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Kulmbach

Burghaiger protestieren gegen Neubau

Mehr als 150 Menschen kamen trotz strömenden Regens zusammen. Sie sind gegen das Flachdach auf einem geplanten Wohnblock. Verhindern können werden sie es aber nicht.



Bauherr Maximilian Fiessmann (von links), Bürgermeister Dr. Ralf Hartnack und Veranstalter Dr. Ralf Kneitz sprachen zu den Burghaigern und beantworteten auch deren Fragen. Fotos: Melitta Burger
Bauherr Maximilian Fiessmann (von links), Bürgermeister Dr. Ralf Hartnack und Veranstalter Dr. Ralf Kneitz sprachen zu den Burghaigern und beantworteten auch deren Fragen. Fotos: Melitta Burger   » zu den Bildern

Burghaig - Damit hatte selbst Dr. Ralf Kneitz nicht gerechnet, der zu der Versammlung eingeladen hatte: Mehr als 150 Burghaiger Bürger ließen sich trotz des strömenden Regens nicht abhalten, ihren Protest gegen das vom Stadtrat bereits genehmigte Wohnhaus in der Theodor-Heublein-Straße zum Ausdruck zu bringen. "So ein Kasten passt nicht in unser Dorf", war die Mehrheit überzeugt und machte das auch in teils emotionalen Redebeiträgen deutlich. Die Befürworter des Projekts, mit dem auf drei Etagen und einem eingerückten vierten Stock mit Flachdach elf Wohnungen geschaffen werden sollen, erinnerten daran, dass es auch in der Architektur Veränderungen gibt. "Wir sind doch nicht mehr im Mittelalter", sagte eine Frau. Ein anderer deutete auf eine Villa im Toscana-Stil nicht weit entfernt. "Das hat mit einem fränkischen Dorf auch nicht viel zu tun." Der Applaus allerdings war auf der Seite derer, die sich gegen das Vorhaben positionierten, auch wenn wohl allen bewusst war, dass das Haus wie geplant gebaut werden wird. Bauherr Maximilian Fiessmann bestätigte das. Nach einem Appell von Stadtrat Ingo Lehmann, das Vorhaben nochmals umzuplanen, sagte Fiessmann: "Ich halte mich an die Gesetze. Der Plan wurde genehmigt, und daran werde ich festhalten." Er habe für die Planung des modernen Flachdach-Baus auch viel Zuspruch erhalten und wünsche sich, dass auch die Burghaiger mehr mit der Zeit gehen.

Dr. Ralf Kneitz war von der großen Resonanz beeindruckt. Die Burghaiger zeigten Gesicht für ihr Dorf, "wie wir es lieben". Ein Signal solle von dieser Veranstaltung ausgehen, verbunden mit der Bitte, sich bei künftigen Bauprojekten mehr Gedanken über die Gestaltung im Rahmen eines einheitlichen Gesamtbildes der Ortschaften zu machen.

Kneitz machte deutlich, dass es nicht das Ziel des Protests sei, einen Wohnungsneubau zu verhindern. "Im Gegenteil: Mancher ist froh, dass die alte Scheune weg ist, dass eine Baulücke geschlossen werden kann und wir neuen Menschen ein Zuhause in unserem schönen Burghaig geben können." Kneitz räumte ein, dass der Trend in der Architektur derzeit vom Satteldach abrücke und Flach- oder Pultdächer bevorzugt würden. Dieses Gebäude werde aber wahrscheinlich nach der Kirche das größte in Burghaig werden. "Wir wollen, dass das Ortsbild erhalten bleibt." Kneitz sprach die Bitte aus, die Pläne nochmals zu überdenken und besser an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen.

Maximlian Fiessmann sagte, er habe sich bei der Planung des Hauses gegenüber der Burghaiger Schule an den umliegenden Mehrfamilienhäusern orientiert. Es gebe in der Umgebung bereits ein Haus mit drei Geschossen plus Dachgeschoss. Das entspreche auch seiner eigenen Planung. Vorwürfe, er strebe nach Gewinnmaximierung, wies Fiessmann zurück. Er baue das Haus, um die Wohnungen zu vermieten, nicht um sie zu verkaufen. Schon jetzt habe er zahlreiche Bewerbungen. Fiessmann verwies auf andere Wohnblöcke in Burghaig. Es gebe dabei die unterschiedlichsten Dachformen. Das wollte Erika Brose so nicht stehenlassen. Mindestens 200 Burghaiger haben ihren Worten zufolge bereits Unterschriften gegen das geplante Bauwerk geleistet. "Wie kann man nur so etwas genehmigen!" Gabriele Walter ergänzte: "So ein Gebäude gehört in unser Alt-Burghaig nicht hinein. Das ist eine Schande." Erika Brose übergab die Unterschriftenlisten später an Bürgermeister Dr. Ralf Hartnack.

Der sprach von einem Gebäude mit einem "durchaus modernen Baustil, der klare Kanten hat". In dem Bereich, in dem der Neubau entstehen soll, gebe es keinen Bebauungsplan. Die einzigen Kriterien, die demnach gelten, besagten, dass sich das Gebäude nach Art und Maß einfügen muss. Dabei gehe es um die Höhe des Gebäudes, um die Grundfläche und um die Frage, ob Nachbarn beeinträchtigt werden. Die Scheune, die jetzt abgerissen wurde, hatte laut Hartnack eine Grundfläche von etwa 450 Quadratmetern und eine Firsthöhe von 13,5 Metern bei einer Traufhöhe von 7,50 Metern. "Die Scheune stand in einem Abstand von etwa drei Metern an der engsten Stelle und etwa fünf Metern von der Straße entfernt." Die größte Höhe des Neubaus liege knapp über zwölf Meter und sei damit niedriger als die Firsthöhe der Scheune. Zudem weise das neue Haus nur eine Grundfläche von rund 300 Quadratmetern auf und rücke auch noch weiter von der Straße ab. Der geringste Abstand zur Straße betrage neun Meter, an der weitesten Stelle elf Meter. "Das Gebäude rückt nach hinten weg. Meiner Meinung nach würde das die erdrückende Wirkung zur Straße reduzieren." Deswegen habe der Stadtrat auch so entschieden. Moderne Architektur rücke aus gestalterischen und aus nutzungstechnischen Grünen vom Satteldach ab. Wohnungen mit schrägen Wänden seien schwerer zu vermieten. Für eine Stadt sei es schwierig, auf die reine Gestaltung einzuwirken, es sei denn es gebe Gestaltungssatzungen. "Die gelten dann aber für alle", gab Hartnack zu bedenken. "Da steht dann auch drin, welche Fenstergrößen oder welche Sprosseneinteilungen." Auch die Bedenken, es gebe zu wenig Parkflächen, zerstreute Hartnack: 21 Stellflächen, zwei mehr als nötig, seien geplant. Die Verkehrssituation solle aber dennoch nochmals bei einer Verkehrsschau untersucht werden. Der Termin werde derzeit koordiniert und zeitnah stattfinden. Doch auch Hartnack räumte ein: "Ich sehe, dass Sie sich nicht mit dem Gebäude identifizieren können."

Stadtrat Matthias Meußgeyer vertrat die Ansicht, der Stadtrat habe sehr wohl die Möglichkeit gehabt, das Projekt abzulehnen. Auch im Bauamt habe es, wie Stadtrat Hans Werther betonte, durchaus Bedenken gegeben. "Auch die Verwaltung war sich unsicher, ob dieses Gebäude in dieses Dorf passt." Meußgeyer machte den Burghaigern aber auch wenig Hoffnung: "Das Problem ist, wir haben das durchgewunken. Jetzt ist es genehmigt." Bei einem weiteren Ortstermin werde es wohl nur um Stellplätze, nicht um das Haus grundsätzlich gehen. "Dieses scheußliche Dach wird wohl so kommen. Das finde ich nicht richtig."

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Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
10. 11. 2019
17:12 Uhr

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Melitta Burger

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10. 11. 2019
17:12 Uhr



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