigartiges Einsatzspektrum im Bereich der Kinder- und Jugendkulturarbeit, steht auf der Homepage der Einrichtung. Es reiche von Ferienangeboten für Kinder und Jugendliche bis zu Konzertveranstaltungen, vom Arbeiten in der Werkstatt bis zum Tonstudio, Mitarbeit im HaLT-Präventionsprojekt bei Seminaren und in der Softbar und ganz besonders im Einsatzjahr 2019/20 Mitwirkung bei Aufbau und Ausgestaltung der "Alten Spinnerei" in den neuen Räumlichkeiten des Bahnhofs. Das Motto, das sich die Macher selbst gegeben haben: "Entdecke die Möglichkeiten".

Rund 20 000 Besucher zählt das JUZ durchschnittlich jedes Jahr. 2017 haben laut dem Jahresbericht des Kreisjugendrings beispielsweise 11 000 junge Leute den offenen Betrieb aufgesucht. 6600 Menschen nutzten die Räume als sogenannte "Dritte". Weitere 3500 Menschen kamen, weil der Kreisjugendring oder die Landkreisjugendarbeit Veranstaltungen angeboten hatten.

Wehmut, hat Kreisjugendpfleger Jürgen Ziegler gesagt, als der Umzug von der Spinnerei in den Bahnhof begonnen hatte, sei schon da. Aber man sei auch gespannt auf das Neue. Als Jürgen Ziegler das im Februar geäußert hat, dachte er sicher nicht daran, dass das nicht nur für die neuen Räume gelten würde, sondern auch gleich noch für ein völlig neues Team, das im Hauptamt die Kinder und Jugendlichen im JUZ betreut.

Autor

Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
02. 07. 2019
17:46 Uhr

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Melitta Burger

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02. 07. 2019
17:46 Uhr



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