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Kulmbach

Brauerei Haberstumpf in der Krise

Bier aus Trebgast hat einen hervorragenden Ruf. Aber ob es jemals wieder gebraut wird, steht im Moment auf der Kippe.



Hans Wernlein in besseren Zeiten. Das Trebgaster "Zwick'l" fand überall Anerkennung. Foto: Archiv
Hans Wernlein in besseren Zeiten. Das Trebgaster "Zwick'l" fand überall Anerkennung. Foto: Archiv   » zu den Bildern

Trebgast - Der Regierungsbezirk Oberfranken hat die größte Brauereidichte der Welt. Das hat sie den noch zahlreichen Kleinbrauereien zu verdanken. Doch die müssen hart kämpfen, um auf dem Markt zu bestehen - und das klappt nicht immer.

Lange Tradition

Die Brauerei Haberstumpf in der Trebgaster Bergstraße kann auf eine lange Geschichte mit Höhen und Tiefen zurückblicken. Ihr Ursprung geht auf das Jahr 1531 zurück. Wenn man die ersten Fotoaufnahmen von der Brauerei betrachtet, damals am Standort neben der Kirche, kann man sehen, dass die Sudstätte schon vor 120 Jahren für die damaligen Verhältnisse eine beachtliche Brauerei war. Zu dieser Zeit war das "Haberstumpf'sche Lagerbier" von den Einheimischen geschätzt und anerkannt. Besonders in den jährlichen Kirchweihanzeigen der heimischen Wirte wurde mit Stolz darauf hingewiesen, dass man das Bier der örtlichen Brauerei zum Ausschank brachte. Und als August Haberstumpf im Oktober 1919 aus der Kriegsgefangenschaft zurückkam, freute sich die gesamte Gemeinde, dass es nun bald wieder "einen guten edlen Tropfen aus der rühmlichst bekannten Brauerei Haberstumpf" geben wird.

 

Der Traditionsbrauerei Haberstumpf aus Trebgast geht es derzeit nicht gut. Sie hat ihren Braubetrieb vorübergehend eingestellt. Im Landkreis Kulmbach, die Stadt einmal ausgenommen, halten nun nur noch die Brauerei Schübel in Stadtsteinach und das Bräuwerck in Neudrossenfeld das Fähnchen der kleineren Brauereien aufrecht. In Kulmbach gibt es neben der "Kulmbacher" noch die Kommunbräu und das Wirtshaus "Zum Gründla", in dem Bier gebraut wird.

Einen kleinen Silberstreif am Horizont gibt es dennoch: Denn so schnell will Hans Wernlein, der "Bräu", nicht aufgeben. Er arbeitet an einem neuen Konzept. "Das jetzige 50-Hektoliter-Sudwerk ist zu groß", erklärt er. "Bei der ausgestoßenen Menge wird das Bier zu alt. Eine 20-Hektoliter-Anlage muss her. Wir brauchen auch neues Leergut. Und das kostet Geld."

Also sucht Wernlein nach Investoren, Enthusiasten, die ein handwerklich gebrautes Bier zu schätzen wissen. Erst gestern Nachmittag führte er ein Gespräch, das ihn sehr zuversichtlich stimmt. "Ich bin richtig erleichtert und sehe, dass es möglich ist die Brauerei zu halten. Nach dem Gespräch mit dem Investor schaut die Sache viel positiver aus als noch vor ein paar Tagen", sagte er unserer Zeitung gestern am Telefon.

Parallel zur Investorensuche laufen Verhandlungen mit einem jungen Braumeister, die vermutlich bald abgeschlossen werden können. "Der junge Mann ist schon am Sondieren und zeigt auf, wo wir investieren müssen", berichtet Wernlein.

Allein auf die Trebgaster Abnehmer verlassen will sich der "Bräu" aber nicht mehr. Er ist überzeugt, dass die künftigen Bier-Besonderheiten, zwei- bis viertausend Hektoliter will er im Jahr brauen, außerhalb der Region mehr Anerkennung erfahren werden als in Trebgast selbst.

Doch wie ist es zu der momentanen Krise in der Brauerei Haberstumpf gekommen? Wie anderen kleineren Brauereien setzten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahrzehnten auch der Brauerei Haberstumpf zu. Schon vor Jahrzehnten verlor die Brauerei bedeutende Lieferungen in die Kantinen der Großbetriebe (Eisenbahnkantinen in Neuenmarkt und Baugeschäfte). Dann begann in den 1970er- und 1980er-Jahren das Wirtshaussterben. Wichtige, werbewirksame Absatzstätten schlossen ihre Pforten. "Alle kleineren Brauereien haben darunter zu leiden, dass es immer weniger Gaststätten gibt", sagt Hans Wernlein. Im Umkreis von Trebgast habe ich rund 15 Wirtshäuser verloren, weil die Wirtsleute aufgegeben haben."

Die "Ersatzgastronomie", die neuen Vereinsheime, ignorierten Hans Wernlein und seine Brauerei. Kein Wunder. Die Vereine erhofften sich und erhielten auch vom Brauriesen aus der Kreisstadt finanzielle Unterstützung für die Einrichtung ihrer Ausschankstätten. Wernlein konnte da nicht mithalten, ist die Bierproduktion in einer kleinen Braustätte doch wesentlich kostenintensiver als in einer modernen Großbrauerei.

Und so kam es, wie es kommen musste: Bier aus Kulmbach gewann auch im Gemeindegebiet Trebgast die Oberhand. In der Gastronomie am Badesee kommt "Kulmbacher" zum Ausschank. Im Restaurant des Trebgaster Naturbühnen-Vereins gibt es nur Bier aus Kulmbach. Im Gasthof Friedrich wird vor allem "Mönchshof" ausgeschenkt. Von Haberstumpf fließt nur die Neben-Sorte "Hell" aus dem Hahn. Beim "Kufer", also in der "Dorfschänke", gibt es seit dem Einbau einer Scherdel-Theke kein Haberstumpf'sches Fassbier mehr. Haberstumpf-Bier beim TSV, Fehlanzeige, ebenso im Vereinsheim des Siedlervereins. Nur der Tennisklub hält dem einheimischen "Zwick'l"-Bier die Treue und natürlich gibt es in der Bräuschänke nach wie vor Haberstumpf-Bier. Wenn also schon in der eigenen Gemeinde der Rückhalt fehlt, dann wird es schwer für die Brauerei vor Ort.

Nun ist es nicht so, dass die Familie Wernlein die Hände in den Schoß gelegt hat. Sie versuchte ihr Heil in Innovationen im Spezialbierbereich. Ihr "Zwick'l", das Erste übrigens weit und breit, genoss allgemeine Anerkennung. Mit Bio-Bieren wollte man in eine Marktnische vorstoßen, und die Bockbiere stießen in den Saisonmonaten auf großen Zuspruch. Schließlich eröffnete die Braumeisterin und Nachfolgerin in der Wernlein-Dynastie, Yvonne Wernlein, die "Bräuschänke" auf dem Brauereigelände. Das neue Lokal erhielt jedoch nicht den erhofften Zuspruch, und so war man gezwungen, die rustikalen Wirtsräume zu vermieten. All das veranlasste Braumeisterin Yvonne Wernlein dazu, ihre Zelte in Trebgast abzubrechen und sich in Schottland eine neue Existenz aufzubauen. Sie arbeitet jetzt als Braumeisterin in der Fyne Ales Brewery in Cairndow am Loch Fyne an der Westküste Schottlands. Dort hat sie in der vergangenen Woche ihren ersten Sud angesetzt.

Der Trebgaster Bürgermeister Werner Diersch zeigte sich am Telefon überrascht von der Einstellung des Braubetriebes bei Haberstumpf. Er kenne "noch keine offizielle Verlautbarung", sagte er. Haberstumpf sei eine Brauerei mit langer Tradition und habe das Leben im Ort über Jahrhunderte begleitet. Die Einstellung des Brauereibetriebes bedauere er sehr. Er würde die Braustätte vermissen. Froh zeigte sich das Gemeindeoberhaupt, dass die Pizzeria in der ehemaligen Bräuschänke weitergeführt werde. Braumeisterin Yvonne Wernlein bescheinigte er, eine hervorragende Braumeisterin zu sein.

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Helmut Geiger

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Veröffentlicht am:
11. 08. 2017
18:09 Uhr

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Helmut Geiger

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Veröffentlicht am:
11. 08. 2017
18:09 Uhr



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