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Kulmbach

Borkenkäfer bedrohen den Wald

Trockenheit und Wärme haben es den Käfern ermöglicht, sich massenhaft zu vermehren. Im Landkreis Kulmbach wurde deshalb jetzt Alarm ausgelöst.



Man sieht es dem kleinen Tierchen nicht an, welchen Schaden es anrichten kann. Borkenkäfer haben sich massiv vermehrt. Foto: Matthias Hiekel/dpa
Man sieht es dem kleinen Tierchen nicht an, welchen Schaden es anrichten kann. Borkenkäfer haben sich massiv vermehrt. Foto: Matthias Hiekel/dpa  

Stadtsteinach - Wird der Schaden, den Borkenkäfer im vergangenen Jahr in den Wäldern im Landkreis Kulmbach angerichtet haben, in diesem Jahr noch größer? Das könnte durchaus sein, sagt der stellvertretende Leiter des Stadtsteinacher Forstamts, Gerhard Lutz. Durch die warme, trockene Witterung seien die Käfer in diesem Jahr noch früher dran als 2018. "Wenn es keine Niederschläge gibt, wird es noch schlimmer als letztes Jahr. Für die Kommunionkinder war das sommerliche Wetter schön. Für den Wald leider nicht."

Die Förster des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten haben auf die lauernde Gefahr reagiert und die Ampeln sprichwörtlich auf rot gesetzt. In den Landkreisen Kulmbach und Kronach wurde vor Kurzem die Borkenkäferwarnstufe angehoben. "Wir haben die zweithöchste Warnstufe. Aufgrund der aktuellen Temperaturen wird der Borkenkäfer nun aus seinem Winterschlaf erwachen. In den wärmebegünstigten Lagen, das heißt, in niedrigeren Höhenlagen und Südlagen, erwarten wir den ersten Schwarmflug. Zeitverzögert wird es in den kälteren Lagen losgehen", weist Dr. Michael Schmidt, Bereichsleiter Forst, auf die bedrohliche aktuelle Lage hin. Ganz Oberfranken erweist sich in diesem Frühjahr als Schwerpunktgebiet für Borkenkäferbefall in Bayern. Auf dem Internetportal borkenkaefer.org kann sich jeder Interessierte über die Lage informieren.

Das Vermehrungspotenzial der Käfer ist enorm. Einige hundert Käfer reichen schon aus, um eine Fichte so sehr zu schädigen, dass sie stirbt. Wenn der Baum zum Beispiel durch Trockenheit schon geschwächt ist, geht es noch schneller. Mit diesem Wissen sind die folgenden Zahlen besonders erschreckend: Aus einer befallenen Fichte schwärmen mindestens 20 000 Käfer aus, 50 Prozent davon sind männlich. Diese 10 000 männlichen Käfer können bis zu 20 benachbarte Bäume befallen. Daraus werden 400 000 Käfer, 200 000 davon männlich. Wenn sie alle ausschwärmen, sind bereits 400 Fichten befallen. Die Weibchen folgen den Männchen nach, um die nächste Käfergeneration zu erzeugen. Die Horrorvision ist durchaus realistisch. Nach wie vor mangelt es dem Wald an genügend Wasser. Die Bäume konnten sich nach dem heißen und trockenen Sommer bis jetzt nicht richtig erholen. Das sind ideale Voraussetzungen für die Käfer. Der hat es im vergangenen Sommer geschafft, drei Generationen an Nachkommen zu produzieren. Der Fichtenwald hat dem kaum etwas entgegenzusetzen.

Folgerichtig haben die Forstbehörden jetzt alle Waldbesitzer aufgerufen, Bäume, die von Käfern befallen sind, schnellstmöglich zu entfernen. Doch da taucht das nächste Problem auf, weil Förster Gerhard Lutz. Viele private Waldbesitzer seien in einem Alter, in dem sie selbst kaum mehr im Wald arbeiten können. Wieder andere Wälder gehören Erben, die selbst nicht mehr in der Nähe wohnen und damit auch keine Waldarbeiten verrichten können. Die Lösung, Fremdarbeiter einzusetzen, kann laut Gerhard Lutz leider auch nicht einfach greifen. Für die vielen Einsatzorte gibt es zu wenige Waldarbeiter. "Wenn es überall brennt, kann man nicht alles gleichzeitig löschen." Die Vorzeichen, sagt Dr. Michael Schmidt, seien denkbar ungünstig.

Wenn eine Fichte von Borkenkäfern befallen ist, erkennt man das an dem braunen Bohrmehl, das sich am Stammfuß und den Wurzelanläufen der Bäume sowie hinter den Rindenschuppen sammelt. Die Waldbesitzer müssen ihre Waldbestände regelmäßig und bei geeigneter Witterung auf Neubefall kontrollieren. Dazu sind die Waldbesitzer auch gesetzlich verpflichtet. "Diesen ersten Befall müssen wir finden und die befallenen Bäume sofort entnehmen. Von der Eiablage bis zum Ausflug der Jungkäfer bleiben uns etwa sechs bis acht Wochen. Diese erste Generation zu erwischen, ist extrem wichtig. Diese Chance müssen wir nutzen", macht Schmidt deutlich.

Das entnommene Holz müsse entweder mitsamt der Brut entrindet oder aus dem Wald gebracht werden. Wer käferbefallenes Holz lagert, müsse darauf achten, dass es mindestens 500 Meter vom Wald entfernt abgelegt wird. Wo eine rasche Abfuhr nicht möglich ist, müsse das Holz chemisch mit einem zugelassenen Insektizid behandelt werden. Dabei seien die einschlägigen Vorschriften zu beachten, informiert das Forstamt. Äste und Kronenteile sollten gehäckselt werden, raten die Experten. Das Verbrennen des Giebel- und Reisigmaterials komme aus Gründen der aktuellen hohen Waldbrandgefahr nicht in Frage. Die Förster stehen den Waldbesitzern zur Beratung zur Verfügung. Auch Sammelberatungstermine sind vorgesehen.

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Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
23. 04. 2019
17:54 Uhr

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23. 04. 2019
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